Das Wichtigste in Kürze
Was Lastmanagement konkret tut
Lastmanagement (auch: Load Management oder Lademanagement) regelt in Echtzeit, wie viel elektrische Leistung einzelne Verbraucher gleichzeitig beziehen dürfen. Im Kontext von Wallboxen bedeutet das: Das System misst den aktuellen Gesamtbezug am Hausanschluss und reduziert den Ladestrom der Wallbox, sobald andere Großverbraucher — Herd, Wärmepumpe, Trockner — parallel laufen. Steigt die Gesamtlast über einen definierten Schwellenwert, drosselt die Wallbox automatisch; fällt die Last wieder, gibt das System den Ladestrom frei.
Das Ziel ist nicht Energiesparen, sondern Leistungspfadschutz: Der Hausanschluss mit typischerweise 25 A bis 63 A dreiphasig und die Zuleitung zur Unterverteilung müssen dauerhaft innerhalb ihrer thermischen Grenzwerte bleiben.
Technische Bezugsgrößen: Wo die Grenzen liegen
Der häufigste Hausanschluss in Deutschland liefert 3 × 25 A — das entspricht bei 230 V Strangspannung einer Scheinleistung von rund 17,25 kVA. Bei einem typischen Leistungsfaktor cos φ = 1 (reine Wirkleistung bei resistiver Last) sind das 17,25 kW Gesamtbezug. Davon belegt allein eine Wärmepumpe mit 9 kW elektrischer Leistungsaufnahme bereits 52 % der Kapazität. Eine 11-kW-Wallbox würde den Anschluss rechnerisch auf 117 % belasten — ohne Lastmanagement führt das zur Abschaltung durch die Vorsicherung oder im schlimmsten Fall zur thermischen Überlastung der Leitung.
Bei einem 3 × 35 A-Anschluss (24,15 kW) oder 3 × 63 A (43,47 kW) verschiebt sich die Rechnung, das Grundprinzip bleibt identisch: Der Lastmanagement-Regler benötigt immer den Maximalwert des Anschlusses als Sollgröße.
Statisches vs. dynamisches Lastmanagement
Statisches Lastmanagement begrenzt den Ladestrom der Wallbox auf einen festen Wert — unabhängig davon, was der Rest des Hauses gerade verbraucht. Das ist einfach, aber ineffizient: Die Wallbox lädt auch dann mit reduziertem Strom, wenn Herd und Waschmaschine aus sind.
Dynamisches Lastmanagement misst den Hausverbrauch kontinuierlich per Energiezähler oder Stromwandler (CT — Current Transformer) und passt den Ladestrom sekündlich an. Das nutzbare Ladefenster ist damit deutlich größer. Geräte wie ein externer Energiemesser kommunizieren per Modbus TCP, SMA SunSpec oder proprietärem Protokoll mit der Wallbox-Steuerung.
| Merkmal | Statisches LM | Dynamisches LM |
|---|---|---|
| Messung Hausverbrauch | Nein | Ja (CT oder Zähler) |
| Ladeeffizienz | Niedrig | Hoch |
| Installationsaufwand | Gering | Mittel bis hoch |
| Typischer Einsatz | Einfamilienhaus, 1 Box | Mehrere Boxen, Wärmepumpe |
| Kosten Zusatzhardware | 0 € | 150–500 € |
Was Lastmanagement nicht aussagt
Ein häufiges Missverständnis: Lastmanagement optimiert die Anschlussleistung, sagt aber nichts über die tatsächliche Ladeleistung am Fahrzeug aus. Diese hängt vom fahrzeugseitigen Bordlader ab. Ein Fahrzeug mit 7,4-kW-Bordlader nimmt auch an einer 11-kW-Wallbox maximal 7,4 kW auf. Das Lastmanagement-System sieht nur den tatsächlichen Bezug — der kann also deutlich unter dem konfigurierten Maximum liegen, ohne dass ein Fehler vorliegt.
Ebenso macht Lastmanagement keine Aussage über Ladezeiten im Sinne von Gesamtenergie. Wenn das System den Ladestrom über Stunden auf 6 A (1,38 kW einphasig) reduziert, verlängert sich die Ladezeit entsprechend — das ist systembedingt und kein Defekt.
Prüfpunkte zum selbst Abarbeiten
- Hausanschluss ermitteln: Stromrechnung oder Zählerschrank prüfen — dort steht der Nennstrom der Hauptsicherung (häufig 25 A, 35 A oder 63 A je Phase).
- Gleichzeitigkeitsfaktor berechnen: Welche Großverbraucher laufen realistisch parallel? Wärmepumpe + Herd + Wallbox? Summe der Nennleistungen bilden und mit dem Hausanschluss vergleichen.
- Schnittstellen der Wallbox prüfen: Unterstützt das Gerät Modbus TCP, OCPP 1.6 oder ein proprietäres Protokoll? Das bestimmt, welche Energiemesser kompatibel sind.
- Installationsort des CT bestimmen: Der Stromwandler muss nach dem Hausanschlusszähler, aber vor der Unterverteilung sitzen — die Position mit dem Elektriker abstimmen.
- Mehrere Wallboxen: Backend oder lokales LM? Ab zwei Ladepunkten empfiehlt sich lokales oder cloud-basiertes Multibox-Lastmanagement. OCPP-fähige Geräte können zentral über ein Backend geregelt werden.
- Netzbetreiber-Anforderungen prüfen: Wallboxen ab 3,7 kW sind beim Netzbetreiber anmeldepflichtig; ab 11 kW ist eine Genehmigung erforderlich. Details dazu finden Sie in der Rechtsrubrik auf Wallboxen.net.
Mehrere Wallboxen: Wie die Leistung aufgeteilt wird
Bei drei Wallboxen mit je 11 kW Maximalleistung und einem 25-A-Anschluss stehen 17,25 kW zur Verfügung. Das Lastmanagementsystem verteilt diese Kapazität nach konfigurierbaren Regeln: gleichmäßig (je 5,75 kW), priorisiert (z. B. Box 1 erhält bis zu 11 kW, Rest teilt sich den Überschuss) oder nach Ladestand des Fahrzeugs (SOC-gesteuertes Laden, sofern das Fahrzeug die Daten via ISO 15118 übermittelt).
Die Mindestladeleistung ist dabei zu beachten: Die meisten Fahrzeuge akzeptieren keinen Ladestrom unter 6 A (entspricht 1,38 kW einphasig bzw. 4,14 kW dreiphasig). Fällt das System darunter, unterbricht es den Ladevorgang und wartet, bis wieder Kapazität frei ist.
Wann ein Anschlussausbau sinnvoller ist als Lastmanagement
Lastmanagement löst ein Verteilungsproblem — es schafft keine zusätzliche Leistung. Wer dauerhaft drei Elektrofahrzeuge gleichzeitig laden will und zusätzlich eine Wärmepumpe betreibt, kommt mit einem 25-A-Anschluss auch mit perfektem Lastmanagement an die Grenze. In diesem Fall prüfen Sie mit dem Netzbetreiber, ob ein Ausbau auf 63 A möglich und wirtschaftlich ist. Die Kosten dafür liegen je nach Anschlusssituation zwischen 500 € und 3.000 € — der Netzbetreiber gibt auf Anfrage eine verbindliche Auskunft.