Mode 3: der Ladebetrieb an der Wallbox

Ratgeber 6 Min. Lesezeit 10.09.2026
Mode 3 ist der einzige Lademodus, der für Wallboxen und öffentliche Ladepunkte zulässig ist. Er regelt die Kommunikation zwischen Fahrzeug und Ladestation über das Steuerpilotsignal (CP) — und bestimmt damit, wie schnell und sicher ein Elektroauto lädt.
Das Wichtigste in Kürze

Was Mode 3 bedeutet — die Direktantwort

Mode 3 bezeichnet nach IEC 61851-1 einen Ladevorgang, bei dem das Elektrofahrzeug über eine fest installierte Ladestation (Wallbox oder öffentlicher Ladepunkt) mit dem Wechselstromnetz verbunden ist. Die Station ist permanent am Netz; die Freischaltung des Ladestroms erfolgt erst nach erfolgreicher Kommunikation über die Control-Pilot-Leitung (CP). Das Fahrzeug bleibt spannungsfrei, bis es die Bereitschaft signalisiert.

Diese Kommunikation unterscheidet Mode 3 von Mode 1 (einfache Schuko-Steckdose, kein Steuerkanal) und Mode 2 (In-Cable Control Box an der Haushalts-Steckdose). Mode 4 bezeichnet Gleichstrom-Schnellladen (DC) und ist nicht Gegenstand dieses Artikels.

Das Steuerpilotsignal: wie die Kommunikation funktioniert

Der Ladepunkt erzeugt ein ±12 V-Rechtecksignal mit 1 kHz auf der CP-Leitung. Das Fahrzeug zieht dieses Signal über einen definierten Widerstand auf bestimmte Spannungsebenen herunter. Die Ebenen kodieren den Zustand der Verbindung:

  • 12 V (Zustand A): Kein Fahrzeug angeschlossen.
  • 9 V (Zustand B): Fahrzeug angeschlossen, nicht ladebereit.
  • 6 V (Zustand C): Fahrzeug ladebereit, Lüftung nicht erforderlich — normaler Ladevorgang.
  • 3 V (Zustand D): Fahrzeug ladebereit, Lüftung erforderlich — für Nassbatterien, im Heimbereich selten.
  • −12 V: Fehler, Station sperrt.

Erst im Zustand C oder D schaltet die Wallbox den Ladestrom frei. Das schützt vor unbeabsichtigtem Berühren spannungsführender Teile.

Wie die Wallbox den maximalen Ladestrom kommuniziert

Das CP-Signal ist kein binäres Ein-/Aus-Signal, sondern ein pulsweitenmoduliertes (PWM) Signal. Das Tastverhältnis (Duty Cycle) codiert den maximalen Strom, den die Wallbox anbieten darf:

  • Duty Cycle 10 % → 6 A
  • Duty Cycle 25 % → 16 A (Formel: Strom [A] = Duty Cycle [%] × 0,6, gültig von 10–85 %)
  • Duty Cycle 50 % → 32 A

Das Fahrzeug liest diesen Wert und nimmt maximal so viel Strom auf, wie sein fahrzeugseitiger Bordlader (OBC, On-Board-Charger) zulässt. Eine Wallbox mit 11 kW (16 A, 3-phasig) lädt ein Fahrzeug mit 7,2 kW-Bordlader nur mit 7,2 kW — nicht mit 11 kW. Der limitierende Faktor ist immer der Bordlader, nicht die Wallbox.

Was Mode 3 nicht aussagt

Aus der Tatsache, dass eine Wallbox „Mode 3 unterstützt“, lassen sich folgende Eigenschaften nicht ableiten:

  • Keine Aussage zur tatsächlichen Ladeleistung: Mode 3 deckt Ladeleistungen von 1,4 kW (6 A, 1-phasig, 230 V) bis 22 kW (32 A, 3-phasig, 400 V) ab.
  • Keine Aussage zu Smart Charging: Lastmanagement, dynamische Steuerung oder ISO 15118 (Plug & Charge) sind optionale Erweiterungen, nicht Bestandteil des Basisprotokolls.
  • Keine Aussage zur Netzverträglichkeit: Ob eine 22 kW-Wallbox ans Hausnetz passt, hängt vom Netzanschluss und der Genehmigung des Netzbetreibers ab — nicht vom Lademodus.
  • Keine Aussage zur Steckerart: Typ 2 ist in Europa der Standardstecker für Mode 3, aber Mode 3 selbst definiert keinen Stecker.

Prüfpunkte vor der Inbetriebnahme

Folgende Punkte können Sie selbst abarbeiten, bevor ein Elektriker die Wallbox in Betrieb nimmt:

  1. Ladekabel prüfen: Das Kabel muss für Mode 3 geeignet sein. Ein Schuko-Verlängerungskabel ist nicht zulässig. Verwenden Sie ausschließlich Typ-2-Kabel mit CP-Kontakt.
  2. Bordlader-Leistung ermitteln: Im Fahrzeughandbuch steht die maximale AC-Ladeleistung (z. B. 11 kW oder 7,2 kW). Diese Zahl begrenzt die Ladegeschwindigkeit, unabhängig von der Wallbox-Leistung.
  3. Phasenzahl abgleichen: Lädt Ihr Fahrzeug einphasig (max. 7,4 kW), bringt eine 3-phasige 22 kW-Wallbox keinen Vorteil gegenüber einer 11 kW-Wallbox für dieses Fahrzeug.
  4. Netzanschluss-Absicherung prüfen: Eine 11 kW-Wallbox benötigt eine dedizierte Zuleitung mit mindestens 16 A Absicherung (3-phasig), eine 22 kW-Wallbox mindestens 32 A. Bestehende Hausanschlüsse sind oft auf 25 A oder 35 A begrenzt.
  5. Fehlerstromschutz: Mode 3-Wallboxen erfordern nach IEC 61851-1 mindestens einen RCD Typ A mit 30 mA. Viele Hersteller verbauen intern einen RCD Typ B (für DC-Fehlerströme); prüfen Sie das Datenblatt, um Doppelschutz zu vermeiden.

Anmeldepflicht und Netzanschluss

Die Installation einer Mode-3-Wallbox ist in Deutschland anmeldepflichtig. Wallboxen mit einer Ladeleistung über 4,2 kW müssen dem Netzbetreiber nach § 19 NAV gemeldet werden. Der Netzbetreiber kann die Installation ablehnen oder von Auflagen abhängig machen. Eine Förderung durch KfW oder Bundesländer ist an diese Meldung geknüpft. Alle rechtlichen Details zur Anmeldepflicht, Förderfähigkeit und Installationsverantwortung finden Sie in der Rechtsrubrik dieses Portals.

Welche Wallbox-Leistung für welchen Anwendungsfall

Die folgende Tabelle zeigt, welche Kombination aus Wallbox-Leistung und Bordlader zu welcher realen Ladeleistung führt:

Wallbox-LeistungBordlader FahrzeugReale Ladeleistung100 km Reichweite nachladen (ca.)
3,7 kW (1-ph., 16 A)3,7 kW3,7 kWca. 4–5 h
11 kW (3-ph., 16 A)7,2 kW (1-ph.)7,2 kWca. 2 h
11 kW (3-ph., 16 A)11 kW (3-ph.)11 kWca. 1–1,5 h
22 kW (3-ph., 32 A)11 kW (3-ph.)11 kWca. 1–1,5 h
22 kW (3-ph., 32 A)22 kW (3-ph.)22 kWca. 30–45 min

Die Zeitangaben gelten für einen durchschnittlichen Verbrauch von 18–20 kWh/100 km und hängen von Batteriegröße, Ladekurve und Umgebungstemperatur ab.

Entscheidungshilfe: Welche Wallbox-Leistung brauchen Sie wirklich?

Für die meisten Heimanwender mit einem Fahrzeug und einem Stellplatz reicht eine 11 kW-Wallbox. Sie lädt ein 60 kWh-Akku über Nacht vollständig auf, selbst wenn der Bordlader auf 7,2 kW begrenzt ist. Eine 22 kW-Wallbox lohnt nur, wenn das Fahrzeug diese Leistung auch abfragen kann — und der Netzanschluss 32 A dreiphasig hergibt. Planen Sie mehrere Fahrzeuge oder gewerbliche Nutzung, ist ein Lastmanagementsystem (nach ISO 15118 oder über OCPP) wichtiger als die maximale Einzelleistung.

Häufige Fragen

Nein. Mode 3 erfordert ein Kabel mit Control-Pilot-Kontakt (CP-Leitung), das nur in Typ-2-Kabeln und Fahrzeugkupplungen vorhanden ist. Ein Schuko-Kabel führt keinen CP-Kontakt — die Wallbox schaltet den Ladestrom nicht frei.

Mode 2 lädt über eine normale Haushaltssteckdose mit einer In-Cable Control Box (ICCB), die eine Schutzfunktion im Kabel übernimmt. Mode 3 nutzt eine fest installierte Ladestation, die permanent mit dem Netz verbunden ist und die Kommunikation sowie Schutzfunktionen in der Station selbst übernimmt. Mode 3 ist sicherer, schneller und für Wallboxen vorgeschrieben.

Weil Ihr Bordlader die Leistung begrenzt. Viele Fahrzeuge haben einen Wechselstrom-Bordlader mit maximal 7,2 kW oder 11 kW. Die Wallbox kommuniziert über das PWM-Signal zwar 32 A (22 kW), das Fahrzeug ruft aber nur so viel ab, wie sein OBC verarbeiten kann.

Ja. Eine 11-kW-Wallbox (16 A, 3-phasig) benötigt eine dedizierte Zuleitung mit mindestens 16 A Absicherung pro Phase. Diese Zuleitung darf nicht mit anderen Verbrauchern geteilt werden, da die Wallbox über Stunden Dauerlast zieht.

Ja, wenn die Ladeleistung über 4,2 kW liegt — das gilt für nahezu alle Mode-3-Wallboxen. Die Anmeldepflicht ergibt sich aus § 19 NAV. Details zu Fristen, Formularen und Fördervoraussetzungen finden Sie in der Rechtsrubrik dieses Portals.

Mindestens einen RCD Typ A mit 30 mA Auslösestrom — so schreibt es IEC 61851-1 vor. Viele Wallboxen integrieren bereits einen RCD Typ B (erkennt auch glatte DC-Fehlerströme). Prüfen Sie das Datenblatt: Ist ein Typ B intern verbaut, genügt extern Typ A — ein zweiter Typ B wäre technisch unnötig.