Das Wichtigste in Kürze
Was Mode 3 bedeutet — die Direktantwort
Mode 3 bezeichnet nach IEC 61851-1 einen Ladevorgang, bei dem das Elektrofahrzeug über eine fest installierte Ladestation (Wallbox oder öffentlicher Ladepunkt) mit dem Wechselstromnetz verbunden ist. Die Station ist permanent am Netz; die Freischaltung des Ladestroms erfolgt erst nach erfolgreicher Kommunikation über die Control-Pilot-Leitung (CP). Das Fahrzeug bleibt spannungsfrei, bis es die Bereitschaft signalisiert.
Diese Kommunikation unterscheidet Mode 3 von Mode 1 (einfache Schuko-Steckdose, kein Steuerkanal) und Mode 2 (In-Cable Control Box an der Haushalts-Steckdose). Mode 4 bezeichnet Gleichstrom-Schnellladen (DC) und ist nicht Gegenstand dieses Artikels.
Das Steuerpilotsignal: wie die Kommunikation funktioniert
Der Ladepunkt erzeugt ein ±12 V-Rechtecksignal mit 1 kHz auf der CP-Leitung. Das Fahrzeug zieht dieses Signal über einen definierten Widerstand auf bestimmte Spannungsebenen herunter. Die Ebenen kodieren den Zustand der Verbindung:
- 12 V (Zustand A): Kein Fahrzeug angeschlossen.
- 9 V (Zustand B): Fahrzeug angeschlossen, nicht ladebereit.
- 6 V (Zustand C): Fahrzeug ladebereit, Lüftung nicht erforderlich — normaler Ladevorgang.
- 3 V (Zustand D): Fahrzeug ladebereit, Lüftung erforderlich — für Nassbatterien, im Heimbereich selten.
- −12 V: Fehler, Station sperrt.
Erst im Zustand C oder D schaltet die Wallbox den Ladestrom frei. Das schützt vor unbeabsichtigtem Berühren spannungsführender Teile.
Wie die Wallbox den maximalen Ladestrom kommuniziert
Das CP-Signal ist kein binäres Ein-/Aus-Signal, sondern ein pulsweitenmoduliertes (PWM) Signal. Das Tastverhältnis (Duty Cycle) codiert den maximalen Strom, den die Wallbox anbieten darf:
- Duty Cycle 10 % → 6 A
- Duty Cycle 25 % → 16 A (Formel: Strom [A] = Duty Cycle [%] × 0,6, gültig von 10–85 %)
- Duty Cycle 50 % → 32 A
Das Fahrzeug liest diesen Wert und nimmt maximal so viel Strom auf, wie sein fahrzeugseitiger Bordlader (OBC, On-Board-Charger) zulässt. Eine Wallbox mit 11 kW (16 A, 3-phasig) lädt ein Fahrzeug mit 7,2 kW-Bordlader nur mit 7,2 kW — nicht mit 11 kW. Der limitierende Faktor ist immer der Bordlader, nicht die Wallbox.
Was Mode 3 nicht aussagt
Aus der Tatsache, dass eine Wallbox „Mode 3 unterstützt“, lassen sich folgende Eigenschaften nicht ableiten:
- Keine Aussage zur tatsächlichen Ladeleistung: Mode 3 deckt Ladeleistungen von 1,4 kW (6 A, 1-phasig, 230 V) bis 22 kW (32 A, 3-phasig, 400 V) ab.
- Keine Aussage zu Smart Charging: Lastmanagement, dynamische Steuerung oder ISO 15118 (Plug & Charge) sind optionale Erweiterungen, nicht Bestandteil des Basisprotokolls.
- Keine Aussage zur Netzverträglichkeit: Ob eine 22 kW-Wallbox ans Hausnetz passt, hängt vom Netzanschluss und der Genehmigung des Netzbetreibers ab — nicht vom Lademodus.
- Keine Aussage zur Steckerart: Typ 2 ist in Europa der Standardstecker für Mode 3, aber Mode 3 selbst definiert keinen Stecker.
Prüfpunkte vor der Inbetriebnahme
Folgende Punkte können Sie selbst abarbeiten, bevor ein Elektriker die Wallbox in Betrieb nimmt:
- Ladekabel prüfen: Das Kabel muss für Mode 3 geeignet sein. Ein Schuko-Verlängerungskabel ist nicht zulässig. Verwenden Sie ausschließlich Typ-2-Kabel mit CP-Kontakt.
- Bordlader-Leistung ermitteln: Im Fahrzeughandbuch steht die maximale AC-Ladeleistung (z. B. 11 kW oder 7,2 kW). Diese Zahl begrenzt die Ladegeschwindigkeit, unabhängig von der Wallbox-Leistung.
- Phasenzahl abgleichen: Lädt Ihr Fahrzeug einphasig (max. 7,4 kW), bringt eine 3-phasige 22 kW-Wallbox keinen Vorteil gegenüber einer 11 kW-Wallbox für dieses Fahrzeug.
- Netzanschluss-Absicherung prüfen: Eine 11 kW-Wallbox benötigt eine dedizierte Zuleitung mit mindestens 16 A Absicherung (3-phasig), eine 22 kW-Wallbox mindestens 32 A. Bestehende Hausanschlüsse sind oft auf 25 A oder 35 A begrenzt.
- Fehlerstromschutz: Mode 3-Wallboxen erfordern nach IEC 61851-1 mindestens einen RCD Typ A mit 30 mA. Viele Hersteller verbauen intern einen RCD Typ B (für DC-Fehlerströme); prüfen Sie das Datenblatt, um Doppelschutz zu vermeiden.
Anmeldepflicht und Netzanschluss
Die Installation einer Mode-3-Wallbox ist in Deutschland anmeldepflichtig. Wallboxen mit einer Ladeleistung über 4,2 kW müssen dem Netzbetreiber nach § 19 NAV gemeldet werden. Der Netzbetreiber kann die Installation ablehnen oder von Auflagen abhängig machen. Eine Förderung durch KfW oder Bundesländer ist an diese Meldung geknüpft. Alle rechtlichen Details zur Anmeldepflicht, Förderfähigkeit und Installationsverantwortung finden Sie in der Rechtsrubrik dieses Portals.
Welche Wallbox-Leistung für welchen Anwendungsfall
Die folgende Tabelle zeigt, welche Kombination aus Wallbox-Leistung und Bordlader zu welcher realen Ladeleistung führt:
| Wallbox-Leistung | Bordlader Fahrzeug | Reale Ladeleistung | 100 km Reichweite nachladen (ca.) |
|---|---|---|---|
| 3,7 kW (1-ph., 16 A) | 3,7 kW | 3,7 kW | ca. 4–5 h |
| 11 kW (3-ph., 16 A) | 7,2 kW (1-ph.) | 7,2 kW | ca. 2 h |
| 11 kW (3-ph., 16 A) | 11 kW (3-ph.) | 11 kW | ca. 1–1,5 h |
| 22 kW (3-ph., 32 A) | 11 kW (3-ph.) | 11 kW | ca. 1–1,5 h |
| 22 kW (3-ph., 32 A) | 22 kW (3-ph.) | 22 kW | ca. 30–45 min |
Die Zeitangaben gelten für einen durchschnittlichen Verbrauch von 18–20 kWh/100 km und hängen von Batteriegröße, Ladekurve und Umgebungstemperatur ab.
Entscheidungshilfe: Welche Wallbox-Leistung brauchen Sie wirklich?
Für die meisten Heimanwender mit einem Fahrzeug und einem Stellplatz reicht eine 11 kW-Wallbox. Sie lädt ein 60 kWh-Akku über Nacht vollständig auf, selbst wenn der Bordlader auf 7,2 kW begrenzt ist. Eine 22 kW-Wallbox lohnt nur, wenn das Fahrzeug diese Leistung auch abfragen kann — und der Netzanschluss 32 A dreiphasig hergibt. Planen Sie mehrere Fahrzeuge oder gewerbliche Nutzung, ist ein Lastmanagementsystem (nach ISO 15118 oder über OCPP) wichtiger als die maximale Einzelleistung.