Wie viel Reichweite lädt eine Wallbox pro Stunde?

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Wallboxen 6 Min. Lesezeit 10.09.2026
Wer eine Wallbox kauft, denkt in Kilowatt — fährt aber in Kilometern. Dieser Ratgeber zeigt, wie viel Reichweite typische Elektroautos pro Ladestunde an 11-kW- und 22-kW-Wallboxen tatsächlich gewinnen, mit konkreten Zahlen für gängige Modelle.
Das Wichtigste in Kürze

So viel Reichweite lädt eine Wallbox pro Stunde

Die Faustregel ist einfach: Geladene Kilowattstunden geteilt durch den Verbrauch des Fahrzeugs (in kWh/100 km) ergibt die gewonnenen Kilometer. Eine 11-kW-Wallbox lädt theoretisch 11 kWh pro Stunde. Ein Elektroauto mit einem Bordladegerät, das 11 kW akzeptiert, und einem Verbrauch von 18 kWh/100 km gewinnt damit rund 61 km pro Stunde. Bei 22 kW wären es 122 km — sofern das Fahrzeug mitspielt.

Der entscheidende Haken: Nicht das Fahrzeug lädt mit der Wallbox-Leistung, sondern mit der Leistung des Bordladegeräts (OBM). Die Wallbox ist die Obergrenze, das Bordladegerät die tatsächliche Grenze. Viele Fahrzeuge mit 11-kW-Bordlader profitieren von einer 22-kW-Wallbox schlicht nicht — sie laden trotzdem mit 11 kW.

Bordladegerät: Die echte Begrenzung

Das Bordladegerät wandelt Wechselstrom (AC) aus der Wallbox in Gleichstrom (DC) für die Batterie um. Seine Maximalleistung ist fahrzeugspezifisch und nicht nachrüstbar. Typische Werte:

  • 7,2 kW (einphasig): Ältere Fahrzeuge, z. B. frühe Renault Zoe, Nissan Leaf bis 2018
  • 11 kW (dreiphasig): Aktueller Standard bei Volkswagen ID.3/ID.4, BMW i4, Hyundai Ioniq 6, Tesla Model 3 (Standard)
  • 22 kW (dreiphasig): Renault Zoe (neuere Generation), einige Mercedes EQA/EQB-Varianten, BMW iX

Wer ein Fahrzeug mit 11-kW-Bordlader hat, verschwendet Geld mit einer 22-kW-Wallbox — außer er plant einen Fahrzeugwechsel oder vermietet die Wallbox mit.

Reichweite pro Stunde: Vergleichstabelle gängiger Modelle

FahrzeugAkku (netto)Verbrauch (WLTP)Bordladerkm/h an 11 kWkm/h an 22 kW
VW ID.3 Pro58 kWh17,0 kWh/100 km11 kWca. 65 km65 km (kein Vorteil)
Hyundai Ioniq 6 (Std.)53 kWh14,3 kWh/100 km11 kWca. 77 km77 km (kein Vorteil)
Tesla Model 3 (LR)75 kWh15,0 kWh/100 km11 kWca. 73 km73 km (kein Vorteil)
Renault Zoe (R135)52 kWh17,7 kWh/100 km22 kWca. 62 kmca. 124 km
BMW iX xDrive50105 kWh21,0 kWh/100 km22 kWca. 52 kmca. 105 km
Mercedes EQA 250+66 kWh17,5 kWh/100 km11 kWca. 63 km63 km (kein Vorteil)

Die Verbrauchswerte stammen aus WLTP-Herstellerangaben. Im Winter oder bei Autobahnfahrten sinkt die Reichweite um 20–40 %, entsprechend fällt auch der Kilometergewinn pro Ladestunde niedriger aus.

11 kW oder 22 kW Wallbox: Was bringt die höhere Leistung wirklich?

Für die meisten Haushalte in Deutschland ist die 11-kW-Wallbox der richtige Kauf. Die Begründung ist technisch und bürokratisch:

  • Eine 22-kW-Wallbox erfordert eine Anmeldung beim Netzbetreiber nach § 19 NAV — und dessen Genehmigung. Bei 11 kW ist nur eine Anmeldepflicht, keine Genehmigungspflicht vorgesehen (Stand 2024, abhängig vom Netzbetreiber).
  • Der Anschluss einer 22-kW-Wallbox benötigt einen dreiphasigen Zähler mit ausreichender Absicherung — häufig sind Elektriker-Mehrkosten von 500–1.500 € einzuplanen.
  • Über Nacht stehen üblicherweise 8–10 Stunden Ladezeit zur Verfügung. An 11 kW sind das 88–110 kWh theoretisch ladbar — mehr als die Akkukapazität der meisten Fahrzeuge.

Eine 22-kW-Wallbox lohnt sich konkret, wenn: das Fahrzeug einen 22-kW-Bordlader hat und täglich sehr hohe Kilometerleistungen (200+ km) anfallen und die Ladezeit unter 5 Stunden bleiben muss.

Wie den Wert für das eigene Fahrzeug berechnen?

Die Formel ist dreigliedrig:

  1. Effektive Ladeleistung ermitteln: Minimum aus Wallbox-Leistung und Bordlader-Leistung. Beispiel: 22-kW-Wallbox, 11-kW-Bordlader → 11 kW effektiv.
  2. Ladewirkungsgrad abziehen: AC-Laden hat typischerweise einen Wirkungsgrad von 88–93 %. Bei 11 kW Wallboxleistung kommen netto rund 9,7–10,2 kWh in der Batterie an.
  3. Durch Verbrauch teilen: 10,0 kWh ÷ 18 kWh/100 km = 55,6 km netto pro Stunde.

Für Alltagsplanung empfiehlt sich ein Abschlag von 10 % auf den WLTP-Verbrauch, um Temperatur- und Fahrstileffekte abzubilden.

Schnelllader vs. Wallbox: Warum DC zuhause kein Thema ist

Öffentliche DC-Schnelllader liefern 50–350 kW und laden Fahrzeuge in 20–45 Minuten auf 80 % — aber nur bis zu diesem Ladestand, weil das Batteriemanagementsystem danach drosselt. Zuhause ist DC-Laden technisch möglich (sogenannte „Bidirektionale Wallboxen“), aber teuer (ab ca. 3.000 €) und auf wenige Fahrzeuge beschränkt (Nissan Leaf, Mitsubishi Outlander PHEV, seit 2024 einige VW- und Ford-Modelle). Für reine Reichweiten-Aufladung über Nacht ist die AC-Wallbox die wirtschaftlich sinnvolle Lösung.

Welche Wallbox passt zu welchem Fahrzeug?

Die Entscheidung hängt von drei Faktoren ab: Bordlader-Leistung des Fahrzeugs, täglicher Fahrbedarf und verfügbare Ladezeit. Hier eine Entscheidungshilfe:

SituationEmpfehlung
Bordlader max. 11 kW, Tagesbedarf unter 150 km11-kW-Wallbox ausreichend
Bordlader 22 kW, Tagesbedarf über 150 km22-kW-Wallbox sinnvoll
Fahrzeugwechsel in 2–3 Jahren geplant22-kW-Wallbox als Investition prüfen
Mehrere Fahrzeuge an einer Wallbox (Load Management)22-kW-Wallbox mit dynamischem Lastmanagement

Wer heute ein Fahrzeug mit 11-kW-Bordlader fährt, aber in drei Jahren auf ein Modell mit 22-kW-Bordlader wechseln will, fährt mit einer 22-kW-Wallbox zukunftssicherer — wenn die Netzanschlusskapazität es erlaubt und der Netzbetreiber zustimmt.

Häufige Fragen

Bei einem Fahrzeug mit 11-kW-Bordlader und einem Verbrauch von 18 kWh/100 km gewinnen Sie netto rund 55–60 km pro Stunde. Bei sparsamen Fahrzeugen (14 kWh/100 km) sind es bis zu 70 km. Winterkälte und Autobahnfahrten reduzieren diesen Wert um 20–40 %.

Nein. Die Ladeleistung wird durch das schwächere Glied begrenzt — das Bordladegerät des Fahrzeugs. Ein Auto mit 11-kW-Bordlader lädt an einer 22-kW-Wallbox genauso schnell wie an einer 11-kW-Wallbox. Der Kilometergewinn pro Stunde bleibt identisch.

Rein rechnerisch 60 kWh ÷ 11 kW = ca. 5,5 Stunden. Mit Ladewirkungsgrad (ca. 90 %) und typischem Ladeverhalten (Drosselung ab 80 %) sind realistisch 6,5–7 Stunden einzuplanen. Über Nacht ist das problemlos umsetzbar.

Bei einem Fahrzeugverbrauch von 18 kWh/100 km benötigen 200 km Reichweite ca. 36 kWh Batteriekapazität. An einer 11-kW-Wallbox ist das in knapp 4 Stunden geladen — auch 7,4-kW-Wallboxen schaffen das über Nacht (ca. 5,5 Stunden). Eine 22-kW-Wallbox ist für diesen Bedarf nicht erforderlich.

Formel: Effektive Ladeleistung (Minimum aus Wallbox und Bordlader) × Ladewirkungsgrad (ca. 0,90) ÷ Fahrzeugverbrauch in kWh/100 km × 100. Beispiel: 11 kW × 0,90 ÷ 17 kWh/100 km × 100 = ca. 58 km pro Stunde.

Ja. In Deutschland ist nach § 19 NAV jede Wallbox ab 12 kW beim Netzbetreiber anzumelden, und dieser kann die Installation ablehnen oder Auflagen erteilen. 11-kW-Wallboxen sind anmeldepflichtig, aber nicht genehmigungspflichtig — das erleichtert die Installation erheblich.