Leerrohr legen: Vorbereitung für später

Ratgeber 6 Min. Lesezeit 10.09.2026
Wer heute keine Wallbox braucht, aber morgen eine will, legt am besten schon beim Bau oder bei der Kernsanierung ein Leerrohr. Das kostet im Rohbau unter 100 € Mehraufwand — nachträglich werden daraus schnell 1.500 € oder mehr.
Das Wichtigste in Kürze

Was ein Leerrohr leistet — und was nicht

Ein Leerrohr ist ein leeres Installationsrohr, das von der Hauptverteilung (Zählerschrank) bis zum geplanten Stellplatz führt. Es reserviert den Kabelweg, ohne dass heute Leitungen, Wallbox oder Netzanschluss-Anmeldung nötig wären. Sobald Sie sich für eine Wallbox entscheiden, zieht der Elektriker das NYY-J- oder NYM-J-Kabel durch das bereits verlegte Rohr — ohne Stemmarbeiten, ohne Putzschäden, ohne Estrichöffnungen.

Was das Leerrohr nicht leistet: Es genehmigt nichts, meldet nichts an und garantiert keinen Netzanschluss. Die Anmeldung beim Netzbetreiber nach § 19 NAV und die mögliche Zustimmungspflicht des Vermieters oder der Eigentümergemeinschaft sind separate Schritte — dazu mehr in der Rechtsrubrik auf Wallboxen.net.

Dimensionierung: Rohrdurchmesser und Kabelquerschnitt im Voraus planen

Die häufigste Fehlerquelle ist ein zu enges Rohr. Legen Sie das Rohr auf den größten denkbaren späteren Bedarf aus, nicht auf den heutigen Mindestbedarf.

  • 11 kW Wallbox (dreiphasig, 16 A): Kabelquerschnitt 5 × 2,5 mm², Leerrohr innen ≥ 32 mm (Außendurchmesser M32).
  • 22 kW Wallbox (dreiphasig, 32 A): Kabelquerschnitt 5 × 6 mm², Leerrohr innen ≥ 40 mm (Außendurchmesser M40).
  • Spätere Parallelverlegung (z. B. zweite Wallbox oder PV-Leitung): Leerrohr M50 oder zwei separate M32-Rohre.

Die Füllgradgrenze nach DIN VDE 0100-520 beträgt für nachträgliches Einziehen 40 % des Rohrquerschnitts. Ein M32-Rohr (Innen-Ø ca. 27 mm, Querschnitt ca. 573 mm²) lässt ein 5 × 2,5 mm²-Kabel (Außen-Ø ca. 15 mm, Querschnitt ca. 177 mm²) mit Zieheinziehband problemlos durch — Füllgrad ca. 31 %. Ein M25-Rohr (Innen-Ø ca. 21 mm) wäre mit 56 % Füllgrad zu eng und erschwert das Einziehen erheblich.

Empfehlung: Wählen Sie im Zweifel M40 als Standarddimension. Der Preisunterschied zwischen M32 und M40 liegt bei unter 1 €/m.

Trassenverlauf: Diese vier Punkte bestimmen die Route

  1. Kürzest mögliche Trasse: Jeder zusätzliche Meter erhöht den Leitungswiderstand und damit den Spannungsfall. Bei 32 A und 5 × 6 mm² beträgt der Spannungsfall ca. 0,26 % je 10 m Leitungslänge (bei cos φ = 1). VDE erlaubt maximal 3 % vom Hausanschlusspunkt bis zur Wallbox — bei langen Garagen-Zufahrten kann das zum Problem werden.
  2. Mindestbiegeradius einhalten: Für M32-Wellrohre gilt ein Biegeradius ≥ 160 mm (5-facher Außendurchmesser). Engere Bögen lassen das Kabel nicht mehr durchziehen.
  3. Zugdosen setzen: Bei Trassenlängen über 15 m oder mehr als zwei 90°-Bögen planen Sie Zugdosen (Abzweigdosen mit Deckel). Abstände: maximal 10 m zwischen Zugdosen bzw. nach jeder zweiten 90°-Kurve.
  4. Einziehband sofort einlegen: Legen Sie beim Verlegen sofort ein Kunststoff-Einziehband (Zugband) ins Rohr — auch wenn das Kabel erst Jahre später kommt. Nachträgliches Einführen eines Bandes in ein bereits verbautes Rohr ist aufwändig.

Verlegung im Erdreich: Schutzklasse und Tiefe

Führt die Trasse im Außenbereich unter der Erde (z. B. vom Haus zur Garage), gelten andere Anforderungen als innen:

  • Verlegungstiefe: Mindestens 0,6 m unter Gelände, unter befahrbaren Flächen mindestens 0,8 m — zusätzlich mit Kabelschutzrohr aus HD-PE oder PVC (Druckklasse 450).
  • Schutzart: Das Leerrohr selbst muss im Erdreich IP67 erreichen — Muffenverbindungen wasserdicht ausführen oder durchgängig als Ein-Stück-Rohr verlegen.
  • Sandpackung und Warnband: 10 cm Sandpackung ober- und unterhalb des Rohrs, rotes PE-Warnband (Aufdruck „Elektrisch“) 20 cm über dem Rohr in der Verfüllung.

Was das Leerrohr über den späteren Netzanschluss nicht aussagt

Ein verlegtes Leerrohr schafft keinen Anspruch auf eine bestimmte Anschlussleistung. Ob der Hausanschluss 11 kW oder 22 kW zulässt, hängt vom vorhandenen Hausanschluss und der Entscheidung des Netzbetreibers ab. Viele Netzbetreiber genehmigen 11 kW ohne Lastmanagement, bei 22 kW fordern sie häufig ein dynamisches Lastmanagementsystem.

Außerdem: Welche Ladeleistung Ihr Fahrzeug tatsächlich aufnimmt, bestimmt der fahrzeugseitige Bordlader — nicht die Wallbox und nicht das Leerrohr. Ein Fahrzeug mit 7,4 kW-Bordlader lädt auch an einer 22 kW-Wallbox maximal mit 7,4 kW. Das Leerrohr für 22 kW auszulegen schadet trotzdem nicht, weil zukünftige Fahrzeuge größere Bordlader haben können.

Checkliste: Vor dem Betonieren oder Verputzen

  • Rohrdurchmesser ≥ M40 gewählt (M32 nur wenn Platz zwingend begrenzt)
  • Einziehband eingelegt und an beiden Enden mind. 30 cm herausgeführt
  • Rohrenden provisorisch verschlossen (Stopfen oder Klebeband gegen Mörtel und Wasser)
  • Alle Bögen mit Mindestbiegeradius verlegt — keine Quetschstellen
  • Zugdosen bei Länge > 15 m oder mehr als zwei Bögen gesetzt
  • Im Erdreich: Verlegetiefe dokumentiert, Warnband eingelegt, IP67-Dichtigkeit geprüft
  • Beide Enden (Zählerschrank-Seite und Stellplatz-Seite) beschriftet und Lage fotografisch dokumentiert (Foto mit Maßangaben vor dem Abdecken)

Kosten: Was das Leerrohr im Rohbau gegenüber dem Nachträglich-Bohren spart

MaßnahmeKosten im RohbauKosten nachträglich
Leerrohr verlegen (15 m, M40, mit Band)60–120 € Material, 1–2 h Lohnentfällt (Rohr schon da)
Kabel nachziehen (Elektriker)150–300 € (je Länge)
Schlitze stemmen / Putz reparieren ohne Leerrohr800–2.000 € (je Aufwand)
Erdarbeiten Außentrasse ohne Leerrohr500–1.500 € (je Länge)

Die Investition in das Leerrohr amortisiert sich beim ersten Wallbox-Einbau vollständig — in vielen Fällen spart sie mehr als das Zehnfache ihrer Kosten.

Jetzt handeln: So starten Sie

Besprechen Sie Leerrohr-Trasse und Dimensionierung vor dem Rohbau oder vor Beginn der Estricharbeiten mit dem Elektrofachbetrieb. Halten Sie die Lage des Rohres in einem Installationsplan fest und hinterlegen Sie diesen bei den Bauunterlagen. Wenn Sie die Wallbox später anmelden, benötigen Sie diesen Plan für die Antragsunterlagen beim Netzbetreiber — mehr dazu in der Rechtsrubrik auf Wallboxen.net.

Häufige Fragen

M40 (Außendurchmesser 40 mm, Innendurchmesser ca. 34 mm) ist die empfohlene Standardgröße. Er lässt ein 5 × 6 mm²-Kabel für 22 kW (32 A) mit ausreichend Spielraum durchziehen und kostet gegenüber M32 kaum mehr. M25 oder M32 sind für spätere 22-kW-Anwendungen zu knapp.

Nein — das leere Rohr selbst ist anmeldepflichtig frei. Anmeldepflichtig ist die Wallbox, die später darin verkabelt wird. Die Anmeldung erfolgt beim Netzbetreiber nach § 19 NAV, in der Regel über den Elektrofachbetrieb. Details dazu finden Sie in der Rechtsrubrik auf Wallboxen.net.

Das Verlegen des leeren Rohrs dürfen Bauherren selbst übernehmen — das Einziehen des Starkstromkabels und den Anschluss an den Zählerschrank muss zwingend eine Elektrofachkraft ausführen. Lassen Sie die korrekte Verlegung vor dem Abdecken vom Elektrofachbetrieb abnehmen und dokumentieren.

Unter normalen Gartenflächen mindestens 0,6 m, unter befahrbaren Flächen (Einfahrt, Stellplatz) mindestens 0,8 m Überdeckung. Zusätzlich 10 cm Sandpackung ober- und unterhalb, PE-Warnband 20 cm über dem Rohr. Das Rohr muss im Erdreich IP67 erfüllen.

Ja. Der Preisunterschied zwischen M32 und M40 beträgt unter 1 €/m. Ein M40-Rohr lässt später auch ein 5 × 6 mm²-Kabel für 22 kW durchziehen, falls Ihr nächstes Fahrzeug einen stärkeren Bordlader hat oder der Netzbetreiber 22 kW genehmigt. M32 verbaut diese Option.