Das Wichtigste in Kürze
Was die 4,6-kW-Regel bedeutet
Die 4,6-kW-Regel stammt aus den technischen Anschlussbedingungen (TAB) der deutschen Netzbetreiber, die auf dem VDE-Anwendungsregelwerk TAR Niederspannung (VDE-AR-N 4100) basieren. Sie besagt: Ein einphasig betriebenes Gerät darf dauerhaft nicht mehr als 4,6 kW aus dem Netz ziehen, ohne dass eine Schieflast entsteht, die der Netzbetreiber genehmigen muss. Hintergrund ist die Drehstromverteilung im öffentlichen Niederspannungsnetz: Die drei Außenleiter L1, L2 und L3 sollen gleichmäßig belastet werden. Zieht ein Verbraucher dauerhaft nur auf einer Phase hohe Ströme, entsteht eine Asymmetrie — die sogenannte Schieflast.
Der Grenzwert ergibt sich rechnerisch aus der Nennspannung und dem zulässigen Strom: 230 V × 20 A = 4.600 W, also 4,6 kW. Oberhalb dieses Wertes schreibt VDE-AR-N 4100 vor, dass der Anschluss dreiphasig (dreiphasig, Drehstrom) ausgeführt oder mit dem Netzbetreiber abgestimmt werden muss.
Unter welcher Bedingung die Regel gilt
Die 4,6-kW-Grenze gilt für dauerhafte einphasige Entnahmen. Kurze Lastspitzen — etwa beim Anlauf eines Elektromotors — fallen nicht darunter. Beim Laden von Elektrofahrzeugen ist die Last jedoch charakteristisch dauerhaft: Ein Fahrzeug lädt über Stunden mit nahezu konstanter Leistung. Damit ist die Schieflastbedingung erfüllt, sobald die Ladeleistung 4,6 kW auf einer Phase übersteigt.
Konkret betrifft das alle einphasigen Wallboxen mit mehr als 20 A Absicherung. Eine einphasige 16-A-Wallbox liegt bei 230 V × 16 A = 3,68 kW und bleibt damit unter der Grenze. Eine einphasige 32-A-Wallbox würde 7,36 kW auf einer Phase ziehen — das ist genehmigungspflichtig und in Deutschland praktisch nicht zugelassen.
Technische Herleitung mit Einheiten
Das Drehstromnetz liefert zwischen je zwei Außenleitern 400 V (verkettete Spannung) und zwischen Außenleiter und Neutralleiter 230 V (Strangspannung). Dreiphasige Lasten verteilen sich symmetrisch auf alle drei Stränge. Einphasige Lasten belasten nur einen Strang.
| Phasen | Spannung | Strom (Beispiel) | Leistung | Schieflast |
|---|---|---|---|---|
| 1-phasig | 230 V | 16 A | 3,68 kW | nein |
| 1-phasig | 230 V | 20 A | 4,60 kW | Grenzwert |
| 1-phasig | 230 V | 32 A | 7,36 kW | ja, genehmigungspflichtig |
| 3-phasig | 400 V | 16 A | 11,04 kW | nein |
| 3-phasig | 400 V | 32 A | 22,08 kW | nein |
Die Dreiphasen-Leistung berechnet sich als P = √3 × U_verk × I = 1,732 × 400 V × 16 A ≈ 11,04 kW. Die Formel zeigt: Dreiphasiges Laden ist pro Ampere Absicherung drei Mal so effizient wie einphasiges Laden, ohne Schieflast zu erzeugen.
Prüfpunkte, die Sie selbst abarbeiten können
- Zählerkasten prüfen: Haben Sie Drehstromanschluss (5-adrig: L1, L2, L3, N, PE) oder Wechselstrom (3-adrig: L, N, PE)? Nur mit Drehstrom ist dreiphasiges Laden möglich.
- Absicherung prüfen: Welche Vorsicherung steht im Zählerkasten für den Ladepunkt? 16 A Drehstrom erlauben bis zu 11 kW, 32 A bis zu 22 kW dreiphasig.
- Zuleitung prüfen: Der Kabelquerschnitt muss zur Absicherung passen: 16 A erfordern mindestens 2,5 mm², 32 A mindestens 6 mm² (fünfadrig, Kupfer, Verlegeart B2).
- Bordlader des Fahrzeugs prüfen: Die Wallbox-Leistung ist nur so hoch, wie es der fahrzeugseitige Bordlader zulässt. Viele Fahrzeuge laden einphasig mit maximal 7,4 kW oder dreiphasig mit 11 kW — unabhängig davon, was die Wallbox theoretisch liefern kann.
- Zählerplatz und Netzbetreiber: Wallboxen ab 12 kW sind in Deutschland beim Netzbetreiber anmeldepflichtig (§ 19 NIV). Wallboxen bis 11 kW müssen gemeldet, aber nicht genehmigt werden. Für Rechtsfragen zum Anmeldeverfahren konsultieren Sie die Rechtsrubrik dieses Portals oder einen zugelassenen Elektroinstallateur.
- Vorhandene Großverbraucher berücksichtigen: Durchlauferhitzer, Elektroherd und Wärmepumpe belasten das Hausnetz bereits. Der Netzbetreiber oder ein Energiemanagement-System kann Lastspitzen deckeln (Lastmanagement).
Was die 4,6-kW-Angabe nicht aussagt
Die 4,6-kW-Grenze ist ein netzseitiger Grenzwert — sie sagt nichts darüber aus, wie schnell Ihr Fahrzeug tatsächlich lädt. Maßgeblich ist der Bordlader im Fahrzeug. Ein Fahrzeug mit einphasigem 7,4-kW-Bordlader lädt an einer dreiphasigen 11-kW-Wallbox trotzdem nur mit 7,4 kW, weil der Bordlader die Leistung begrenzt.
Die Grenze sagt auch nichts über die Ladedauer aus. 3,68 kW an einer einphasigen Wallbox (16 A) laden einen 60-kWh-Akku in etwa 16 Stunden, 11 kW dreiphasig in etwa 5,5 Stunden — bei identischer Netzanforderung je Außenleiter. Die Netzbelastung je Phase ist bei dreiphasigem Laden sogar geringer, weil die Last auf drei Leiter verteilt wird.
Schließlich beschreibt die Regel keine Grenze für die Ladegeschwindigkeit im Sinne von Schnellladen (DC-Laden). Gleichstrom-Schnellladestationen (CCS, CHAdeMO) arbeiten außerhalb des Wechselstromnetzes und unterliegen eigenen Netzanschlussregeln, die weit über die Schieflastdiskussion hinausgehen.
Einphasig oder dreiphasig — die Entscheidungsmatrix
| Situation | Empfehlung | Begründung |
|---|---|---|
| Nur Wechselstromanschluss vorhanden | Einphasig, max. 16 A (3,68 kW) | Drehstrom baulich nicht verfügbar |
| Drehstrom, Fahrzeug lädt nur 1-phasig | Einphasig, max. 16 A | Bordlader begrenzt ohnehin; Kosten sparen |
| Drehstrom, Fahrzeug lädt 3-phasig bis 11 kW | Dreiphasig, 16 A (11 kW) | Keine Schieflast, kürzere Ladezeit |
| Gewerbe, mehrere Fahrzeuge | Dreiphasig mit Lastmanagement | Netzanschlussleistung aufteilen, Kosten senken |
Nächste Schritte vor dem Kauf
Klären Sie zuerst den Bordlader Ihres Fahrzeugs — diese Information steht im Fahrzeughandbuch unter „AC-Ladeleistung“. Dann prüfen Sie, ob Ihr Zählerkasten Drehstrom führt. Erst danach lohnt der Vergleich von Wallbox-Modellen. Eine dreiphasige 11-kW-Wallbox mit 16-A-Absicherung ist für die meisten Eigenheime der richtige Ausgangspunkt: Sie bleibt unter der Anmeldepflicht, erzeugt keine Schieflast und schöpft die Bordladerleistung der meisten aktuellen Fahrzeuge voll aus.