Das Wichtigste in Kürze
So viel Reichweite lädt eine Wallbox pro Stunde
Die Faustregel ist einfach: Geladene Kilowattstunden geteilt durch den Verbrauch des Fahrzeugs (in kWh/100 km) ergibt die gewonnenen Kilometer. Eine 11-kW-Wallbox lädt theoretisch 11 kWh pro Stunde. Ein Elektroauto mit einem Bordladegerät, das 11 kW akzeptiert, und einem Verbrauch von 18 kWh/100 km gewinnt damit rund 61 km pro Stunde. Bei 22 kW wären es 122 km — sofern das Fahrzeug mitspielt.
Der entscheidende Haken: Nicht das Fahrzeug lädt mit der Wallbox-Leistung, sondern mit der Leistung des Bordladegeräts (OBM). Die Wallbox ist die Obergrenze, das Bordladegerät die tatsächliche Grenze. Viele Fahrzeuge mit 11-kW-Bordlader profitieren von einer 22-kW-Wallbox schlicht nicht — sie laden trotzdem mit 11 kW.
Bordladegerät: Die echte Begrenzung
Das Bordladegerät wandelt Wechselstrom (AC) aus der Wallbox in Gleichstrom (DC) für die Batterie um. Seine Maximalleistung ist fahrzeugspezifisch und nicht nachrüstbar. Typische Werte:
- 7,2 kW (einphasig): Ältere Fahrzeuge, z. B. frühe Renault Zoe, Nissan Leaf bis 2018
- 11 kW (dreiphasig): Aktueller Standard bei Volkswagen ID.3/ID.4, BMW i4, Hyundai Ioniq 6, Tesla Model 3 (Standard)
- 22 kW (dreiphasig): Renault Zoe (neuere Generation), einige Mercedes EQA/EQB-Varianten, BMW iX
Wer ein Fahrzeug mit 11-kW-Bordlader hat, verschwendet Geld mit einer 22-kW-Wallbox — außer er plant einen Fahrzeugwechsel oder vermietet die Wallbox mit.
Reichweite pro Stunde: Vergleichstabelle gängiger Modelle
| Fahrzeug | Akku (netto) | Verbrauch (WLTP) | Bordlader | km/h an 11 kW | km/h an 22 kW |
|---|---|---|---|---|---|
| VW ID.3 Pro | 58 kWh | 17,0 kWh/100 km | 11 kW | ca. 65 km | 65 km (kein Vorteil) |
| Hyundai Ioniq 6 (Std.) | 53 kWh | 14,3 kWh/100 km | 11 kW | ca. 77 km | 77 km (kein Vorteil) |
| Tesla Model 3 (LR) | 75 kWh | 15,0 kWh/100 km | 11 kW | ca. 73 km | 73 km (kein Vorteil) |
| Renault Zoe (R135) | 52 kWh | 17,7 kWh/100 km | 22 kW | ca. 62 km | ca. 124 km |
| BMW iX xDrive50 | 105 kWh | 21,0 kWh/100 km | 22 kW | ca. 52 km | ca. 105 km |
| Mercedes EQA 250+ | 66 kWh | 17,5 kWh/100 km | 11 kW | ca. 63 km | 63 km (kein Vorteil) |
Die Verbrauchswerte stammen aus WLTP-Herstellerangaben. Im Winter oder bei Autobahnfahrten sinkt die Reichweite um 20–40 %, entsprechend fällt auch der Kilometergewinn pro Ladestunde niedriger aus.
11 kW oder 22 kW Wallbox: Was bringt die höhere Leistung wirklich?
Für die meisten Haushalte in Deutschland ist die 11-kW-Wallbox der richtige Kauf. Die Begründung ist technisch und bürokratisch:
- Eine 22-kW-Wallbox erfordert eine Anmeldung beim Netzbetreiber nach § 19 NAV — und dessen Genehmigung. Bei 11 kW ist nur eine Anmeldepflicht, keine Genehmigungspflicht vorgesehen (Stand 2024, abhängig vom Netzbetreiber).
- Der Anschluss einer 22-kW-Wallbox benötigt einen dreiphasigen Zähler mit ausreichender Absicherung — häufig sind Elektriker-Mehrkosten von 500–1.500 € einzuplanen.
- Über Nacht stehen üblicherweise 8–10 Stunden Ladezeit zur Verfügung. An 11 kW sind das 88–110 kWh theoretisch ladbar — mehr als die Akkukapazität der meisten Fahrzeuge.
Eine 22-kW-Wallbox lohnt sich konkret, wenn: das Fahrzeug einen 22-kW-Bordlader hat und täglich sehr hohe Kilometerleistungen (200+ km) anfallen und die Ladezeit unter 5 Stunden bleiben muss.
Wie den Wert für das eigene Fahrzeug berechnen?
Die Formel ist dreigliedrig:
- Effektive Ladeleistung ermitteln: Minimum aus Wallbox-Leistung und Bordlader-Leistung. Beispiel: 22-kW-Wallbox, 11-kW-Bordlader → 11 kW effektiv.
- Ladewirkungsgrad abziehen: AC-Laden hat typischerweise einen Wirkungsgrad von 88–93 %. Bei 11 kW Wallboxleistung kommen netto rund 9,7–10,2 kWh in der Batterie an.
- Durch Verbrauch teilen: 10,0 kWh ÷ 18 kWh/100 km = 55,6 km netto pro Stunde.
Für Alltagsplanung empfiehlt sich ein Abschlag von 10 % auf den WLTP-Verbrauch, um Temperatur- und Fahrstileffekte abzubilden.
Schnelllader vs. Wallbox: Warum DC zuhause kein Thema ist
Öffentliche DC-Schnelllader liefern 50–350 kW und laden Fahrzeuge in 20–45 Minuten auf 80 % — aber nur bis zu diesem Ladestand, weil das Batteriemanagementsystem danach drosselt. Zuhause ist DC-Laden technisch möglich (sogenannte „Bidirektionale Wallboxen“), aber teuer (ab ca. 3.000 €) und auf wenige Fahrzeuge beschränkt (Nissan Leaf, Mitsubishi Outlander PHEV, seit 2024 einige VW- und Ford-Modelle). Für reine Reichweiten-Aufladung über Nacht ist die AC-Wallbox die wirtschaftlich sinnvolle Lösung.
Welche Wallbox passt zu welchem Fahrzeug?
Die Entscheidung hängt von drei Faktoren ab: Bordlader-Leistung des Fahrzeugs, täglicher Fahrbedarf und verfügbare Ladezeit. Hier eine Entscheidungshilfe:
| Situation | Empfehlung |
|---|---|
| Bordlader max. 11 kW, Tagesbedarf unter 150 km | 11-kW-Wallbox ausreichend |
| Bordlader 22 kW, Tagesbedarf über 150 km | 22-kW-Wallbox sinnvoll |
| Fahrzeugwechsel in 2–3 Jahren geplant | 22-kW-Wallbox als Investition prüfen |
| Mehrere Fahrzeuge an einer Wallbox (Load Management) | 22-kW-Wallbox mit dynamischem Lastmanagement |
Wer heute ein Fahrzeug mit 11-kW-Bordlader fährt, aber in drei Jahren auf ein Modell mit 22-kW-Bordlader wechseln will, fährt mit einer 22-kW-Wallbox zukunftssicherer — wenn die Netzanschlusskapazität es erlaubt und der Netzbetreiber zustimmt.