Wer eine Wallbox plant, stößt schnell auf die Frage: Typ 2 oder CCS – was kommt an die Wand? Die Antwort ist weniger komplex als sie scheint, aber die Unterscheidung ist technisch relevant. Typ 2 ist ein AC-Standard, CCS Combo 2 ein DC-Standard. Beide nutzen denselben oberen Steckerteil, aber sie funktionieren nach grundlegend anderen Prinzipien. Für die Heiminstallation ist diese Unterscheidung kaufentscheidend.
Im Mittelpunkt steht die Fahrzeugkompatibilität – mit Gewichtung 5, weil eine Wallbox ohne passenden Gegenstecker schlicht nutzlos ist. Dahinter folgen maximale Ladeleistung und Verbreitung in Europa, beide mit Gewichtung 4. Typ 2 ist seit 2013 EU-weit als Pflichtstandard für neue Ladepunkte festgelegt (Richtlinie 2014/94/EU). Die Installationsanforderungen und die Zukunftssicherheit fließen mit Gewichtung 3 ein, weil sie den Investitionsschutz über 10–15 Jahre beeinflussen. CCS wurde bei diesen Kriterien nicht als Heimlösung gewertet, sondern als Unterwegs-Standard eingeordnet.
Entscheidend für die Gewichtung: Zuhause wird ausschließlich mit Wechselstrom (AC) geladen. Haushaltliche Netzanschlüsse liefern dreiphasig bis 400 V mit 32 A Absicherung, was eine maximale Wallbox-Leistung von ca. 22 kW ergibt. DC-Lader erfordern eigene Gleichrichter-Hardware, die im Heimbereich weder wirtschaftlich noch netztechnisch darstellbar ist.
Typ 2 gewinnt diesen Vergleich mit 9,1 Punkten, weil er der einzige Standard ist, der an einer Heimwallbox sinnvoll funktioniert. Alle aktuellen europäischen E-Fahrzeuge – von VW ID.3 über Renault Zoe bis Tesla Model 3 – laden AC-seitig über Typ 2. Wallboxen mit fest angeschlagenem Typ-2-Kabel oder Typ-2-Steckdose kosten zwischen 300 € und 1.200 € netto, je nach Ausstattung (RFID, Smart-Charging, Lastmanagement). Die Nutzschicht-Analogie auf den Boden gezogen: Typ 2 ist das bewährte Material mit langer Praxishistorie.
CCS Combo 2 landet mit 6,4 Punkten nicht weil der Standard schlecht ist, sondern weil er am falschen Ort bewertet wird. CCS liefert an öffentlichen Säulen bis zu 350 kW DC-Ladeleistung – zuhause ist diese Leistung nicht abrufbar. Kein handelsüblicher Heimanschluss kann DC liefern, und DC-Wandler für die Garage beginnen bei ca. 15.000 €. Fahrzeuge mit CCS-Port laden zuhause trotzdem über den oberen Typ-2-Teil des Steckers – der DC-Teil bleibt dabei ungenutzt.
Ein Muster zeigt sich klar: Alle sinnvollen Heimladelösungen basieren auf Typ 2 als AC-Interface. CCS ist komplementär, nicht konkurrierend.
Eigenheim mit Photovoltaik: Typ-2-Wallbox mit Smart-Charging-Funktion, mindestens 11 kW, dreiphasig. Modelle mit OCPP-Protokoll ermöglichen PV-Überschussladen. Mietwohnung mit Tiefgaragenstellplatz: Typ-2-Wallbox mit RFID-Abrechnung und Lastmanagement, 11 kW genügt. Fuhrpark / Mehrfamilienhaus: Typ-2-System mit dynamischem Lastmanagement, bis 22 kW je Ladepunkt, zentrale Abrechnungseinheit. Schnellladen unterwegs: Hier ist CCS Combo 2 der richtige Standard – nicht als Heimlösung, sondern als Fahrzeugbuchse für öffentliche DC-Lader. Wer ein Fahrzeug mit CCS-Buchse hat, braucht zuhause trotzdem nur eine Typ-2-Wallbox.