Wer eine Wallbox-Steuerung auswählt, entscheidet nicht über ein Gerät, sondern über eine Systemarchitektur. openWB und cFos Power Brain lösen dasselbe Grundproblem — mehrere Ladepunkte koordinieren, PV-Leistung einbeziehen, Netzanschluss schonen — aber auf fundamental unterschiedlichem Weg. Dieser Vergleich richtet sich an Planer, Elektrobetriebe und technisch versierte Eigenheimbesitzer, die vor der Frage stehen: Eigene Linux-Instanz mit vollem Zugriff oder fertiger Controller mit definiertem Funktionsumfang.
Das schwerste Kriterium ist die Lastmanagement-Tiefe. Wer PV-Überschussladen, Haushaltslastbegrenzung und mehrere EVSE gleichzeitig regeln will, braucht eine Plattform, die Zähler, Wechselrichter und Ladepunkte in Echtzeit verknüpft. Dahinter folgt die Hardwareabhängigkeit: openWB läuft auf Raspberry Pi oder kompatiblen SBCs — die Hardware liegt beim Betreiber. cFos Power Brain ist ein eigener Controller, der in die Wallbox oder als externes Gerät verbaut wird. Die Integrationsfähigkeit entscheidet, ob Systeme wie Home Assistant, FHEM oder herstellerspezifische Wechselrichter-APIs eingebunden werden. Der Konfigurationsaufwand trennt Installationsszenarien ohne IT-Hintergrund von solchen mit dediziertem Techniker. Skalierbarkeit und OCPP-Fähigkeit gewinnen Gewicht, sobald mehr als zwei Ladepunkte oder eine Nutzerverwaltung gefragt sind.
openWB dominiert überall dort, wo die Anlage heterogen aufgestellt ist: verschiedene Wechselrichter-Hersteller, eigene Zählerinfrastruktur, Wunsch nach MQTT-basierter Eigenentwicklung. Die Plattform unterstützt über 50 Wechselrichter-Schnittstellen per Modbus TCP und REST, kennt drei Ladestrom-Modi (PV, Min+PV, Sofort) und erlaubt Priorisierung einzelner Fahrzeuge. Der Preis dafür: Wer keine Erfahrung mit Linux-Diensten und Konfigurationsdateien hat, kämpft bei der Ersteinrichtung.
cFos Power Brain punktet in Szenarien mit klar definiertem Objektumfang — Tiefgarage mit 4–20 Ladepunkten, OCPP-Backend vorhanden, Installateur ohne Raspberry-Pi-Erfahrung. Die Weboberfläche ist flacher, die Inbetriebnahme geht ohne SSH-Zugang. Wo openWB durch Community-Module erweitert wird, arbeitet cFos mit fest definierten Protokollen. Das schränkt ein, erhöht aber die Wartungssicherheit für Betriebe ohne eigene IT.
Ein Muster zieht sich durch beide Systeme: Wer mehr als 3 Ladepunkte plant, braucht in beiden Fällen Modbus-fähige Zähler und eine klare Netzanschluss-Dokumentation. Ohne Zählerinfrastruktur arbeitet kein Lastmanagement zuverlässig — unabhängig von der Plattformwahl.
Das folgende Raster ersetzt jede pauschale Empfehlung. Wende es auf deine Situation an: