Das Wichtigste in Kürze
Welche Ladeleistung Ihr Auto tatsächlich aufnimmt
Die maximale Ladeleistung Ihres Elektroautos steht im Fahrzeugschein (Feld 22 „Sonstige Angaben“ oder Herstellerdatenblatt) oder im Bordcomputer-Menü unter „Fahrzeugdaten“. Der entscheidende Wert ist die Bordlader-Kapazität in Kilowatt (kW). Nur bis zu diesem Wert kann das Fahrzeug Energie aufnehmen — egal wie viel die Ladesäule anbietet.
Beispiel: Ein Fahrzeug mit 11 kW Bordlader lädt an einer 22 kW-Säule maximal mit 11 kW. Die restlichen 11 kW werden nicht genutzt. Eine teurere 22 kW-Karte oder -Abonnement bringt in diesem Fall keinen Vorteil.
AC- und DC-Laden: zwei verschiedene Systeme
Beim Laden über Haushaltsstrom oder öffentliche Wechselstromsäulen (AC) ist ausschließlich der Bordlader limitierend. Dieser wandelt Wechselstrom in Gleichstrom um und hat eine feste Maximalleistung — bei aktuellen Modellen meist zwischen 7,4 kW und 22 kW.
Beim Schnellladen über Gleichstrom (DC) entfällt der Bordlader. Hier begrenzt der fahrzeuginterne DC-Eingang die Aufnahme. Typische Werte reichen von 50 kW (ältere Modelle) bis über 350 kW (aktuelle Hochvoltplattformen). Auch hier gilt: Das Fahrzeug regelt die Ladeleistung selbst — abhängig von Akkustand, Temperatur und Ladekurve.
| Ladetyp | Stecker | Typische Leistung | Limitierender Faktor |
|---|---|---|---|
| AC einphasig | Typ 2 | 3,7 kW / 7,4 kW | Bordlader |
| AC dreiphasig | Typ 2 | 11 kW / 22 kW | Bordlader |
| DC Schnellladen | CCS / CHAdeMO | 50–350 kW | DC-Eingang Fahrzeug |
So berechnen Sie die Ladezeit selbst
Die Ladezeit lässt sich mit einer einfachen Formel annähern:
Ladezeit (h) = Nettokapazität Akku (kWh) ÷ Ladeleistung (kW)
Ein Fahrzeug mit 60 kWh Nettokapazität und 11 kW Bordlader lädt von 0 auf 100 % in rund 5,5 Stunden. Mit einem 7,4 kW Bordlader dauert derselbe Ladevorgang knapp 8,1 Stunden.
Wichtig: Diese Rechnung gilt für den linearen Bereich der Ladekurve. Zwischen 80 und 100 % Ladezustand drosseln Fahrzeuge die Leistung aus Schutzgründen automatisch — die tatsächliche Ladezeit liegt deshalb 10–20 % über dem errechneten Wert.
Vier Prüfpunkte, die Sie selbst abarbeiten können
- Bordlader AC-Leistung: Nachschlagen im Fahrzeugschein, Fahrzeughandbuch oder auf der Herstellerwebsite unter technische Daten. Angabe in kW suchen, nicht kVA.
- Phasenzahl prüfen: Einphasige Bordlader (1 × 230 V) erreichen maximal 7,4 kW, dreiphasige (3 × 230 V) bis zu 22 kW. Viele Fahrzeuge haben 11 kW-Lader, die dreiphasig mit je 3,6 kW laden.
- DC-Maximalleistung: Steht separat im Datenblatt. Nur relevant, wenn Sie Schnellladestationen nutzen. Angabe in kW, nicht mit AC-Wert verwechseln.
- Wallbox oder Ladesäule: Prüfen, ob die vorhandene oder geplante Ladeinfrastruktur mindestens die Bordlader-Leistung liefert. Unterschreitet die Säule den Bordladerwert, laden Sie entsprechend langsamer.
Was die Kilowatt-Angabe nicht verrät
Die maximale Ladeleistung beschreibt nur den Spitzenwert — nicht den Durchschnitt über einen Ladevorgang. Fahrzeuge starten oft unter Maximalleistung (kalte Batterie, niedriger Ladestand unter 10 %) und drosseln ab 80 % Ladestand. Die Herstellerangaben zur Ladezeit beziehen sich deshalb häufig auf 10–80 %, nicht auf 0–100 %.
Außerdem sagt die Ladeleistung nichts über den Ladeverlust aus. Typische Ladeverluste liegen bei 10–15 % (Wärmeentwicklung, Wandlerverluste). Wer 60 kWh netto in den Akku laden will, entnimmt der Leitung realistisch 66–69 kWh.
Für die Abrechnung an öffentlichen Ladesäulen ist das relevant: Abgerechnet wird die aus der Säule entnommene Energie (kWh), nicht die im Akku angekommene. Der Unterschied zwischen Hersteller-Reichweitenangabe (WLTP) und realer Ladeeffizienz ergibt sich unter anderem aus diesem Verlustfaktor.
Wallbox-Leistung: Was Ihr Hausanschluss erlaubt
Eine 22 kW-Wallbox zu installieren macht nur Sinn, wenn der Hausanschluss und die Zählerleistung das zulassen. Standard-Hausanschlüsse in Deutschland liefern 3 × 25 A, was rechnerisch 17,25 kW entspricht — unter Dauerlast ist dieser Wert nicht voll ausnutzbar.
Für eine 11 kW-Wallbox (3 × 16 A) reicht der Standardanschluss in den meisten Fällen aus. Eine 22 kW-Wallbox (3 × 32 A) erfordert eine Prüfung durch den Netzbetreiber und ab 12 kW eine Anmeldung nach § 19 NAV. Ob und wie diese Anmeldung in Ihrer Gemeinde abläuft, klären Sie mit Ihrem Netzbetreiber — rechtliche Einzelfragen zu Genehmigungspflichten und Netzanschluss gehören in eine Fachberatung oder die Rechtsrubrik dieses Portals.
Entscheidungshilfe: Welche Ladeleistung ist für Sie sinnvoll
Orientieren Sie sich an drei Faktoren:
- Tägliche Fahrleistung: Wer täglich unter 80 km fährt, kommt mit einem 7,4 kW-Lader und Nachtladung aus. Für über 150 km täglich empfiehlt sich ein Fahrzeug mit mindestens 11 kW Bordlader.
- Ladezeit-Toleranz: Wer ausschließlich über Nacht lädt (8–10 h), braucht bei einem 60 kWh-Akku nur 6–7,5 kW Ladeleistung, um vollzuladen. Alles darüber ist Komfort, kein Muss.
- Nutzung von Schnellladesäulen: Wenn Sie Langstrecken mit DC-Laden planen, ist die DC-Maximalleistung Ihres Fahrzeugs der relevante Wert — nicht die AC-Bordlader-Kapazität. Hier unterscheiden sich Fahrzeuge erheblich: von 50 kW bei älteren Kleinwagen bis 270 kW bei aktuellen Hochvoltfahrzeugen.