Wallbox und Home Assistant

Ratgeber 6 Min. Lesezeit 10.09.2026
Eine Wallbox lässt sich über Home Assistant steuern — vorausgesetzt, sie unterstützt ein offenes Protokoll wie OCPP, Modbus oder eine dokumentierte API. Welche Voraussetzungen Ihre Wallbox erfüllen muss und wie die Integration konkret funktioniert, zeigt dieser Ratgeber.
Das Wichtigste in Kürze

Welche Wallboxen lassen sich in Home Assistant einbinden?

Home Assistant kommuniziert mit Wallboxen über drei Wege: eine native Integration aus dem offiziellen Store, eine HACS-Community-Integration oder eine direkte Protokollanbindung. Entscheidend ist nicht die Marke, sondern das Protokoll der Wallbox.

  • OCPP 1.6J (Open Charge Point Protocol): offener Standard, von Home Assistant über die Community-Integration „OCPP“ unterstützt. Die Wallbox agiert als Charge Point, Home Assistant als Central System.
  • Modbus TCP/RTU: industrielles Register-Protokoll, direkt über die Home-Assistant-Modbus-Integration nutzbar. Erfordert Kenntnis der Registeradressen des Herstellers.
  • Herstellereigene API: einige Hersteller (z. B. go-e, Easee, Wallbox Pulsar) bieten REST- oder MQTT-APIs. Dafür existieren oft native oder HACS-Integrationen.
  • Kein offenes Protokoll: Cloud-only-Wallboxen ohne lokale Schnittstelle lassen sich nicht zuverlässig lokal integrieren — Cloud-Abhängigkeit bedeutet Ausfallrisiko bei Serverwechsel des Herstellers.

Prüfen Sie vor dem Kauf das Datenblatt oder die Entwicklerdokumentation der Wallbox auf die Begriffe „OCPP“, „Modbus“, „lokale API“ oder „REST/MQTT“. Fehlen diese Hinweise, fragen Sie den Hersteller schriftlich — die Antwort dokumentiert die Integrationsfähigkeit.

Technische Voraussetzungen auf der Home-Assistant-Seite

Home Assistant muss lokal im selben Netzwerksegment wie die Wallbox erreichbar sein. Eine Cloud-Abhängigkeit (Home Assistant Cloud / Nabu Casa) ist für die Wallbox-Steuerung nicht nötig und erhöht die Latenz unnötig.

  • Home Assistant OS oder Supervised: vollständiger Add-on-Store verfügbar, empfohlen für OCPP-Server-Add-on.
  • Home Assistant Container oder Core: OCPP-Integration läuft als externe Komponente, erfordert manuellere Einrichtung.
  • HACS (Home Assistant Community Store): für Integrationen, die nicht im offiziellen Store sind. HACS ist kein offizieller Bestandteil, wird aber von der Community gepflegt.
  • Netzwerk: Wallbox und Home-Assistant-Instanz im gleichen VLAN oder mit offenen Ports für das jeweilige Protokoll (OCPP: TCP-Port 9000 üblich, Modbus TCP: Port 502).

Ladesteuerung: Was Home Assistant tatsächlich regeln kann

Nach erfolgreicher Integration stellt Home Assistant typischerweise folgende Entitäten bereit:

  • Ladestrom in Ampere (A) — einstellbar zwischen Minimum (meist 6 A) und Maximum (je nach Wallbox-Typ 16 A oder 32 A)
  • Ladezustand (verfügbar / lädtgerade / gestoppt / Fehler)
  • Energiezähler in kWh (Sitzungsenergie und Gesamtenergie)
  • Freischaltung (Transaktion starten / stoppen)

Darauf aufbauend lassen sich Automatisierungen erstellen: Laden bei negativem Netzbezug drosseln, PV-Überschuss-Laden aktivieren oder Ladestart auf günstige Stromtarifzeiten verschieben.

PV-Überschuss-Laden: Mindestladeströme beachten

Das Minimum von 6 A bei einphasiger Ladung entspricht einer Mindestleistung von 1,38 kW (6 A × 230 V). Bei dreiphasiger Ladung sind es 4,14 kW (6 A × 230 V × 3 Phasen). Liegt der PV-Überschuss darunter, kann die Wallbox nicht weiter reduziert werden — sie schaltet ab oder lädt mit Mindestlast aus dem Netz.

Der einstellbare Ladestrom bestimmt außerdem nur die AC-seitige Vorgabe. Wie viel Leistung das Fahrzeug tatsächlich zieht, entscheidet der fahrzeugseitige Bordlader (On-Board-Charger, OBC). Ein OBC mit 7,4 kW nimmt an einer 11-kW-Wallbox maximal 7,4 kW ab — die Wallbox-Leistungsgrenze ist dann nicht der limitierende Faktor.

Prüfpunkte vor der Einrichtung — selbst abarbeitbar

  1. Wallbox-Dokumentation auf OCPP, Modbus oder lokale API prüfen.
  2. Home-Assistant-Instanz-Typ feststellen (OS / Supervised / Container / Core).
  3. Netzwerksegment prüfen: Wallbox und Home Assistant im gleichen Subnetz oder Routing vorhanden?
  4. HACS installiert, falls benötigte Integration nicht im offiziellen Store liegt?
  5. Für OCPP: OCPP-Server-Add-on in Home Assistant installieren, Wallbox-URL auf ws://[HA-IP]:9000/[Wallbox-ID] setzen.
  6. Für Modbus: Registeradressen des Herstellers beschaffen (oft als CSV oder PDF in der Entwicklerdoku).
  7. Testlauf: Ladestrom in 2-A-Schritten verändern und Reaktion der Wallbox prüfen — Latenz über OCPP beträgt typischerweise unter 2 Sekunden.

Was die Integration nicht abdeckt

Home Assistant sieht den Ladestrom, den die Wallbox vorgibt — nicht den Strom, den das Fahrzeug tatsächlich zieht. Fahrzeuginterne Limits (Ladeplan im Fahrzeug, Akkutemperatur, Ladekapazitätsdrosselung bei hohem SOC) bleiben unsichtbar, solange kein Fahrzeug-API-Zugang besteht (z. B. über Tesla-Integration oder IONITY-kompatible Dienste).

Ebenso bildet die Integration keine Netzrückspeisung (Vehicle-to-Grid, V2G) ab — das erfordert bidirektionale Wallboxen und Fahrzeuge, die V2G unterstützen. Verfügbare Serienmodelle mit V2G-Freigabe in Deutschland sind Stand 2024 noch auf wenige Modelle beschränkt.

Energieabrechnungen für Mehrfamilienhäuser oder gewerbliche Nutzung erfordern eichrechtlich zugelassene Zähler in der Wallbox. Home Assistant kann Zählerdaten anzeigen, ersetzt aber keine eichrechtskonforme Abrechnung. Für Fragen zur Anmeldepflicht der Wallbox beim Netzbetreiber und zur eichrechtlichen Konformität lesen Sie die Hinweise in unserer Rechtsrubrik.

Typische Integrationen und ihre Einschränkungen

Protokoll / IntegrationLokale SteuerungEchtzeitdatenAufwand
OCPP 1.6J (HACS)JaJa (unter 2 s)Mittel
Modbus TCPJaJa (Polling, ca. 5–30 s)Hoch (Registerwissen nötig)
Herstellereigene REST-API (lokal)JaJa (Polling)Gering bis mittel
Cloud-API (kein lokaler Zugang)NeinVerzögert (Cloud-Latenz)Gering, aber abhängig

Empfehlung für den Einstieg

Kaufen Sie eine Wallbox mit OCPP 1.6J-Unterstützung, wenn Sie maximale Herstellerunabhängigkeit und eine aktiv gepflegte Home-Assistant-Integration wollen. OCPP ist ein offener Standard ohne Lizenzgebühren — Hersteller können ihn nicht nachträglich sperren. Für die Einrichtung planen Sie eine halbe bis eine Stunde, wenn Netzwerk und Home-Assistant-Instanz bereits stabil laufen. Modbus ist die Alternative, wenn die Wallbox bereits verbaut ist und kein OCPP bietet — erfordert aber Zugang zur Herstellerdokumentation auf Registerebene.

Häufige Fragen

Im offiziellen Home-Assistant-Integrationsstore sind u. a. go-e Charger, Easee und Wallbox (Pulsar) gelistet. Alle Wallboxen mit OCPP 1.6J lassen sich über die HACS-Community-Integration einbinden, unabhängig vom Hersteller. Entscheidend ist das Protokoll, nicht die Marke.

Ja, über eine Automatisierung, die den Ladestrom in Echtzeit an den PV-Überschuss anpasst. Das Minimum liegt bei 6 A (1,38 kW einphasig, 4,14 kW dreiphasig) — darunter kann die Wallbox nicht weiter reduzieren. Viele Nutzer kombinieren dafür die Wallbox-Integration mit einer Strommessung am Hausanschluss über Shelly EM oder ähnliche Geräte.

Ja, wenn die Wallbox ein lokales Protokoll (OCPP, Modbus, lokale REST-API) nutzt und Home Assistant lokal betrieben wird. Cloud-API-basierte Integrationen fallen bei Internetausfall oder Serverabschaltung des Herstellers aus.

Die Software-Integration ändert nichts an der elektrischen Installation — die Anmeldepflicht beim Netzbetreiber gilt unabhängig davon. Für rechtliche Details zur Anmeldepflicht lesen Sie die Hinweise in unserer Rechtsrubrik.

Über OCPP 1.6J beträgt die Latenz typischerweise unter 2 Sekunden. Bei Modbus TCP mit Polling-Intervall von 10 Sekunden kann es bis zu 10 Sekunden dauern. Cloud-APIs haben keine garantierte Reaktionszeit und sind für zeitkritische PV-Regelung ungeeignet.