Wer eine Wallbox kauft, steht früher oder später vor der Frage: Muss das Gerät geeicht sein? Die Antwort hängt nicht vom persönlichen Komfort ab, sondern vom Mess- und Eichgesetz (MessEG) und der EU-Messgeräterichtlinie MID. Wer Strom an Dritte – Mieter, Mitarbeiter, Kunden – abrechnet, braucht ein geeichtes Messgerät. Wer ausschließlich das eigene Fahrzeug zu Hause lädt und keine Kosten auf andere umlegt, kommt ohne aus. Diese Grenze ist nicht verhandelbar.
Im Zentrum steht die rechtliche Zulässigkeit: Ein nicht-geeichter Zähler darf keine abrechenbare Messgröße liefern – damit fällt das Nutzungsszenario als erstes Kriterium mit Gewichtung 5 ins Gewicht. Gleichwertig: die Anschaffungskosten (Gewichtung 4) und die laufenden Backend-Kosten (Gewichtung 4). Eichrechtskonforme Wallboxen kosten in der Anschaffung 900–2.200 € gegenüber 400–900 € für einfache Modelle. Hinzu kommen bei OCPP-pflichtigen Systemen monatlich 5–30 € pro Ladepunkt für das Abrechnungs-Backend. Der Installationsaufwand (Gewichtung 3) steigt, weil MID-zertifizierte Zähler teils separat verbaut und vom Elektriker dokumentiert werden müssen. Wartungsintervalle (Gewichtung 2) spielen langfristig eine Rolle: Geeichte Zähler laufen 8–16 Jahre bis zur Nacheichpflicht.
Die eichrechtskonforme Wallbox mit OCPP-Anbindung gewinnt das Ranking klar – nicht wegen technischer Überlegenheit, sondern wegen rechtlicher Notwendigkeit in allen gewerblichen Anwendungen. Alle Modelle auf Platz 1 haben einen MID-zertifizierten Zähler verbaut, übermitteln Ladedaten revisionssicher an ein Backend und erlauben die nutzerbezogene Abrechnung nach Kilowattstunde. Modelle wie ABB Terra AC, Keba KeContact P30 c-series oder Webasto Live erfüllen diese Anforderungen ab ca. 1.100 € netto. Die nicht-eichrechtskonforme Kategorie (Platz 2) schneidet bei reinem Eigenverbrauch besser ab: günstigere Geräte wie go-e Charger Gemini oder Easee Home starten bei 400–600 €, sind einfacher zu installieren und benötigen kein Abrechnungssystem. Der Mittelweg – MID-Zähler ohne OCPP (Platz 3) – eignet sich für Arbeitgeber, die Strom pauschal erstatten und keine dynamische Abrechnung brauchen. Hier reicht ein BAFA-förderfähiges Gerät mit geeichtem Zähler ohne laufendes Backend.
Privathaushalt, Eigenverbrauch ohne Drittabrechnung: Nicht-eichrechtskonforme Wallbox, 400–900 €, kein Backend, schnelle Installation. Arbeitgeber mit Pauschalerstattung: MID-Zähler Pflicht, OCPP optional – Geräte ab 900 €, BAFA-Förderung prüfen. Vermieter mit Mieterstrom oder öffentlichem Ladepunkt: Vollständig eichrechtskonforme Wallbox mit OCPP-Backend unverzichtbar, Gesamtkosten inkl. Backend ab 1.300 € pro Ladepunkt im ersten Jahr einplanen. Gewerbliche Flotte oder Firmenparkplatz: Eichrechtskonforme Multipoint-Lösung mit Load-Management und Backend-Vertrag – hier lohnt der Systemvergleich der Anbieter, da die Skalierungskosten stärker ins Gewicht fallen als das Einzelgerät.