Das Wichtigste in Kürze
800 Volt und Wallbox — wo liegt der Zusammenhang?
Das 800-Volt-Batteriesystem von Hyundai und Kia (Plattform „E-GMP“) ist für Gleichstrom-Schnellladen (DC) ausgelegt. An einer Wallbox fließt Wechselstrom (AC). Der fahrzeugseitige Bordlader wandelt diesen AC-Strom in DC um — und er begrenzt die Ladeleistung unabhängig von der Batteriespannung. Für die Wallbox-Auswahl ist die Batteriespannung daher irrelevant. Maßgeblich ist allein die AC-Ladeleistung des Bordladers.
Alle aktuellen E-GMP-Modelle — Ioniq 5, Ioniq 6, EV6, EV9, GV60, GV70e, GV80e — sind mit einem einphasigen 11-kW-Bordlader ausgestattet. Einige frühe Ioniq-5-Varianten verfügten über einen 7,2-kW-Bordlader. Prüfen Sie Ihr Fahrzeugdatenblatt oder den COC-Bogen (Certificate of Conformity), bevor Sie eine Wallbox dimensionieren.
Welche Wallbox-Leistung ist sinnvoll?
Eine Wallbox mit 11 kW ist für alle E-GMP-Fahrzeuge die richtige Wahl. Sie liefert genau das, was der Bordlader maximal aufnehmen kann. Eine 22-kW-Wallbox kostet mehr und bringt keinen Ladezeitgewinn, solange der Bordlader auf 11 kW limitiert ist.
Eine 7,4-kW-Wallbox (einphasig, 32 A) reicht für Fahrzeuge mit 7,2-kW-Bordlader und ist eine Option, wenn der Hausanschluss schwach ist. Sie verliert aber ihren Vorteil, sobald Sie auf ein Modell mit 11-kW-Bordlader wechseln.
| Fahrzeugmodell | Bordlader AC | Empfohlene Wallbox | Ladezeit 10–80 % (ca.) |
|---|---|---|---|
| Ioniq 5 (77,4 kWh) | 11 kW | 11 kW | ca. 6,5 h |
| Ioniq 6 (77,4 kWh) | 11 kW | 11 kW | ca. 6,5 h |
| Kia EV6 (77,4 kWh) | 11 kW | 11 kW | ca. 6,5 h |
| Kia EV9 (99,8 kWh) | 11 kW | 11 kW | ca. 8,5 h |
| Genesis GV60 (77,4 kWh) | 11 kW | 11 kW | ca. 6,5 h |
Die Ladezeiten beziehen sich auf 11-kW-Wallbox, Nennleistung ohne Ladeverluste. Tatsächliche Ladezeiten liegen je nach Temperatur und Ladekurve des Fahrzeugs 5–15 % höher.
Technische Voraussetzungen im Hausnetz
11-kW-AC-Laden erfordert einen dreiphasigen Anschluss (3-phasig, 16 A je Phase, also 400 V Drehstrom). Prüfen Sie vor der Installation:
- Hausanschlussleistung: Für eine 11-kW-Wallbox sind mindestens 25 kVA Nennleistung am Hausanschluss empfohlen, bei gleichzeitiger Wärmepumpe oder Kochfeld mehr.
- Zuleitung: mindestens 5×2,5 mm² Kupfer für Leitungslängen bis ca. 25 m, ab 25 m besser 5×4 mm².
- Absicherung: 16 A pro Phase, Leitungsschutzschalter Typ B oder C.
- FI-Schutzschalter: Typ B (allstromsensitiv) ist für Wallboxen mit eingebautem DC-Fehlerstromschutz nach IEC 62955 nicht zwingend, aber nach DIN VDE 0100-722 empfohlen. Viele Wallboxen enthalten den Typ-B-FI bereits intern.
- Drehstrom am Zählerplatz: Ist kein Drehstromzähler vorhanden, ist ein Zählerplatztausch nötig — Absprache mit dem Netzbetreiber erforderlich.
Was die Ladeleistungsangabe nicht aussagt
„11-kW-Wallbox“ beschreibt die maximale Ausgangsleistung der Ladestation. Diese Zahl sagt nichts darüber aus:
- wie viel Energie tatsächlich in der Batterie ankommt (Ladeverluste: typisch 8–12 %),
- ob das Fahrzeug dauerhaft mit 11 kW lädt (die Ladekurve flacht im oberen Ladebereich ab),
- ob Ihr Netzbetreiber die volle Leistung genehmigt (Anmeldepflicht ab 12 kVA nach NAV § 19 in Deutschland).
Die tatsächliche mittlere Ladeleistung im Alltag liegt häufig bei 9–10 kW. Planen Sie Ladezeiten mit einem Puffer von 10–15 % gegenüber dem rechnerischen Wert.
Anmeldepflicht und Netzanschluss — rechtliche Einordnung
In Deutschland gilt nach NAV § 19: Erzeugungs- und Verbrauchsanlagen ab 12 kVA müssen beim Netzbetreiber angemeldet werden. Eine 11-kW-Wallbox liegt technisch unter dieser Schwelle, wenn keine weiteren großen Verbraucher gleichzeitig angeschlossen werden. In der Praxis verlangen viele Netzbetreiber dennoch eine Anmeldung ab 3,7 kW oder bei erstmaligem Anschluss einer Ladeeinrichtung.
Die genauen Anmelde- und Genehmigungspflichten hängen vom Bundesland, dem Netzbetreiber und der Bestandssituation Ihres Netzanschlusses ab. Lesen Sie dazu die Rubrik „Recht und Anmeldung“ auf diesem Portal oder konsultieren Sie einen eingetragenen Elektrofachbetrieb. Nur ein konzessionierter Elektrobetrieb darf die Wallbox ans Hausnetz anschließen.
Checkliste vor dem Kauf
- Bordlader-Leistung im Fahrzeugdatenblatt oder COC-Bogen prüfen (7,2 kW oder 11 kW?).
- Drehstromanschluss (400 V, 3-phasig) am geplanten Montageort vorhanden?
- Leitungsquerschnitt und Länge klären (2,5 oder 4 mm² Kupfer?).
- FI-Typ prüfen: Typ A vorhanden — Wallbox mit integriertem DC-Fehlerstromschutz wählen oder Typ B nachrüsten.
- Netzbetreiber kontaktieren: Anmeldeformular anfordern, Netzverträglichkeitsprüfung beantragen.
- Förderfähigkeit prüfen: KfW-Förderung (Programm 442) läuft, Landesförderungen variieren — Antrag vor Beauftragung stellen.
- Installateur beauftragen: Angebote von mindestens zwei Elektrofachbetrieben einholen, Installationsprotokoll nach DIN VDE 0100-722 verlangen.
Smarte Funktionen — wann sie sich lohnen
Wallboxen mit dynamischem Lastmanagement drosseln die Ladeleistung automatisch, wenn andere Großverbraucher im Haus aktiv sind. Das verhindert das Auslösen der Hauptsicherung. Für Haushalte mit Wärmepumpe, Durchlauferhitzer oder mehreren Elektroautos ist diese Funktion sinnvoll.
Modelle mit OCPP-Protokoll lassen sich in Energiemanagementsysteme einbinden und ermöglichen zeitgesteuertes Laden (Niedertarif, PV-Überschuss). Für einen einzelnen Ioniq 5 oder EV6 ohne weitere Sonderausstattung ist ein OCPP-fähiges Gerät kein Muss, erhöht aber die Zukunftssicherheit bei Netztarifänderungen.
Entscheiden Sie sich anhand Ihres tatsächlichen Bedarfs: Ein einfaches 11-kW-Gerät mit RFID-Zugangskontrolle und Typ-2-Steckdose kostet derzeit zwischen 400 und 700 € netto; smarte Geräte mit Lastmanagement und App-Anbindung liegen bei 700–1.200 € netto. Hinzu kommen Installationskosten von typisch 500–1.500 € je nach Aufwand.