Der Typ-2-Stecker erklärt

Ratgeber 6 Min. Lesezeit 10.09.2026
Der Typ-2-Stecker ist der europäische Standard für AC-Ladung — an Wallbox und öffentlicher Ladesäule. Wer verstehen will, warum nicht jede Wallbox jeden Akku gleich schnell lädt, muss diesen Stecker kennen. Dieser Ratgeber erklärt Pinbelegung, Stromstärken und die entscheidende Rolle des Bordladers.
Das Wichtigste in Kürze

Was der Typ-2-Stecker ist — und was er nicht ist

Der Typ-2-Stecker (IEC 62196-2, Handelsnamen: „Mennekes-Stecker“ nach dem deutschen Hersteller) ist seit 2013 der per EU-Richtlinie vorgeschriebene Standard für AC-Wechselstrom-Ladung in Europa. Er hat sieben Pins: zwei für einphasigen oder dreiphasigen Wechselstrom (L1, L2, L3), Neutralleiter (N), Schutzerde (PE), sowie zwei Steuerleitungen (CP — Control Pilot, PP — Proximity Pilot). Der Stecker ist weder ein DC-Schnellladestecker noch identisch mit dem japanischen CHAdeMO oder dem nordamerikanischen SAE J1772. An einem Typ-2-Anschluss fließt ausschließlich Wechselstrom.

Der Control-Pilot-Pin (CP) ist die wichtigste Leitung: Über ein PWM-Signal teilt die Ladestation dem Fahrzeug mit, wie viel Strom maximal abgerufen werden darf. Das Fahrzeug antwortet mit einer Widerstandsänderung und signalisiert so seinen Ladezustand. Ohne dieses Handshake startet keine Ladung.

Pinbelegung im Überblick

PinBezeichnungFunktion
L1Phase 1Wechselstrom, einphasig ausreichend
L2Phase 2Nur bei dreiphasigen Fahrzeugen genutzt
L3Phase 3Nur bei dreiphasigen Fahrzeugen genutzt
NNeutralleiterRückleiter für Wechselstrom
PESchutzerdeSicherheitserdung
CPControl PilotKommunikation Wallbox ↔ Fahrzeug
PPProximity PilotErkennt Steckerzustand (gesteckt/abgezogen)

Welche Leistungen der Typ-2-Anschluss ermöglicht

Der Stecker selbst ist für bis zu 32 A je Phase und damit bis zu 22 kW bei dreiphasigem Drehstrom (3 × 32 A × 230 V ≈ 22 kW) ausgelegt. Einphasig bei 16 A sind es 3,7 kW, einphasig bei 32 A rund 7,4 kW, dreiphasig bei 16 A etwa 11 kW.

Entscheidend: Diese Zahlen beschreiben das Maximum des Steckers und der Wallbox — nicht die tatsächliche Ladeleistung. Die tatsächlich aufgenommene Leistung bestimmt ausschließlich der fahrzeugseitige Bordlader (On-Board-Charger, OBC). Ein Fahrzeug mit einphasigem 7,4-kW-Bordlader lädt an einer 22-kW-Wallbox mit Typ-2-Anschluss nicht schneller als an einer 7,4-kW-Wallbox. Es nutzt lediglich eine der drei Phasen.

Die vier typischen Ladeszenarien mit Zahlen

  • 1-phasig, 16 A: 3,7 kW — typische Haushaltssicherung, lange Ladezeit (~10–12 h für 40 kWh)
  • 1-phasig, 32 A: 7,4 kW — viele Mittelklasse-EVs (z. B. ältere Renault Zoe, VW ID.3 Basisvariante)
  • 3-phasig, 16 A: 11 kW — typisch für Wallboxen im Eigenheim mit 3 × 16 A Absicherung
  • 3-phasig, 32 A: 22 kW — Maximalausbau, erfordert separaten 63 A-Zählerabgang und Netzanmeldung beim Netzbetreiber

Für Fragen zur Netzanmeldung und Genehmigungspflicht bei Wallboxen über 11 kW lesen Sie die entsprechenden Artikel in unserer Rechtsrubrik.

Was die Leistungsangabe auf der Wallbox-Verpackung nicht aussagt

„22 kW“ auf einer Wallbox-Verpackung ist die maximale Anschlussleistung der Ladestation, kein Versprechen über die Ladegeschwindigkeit Ihres Fahrzeugs. Prüfen Sie daher vor dem Kauf drei Dinge:

  1. OBC-Kapazität des Fahrzeugs: Steht im Fahrzeughandbuch unter „AC-Ladeleistung“ oder „Bordlader“. Viele Fahrzeuge haben 7,4 kW (1-phasig) oder 11 kW (3-phasig).
  2. Phasenanzahl des Hausanschlusses: Einphasige Absicherung (nur L1 belegt) macht eine 3-phasige 22-kW-Wallbox sinnlos.
  3. Absicherung des Stromkreises: Eine 22-kW-Wallbox benötigt mindestens 3 × 32 A — das erfordert fast immer eine Elektrikerinstallation und eine Anmeldung beim Netzbetreiber (ab 12 kW in Deutschland Pflicht nach NAV § 13a).

Kabel fest oder Mode 3 mit Typ-2-Buchse

Wallboxen werden entweder mit fest angeschlagenem Kabel (Typ-2-Stecker fahrzeugseitig) oder mit einer Typ-2-Buchse geliefert, an der das Fahrzeugseitige Kabel eingesteckt wird. Öffentliche Ladesäulen haben überwiegend Buchsen; Heimwallboxen gibt es in beiden Varianten. Bei Buchsen-Wallboxen ist auf das Mode-3-Kabel zu achten: Es muss IEC 62196-2 entsprechen, beide Enden Typ-2 haben und für die maximale Stromstärke ausgelegt sein (Kabelaufdruck prüfen: z. B. „32 A“ oder „20 A“).

Checkliste: Typ-2-Anschluss richtig dimensionieren

  • OBC-Leistung des Fahrzeugs notieren (kW, Phasenzahl)
  • Hausanschluss prüfen: 1-phasig oder 3-phasig
  • Verfügbare Absicherung feststellen (Elektriker, Zählerschrank)
  • Wallbox-Leistung maximal auf OBC-Kapazität anpassen — mehr bringt keine höhere Ladeleistung
  • Bei Wallboxen über 11 kW: Netzanmeldung beim örtlichen Netzbetreiber einplanen (Vorlaufzeit 4–12 Wochen)
  • Mode-3-Kabel auf Stromstärke-Aufdruck prüfen, bevor es am Fahrzeug eingesteckt wird

Typ-2 vs. andere Steckertypen — wo der Standard endet

Typ-2 deckt ausschließlich AC-Laden ab. Für DC-Schnellladen kommt in Europa der CCS-Stecker (Combined Charging System) zum Einsatz: Er kombiniert den Typ-2-Oberteil mit zwei zusätzlichen DC-Pins darunter. An einer Typ-2-Wallbox zu Hause ist DC-Schnellladen physisch nicht möglich — weder mit 50 kW noch mit 150 kW. Wer seinen Ladeplan auf Reisen mit DC-Schnellladern kombiniert, braucht eine Wallbox für die Nacht und nutzt öffentliche CCS-Säulen für die Schnellladung unterwegs. Beides kann dasselbe Fahrzeug mit einem Steckgesicht an der Fahrzeugseite: CCS-Fahrzeuge akzeptieren Typ-2-Kabel für AC und CCS-Kabel für DC.

Häufige Fragen

Typ-2 ist ein reiner AC-Wechselstromstecker mit 7 Pins und bis zu 22 kW. CCS (Combined Charging System) ergänzt den Typ-2-Oberteil um zwei DC-Pins und ermöglicht Gleichstrom-Schnellladen mit 50 bis über 350 kW. An einer Heim-Wallbox ist CCS nicht möglich — sie liefert immer AC.

Weil Ihr Bordlader (OBC) die aufgenommene Leistung begrenzt. Hat das Fahrzeug einen 11-kW-OBC, nutzt es maximal 11 kW — egal ob die Wallbox 11 oder 22 kW bereitstellt. Die 22-kW-Wallbox bringt nur dann einen Vorteil, wenn der OBC des Fahrzeugs tatsächlich mehr als 11 kW abrufen kann.

Wallboxen bis 11 kW müssen in Deutschland beim Netzbetreiber angemeldet, aber nicht genehmigt werden. Ab 12 kW ist eine Genehmigung nach NAV § 13a erforderlich. Die Anmeldefrist beträgt je nach Netzbetreiber 4 bis 12 Wochen. Details dazu finden Sie in der Rechtsrubrik auf Wallboxen.net.

Nein. Das Kabel muss IEC 62196-2 entsprechen und für die Stromstärke der Wallbox ausgelegt sein. Ein für 20 A zugelassenes Kabel darf nicht an einer 32-A-Wallbox betrieben werden — die Leitung kann überhitzen. Den zulässigen Nennstrom finden Sie auf dem Kabelaufdruck oder im Kabel-Datenblatt.

Die Wallbox sendet über den CP-Pin ein Pulsweitenmodulations-Signal (PWM). Das Tastverhältnis (Duty Cycle) codiert den maximal erlaubten Ladestrom: 10 % Duty Cycle entsprechen 6 A, 50 % entsprechen 25 A, 80 % entsprechen 40 A (Formel: Strom = Duty Cycle × 0,6). So regelt die Wallbox dynamisch den Strom, ohne dass eine digitale Verbindung nötig ist.