Das Wichtigste in Kürze
Was der Typ-2-Stecker ist — und was er nicht ist
Der Typ-2-Stecker (IEC 62196-2, Handelsnamen: „Mennekes-Stecker“ nach dem deutschen Hersteller) ist seit 2013 der per EU-Richtlinie vorgeschriebene Standard für AC-Wechselstrom-Ladung in Europa. Er hat sieben Pins: zwei für einphasigen oder dreiphasigen Wechselstrom (L1, L2, L3), Neutralleiter (N), Schutzerde (PE), sowie zwei Steuerleitungen (CP — Control Pilot, PP — Proximity Pilot). Der Stecker ist weder ein DC-Schnellladestecker noch identisch mit dem japanischen CHAdeMO oder dem nordamerikanischen SAE J1772. An einem Typ-2-Anschluss fließt ausschließlich Wechselstrom.
Der Control-Pilot-Pin (CP) ist die wichtigste Leitung: Über ein PWM-Signal teilt die Ladestation dem Fahrzeug mit, wie viel Strom maximal abgerufen werden darf. Das Fahrzeug antwortet mit einer Widerstandsänderung und signalisiert so seinen Ladezustand. Ohne dieses Handshake startet keine Ladung.
Pinbelegung im Überblick
| Pin | Bezeichnung | Funktion |
|---|---|---|
| L1 | Phase 1 | Wechselstrom, einphasig ausreichend |
| L2 | Phase 2 | Nur bei dreiphasigen Fahrzeugen genutzt |
| L3 | Phase 3 | Nur bei dreiphasigen Fahrzeugen genutzt |
| N | Neutralleiter | Rückleiter für Wechselstrom |
| PE | Schutzerde | Sicherheitserdung |
| CP | Control Pilot | Kommunikation Wallbox ↔ Fahrzeug |
| PP | Proximity Pilot | Erkennt Steckerzustand (gesteckt/abgezogen) |
Welche Leistungen der Typ-2-Anschluss ermöglicht
Der Stecker selbst ist für bis zu 32 A je Phase und damit bis zu 22 kW bei dreiphasigem Drehstrom (3 × 32 A × 230 V ≈ 22 kW) ausgelegt. Einphasig bei 16 A sind es 3,7 kW, einphasig bei 32 A rund 7,4 kW, dreiphasig bei 16 A etwa 11 kW.
Entscheidend: Diese Zahlen beschreiben das Maximum des Steckers und der Wallbox — nicht die tatsächliche Ladeleistung. Die tatsächlich aufgenommene Leistung bestimmt ausschließlich der fahrzeugseitige Bordlader (On-Board-Charger, OBC). Ein Fahrzeug mit einphasigem 7,4-kW-Bordlader lädt an einer 22-kW-Wallbox mit Typ-2-Anschluss nicht schneller als an einer 7,4-kW-Wallbox. Es nutzt lediglich eine der drei Phasen.
Die vier typischen Ladeszenarien mit Zahlen
- 1-phasig, 16 A: 3,7 kW — typische Haushaltssicherung, lange Ladezeit (~10–12 h für 40 kWh)
- 1-phasig, 32 A: 7,4 kW — viele Mittelklasse-EVs (z. B. ältere Renault Zoe, VW ID.3 Basisvariante)
- 3-phasig, 16 A: 11 kW — typisch für Wallboxen im Eigenheim mit 3 × 16 A Absicherung
- 3-phasig, 32 A: 22 kW — Maximalausbau, erfordert separaten 63 A-Zählerabgang und Netzanmeldung beim Netzbetreiber
Für Fragen zur Netzanmeldung und Genehmigungspflicht bei Wallboxen über 11 kW lesen Sie die entsprechenden Artikel in unserer Rechtsrubrik.
Was die Leistungsangabe auf der Wallbox-Verpackung nicht aussagt
„22 kW“ auf einer Wallbox-Verpackung ist die maximale Anschlussleistung der Ladestation, kein Versprechen über die Ladegeschwindigkeit Ihres Fahrzeugs. Prüfen Sie daher vor dem Kauf drei Dinge:
- OBC-Kapazität des Fahrzeugs: Steht im Fahrzeughandbuch unter „AC-Ladeleistung“ oder „Bordlader“. Viele Fahrzeuge haben 7,4 kW (1-phasig) oder 11 kW (3-phasig).
- Phasenanzahl des Hausanschlusses: Einphasige Absicherung (nur L1 belegt) macht eine 3-phasige 22-kW-Wallbox sinnlos.
- Absicherung des Stromkreises: Eine 22-kW-Wallbox benötigt mindestens 3 × 32 A — das erfordert fast immer eine Elektrikerinstallation und eine Anmeldung beim Netzbetreiber (ab 12 kW in Deutschland Pflicht nach NAV § 13a).
Kabel fest oder Mode 3 mit Typ-2-Buchse
Wallboxen werden entweder mit fest angeschlagenem Kabel (Typ-2-Stecker fahrzeugseitig) oder mit einer Typ-2-Buchse geliefert, an der das Fahrzeugseitige Kabel eingesteckt wird. Öffentliche Ladesäulen haben überwiegend Buchsen; Heimwallboxen gibt es in beiden Varianten. Bei Buchsen-Wallboxen ist auf das Mode-3-Kabel zu achten: Es muss IEC 62196-2 entsprechen, beide Enden Typ-2 haben und für die maximale Stromstärke ausgelegt sein (Kabelaufdruck prüfen: z. B. „32 A“ oder „20 A“).
Checkliste: Typ-2-Anschluss richtig dimensionieren
- OBC-Leistung des Fahrzeugs notieren (kW, Phasenzahl)
- Hausanschluss prüfen: 1-phasig oder 3-phasig
- Verfügbare Absicherung feststellen (Elektriker, Zählerschrank)
- Wallbox-Leistung maximal auf OBC-Kapazität anpassen — mehr bringt keine höhere Ladeleistung
- Bei Wallboxen über 11 kW: Netzanmeldung beim örtlichen Netzbetreiber einplanen (Vorlaufzeit 4–12 Wochen)
- Mode-3-Kabel auf Stromstärke-Aufdruck prüfen, bevor es am Fahrzeug eingesteckt wird
Typ-2 vs. andere Steckertypen — wo der Standard endet
Typ-2 deckt ausschließlich AC-Laden ab. Für DC-Schnellladen kommt in Europa der CCS-Stecker (Combined Charging System) zum Einsatz: Er kombiniert den Typ-2-Oberteil mit zwei zusätzlichen DC-Pins darunter. An einer Typ-2-Wallbox zu Hause ist DC-Schnellladen physisch nicht möglich — weder mit 50 kW noch mit 150 kW. Wer seinen Ladeplan auf Reisen mit DC-Schnellladern kombiniert, braucht eine Wallbox für die Nacht und nutzt öffentliche CCS-Säulen für die Schnellladung unterwegs. Beides kann dasselbe Fahrzeug mit einem Steckgesicht an der Fahrzeugseite: CCS-Fahrzeuge akzeptieren Typ-2-Kabel für AC und CCS-Kabel für DC.