Das Wichtigste in Kürze
Was Campingplatz-Strom für das Laden bedeutet
Europäische Campingplätze stellen an der Säule fast immer einen CEE-Blauanschluss (230 V, Wechselstrom) bereit. Die Absicherung beträgt je nach Stellplatz-Kategorie 6 A, 10 A oder 16 A — das entspricht einer verfügbaren Ladeleistung von 1,4 kW, 2,3 kW oder 3,7 kW. Manche moderneren Plätze bieten 32 A (7,4 kW) an, das ist aber die Ausnahme.
Ob der Anschluss tatsächlich 16 A liefert, sagt die Stellplatzkategorie noch nicht. Viele Plätze haben veraltete Zuleitungen oder teilen einen Stromkreis zwischen mehreren Parzellen. Ein Strommessadapter (z. B. mit Display) zeigt die tatsächlich anliegende Spannung und den Strom — kaufen Sie dieses Gerät, bevor Sie losfahren.
Wie schnell lädt das Auto am Campinganschluss
Die Ladegeschwindigkeit ergibt sich aus dem Minimum zweier Werte: der Anschlussleistung des Platzes und der maximalen AC-Ladeleistung des Bordladers im Fahrzeug. Ein Bordlader mit 7,4 kW kann am 16-A-Anschluss trotzdem nur 3,7 kW aufnehmen — die Netzseite ist der Flaschenhals.
Praktische Richtwerte für eine Batterie mit 60 kWh nutzbarer Kapazität (Ladezustand 20 % → 80 %, also 36 kWh):
- 6 A / 1,4 kW: ca. 26 Stunden
- 10 A / 2,3 kW: ca. 16 Stunden
- 16 A / 3,7 kW: ca. 10 Stunden
- 32 A / 7,4 kW: ca. 5 Stunden
Übernacht-Laden (8–10 Stunden) reicht bei 16 A und einer Batterie bis 70 kWh für die meisten Tagesetappen von 200–350 km. Bei kleineren Batterien (unter 40 kWh) genügt oft schon ein 10-A-Anschluss.
Was die Leistungsangabe nicht aussagt
Die genannten Kilowattwerte gelten für ideale Bedingungen: stabile Spannung (230 V ± 10 %), keine Leitungsverluste, kein paralleler Verbrauch durch Klimaanlage oder Kühlschrank im Fahrzeug. In der Praxis weichen Camping-Netze häufig ab:
- Spannungseinbrüche auf 210–215 V reduzieren die tatsächliche Leistung um bis zu 7 %.
- Lange, dünne Verlängerungskabel (z. B. 25 m, 1,5 mm²) erzeugen Spannungsabfall; zulässig sind maximal 3 % Spannungsfall nach VDE 0100-520, was bei 16 A und 25 m bereits überschritten sein kann.
- Der fahrzeugseitige Standheizungs- oder Klimabetrieb kann 0,5–1,5 kW vom Anschluss abzweigen.
Ein Verlängerungskabel für Camping-Strom muss mindestens 2,5 mm² Querschnitt haben, wenn Sie dauerhaft 16 A belasten — 1,5 mm² ist für diesen Dauerbetrieb nicht ausgelegt und kann sich gefährlich erwärmen.
Prüfpunkte vor dem ersten Laden auf dem Stellplatz
- Stellplatz-Kategorie abfragen: Fragen Sie beim Check-in nach der Absicherung (Ampere), nicht nur nach dem Tarifanschluss.
- Spannung messen: Schließen Sie zuerst den Strommessadapter an. Liegt die Spannung unter 200 V, sprechen Sie die Platzleitung an, bevor Sie das Auto anschließen.
- Ladeeinstellung im Fahrzeug anpassen: Nahezu alle Elektrofahrzeuge erlauben es, den maximalen Ladestrom im Menü zu begrenzen. Stellen Sie ihn auf 1–2 A unter der Nenn-Absicherung des Platzes — so vermeiden Sie Schutzauslösungen und schonen die Campingplatz-Anlage.
- Kabelquerschnitt prüfen: Nur CEE-zugelassene Adapter und Kabel mit ausreichendem Querschnitt verwenden. Haushaltsverlängerungskabel auf einer Trommel sind verboten, weil aufgerollte Kabel Wärme stauen.
- Stromzählerstand notieren: Viele Plätze rechnen Strom separat ab. Notieren Sie den Zählerstand bei Ankunft und Abfahrt.
Schnellladen unterwegs — die Alternative zur Standzeit
AC-Laden auf dem Stellplatz ist langsam, aber kostenlos oder günstig. Wer Zeit gewinnen will, fährt zur nächsten DC-Schnellladestation (CCS oder CHAdeMO). Dort sind je nach Fahrzeug und Station 50–350 kW möglich — die 36 kWh aus dem Beispiel oben laden in 15–45 Minuten. Dieser Ladevorgang ist jedoch von der Fahrzeugseite her begrenzt: Ein Fahrzeug mit 50 kW DC-Ladefähigkeit profitiert nicht von einer 150-kW-Säule.
Für Langstrecken-Camping empfiehlt sich eine Mischstrategie: Über Nacht auf dem Stellplatz AC-laden (kostet wenig, schont die Batterie durch geringere Ladeströme), tagsüber nur bei Bedarf kurz DC-nachladen. Tiefentladungen unter 10 % Ladezustand beschleunigen die Alterung der Lithium-Ionen-Zellen; halten Sie den Ladestand auf Camping-Trips zwischen 20 und 80 %.
Rechtliche Einordnung und was Sie selbst nicht entscheiden können
Das Anschließen eines Elektroautos an einen CEE-Blauanschluss mit einem genormten Typ-2-Adapter ist in Deutschland keine meldepflichtige Installation — Sie nutzen einen vorhandenen Anschluss mit einem portablen Gerät. Anders verhält es sich, wenn Sie auf einem Dauerstellplatz eine feste Wallbox installieren möchten: Das berührt Anmeldepflichten beim Netzbetreiber (§ 19 NAV), ggf. Baugenehmigungsfragen und die VDE-0100-722-konforme Installation durch einen Elektrofachbetrieb. Für diese Fragen verweisen wir auf unsere Rechtsrubrik zu Anmeldepflichten und Genehmigungen.
Welches Zubehör Sie für Camping-Ladevorgänge brauchen
Eine kompakte Packliste für das Laden im Camping- und Reisebetrieb:
- CEE-Blau-auf-Typ-2-Adapter (16 A, einphasig) — Pflicht, selten im Fahrzeug-Lieferumfang
- Strommessadapter mit Spannungs- und Stromanzeige — erkennt schwache Netze
- CEE-Verlängerungskabel, 10–15 m, mindestens 2,5 mm², CEE-zugelassen, auf offener Kabelrolle (nicht aufgewickelt laden)
- Schuko-auf-Typ-2-ICCB-Ladelösung (In-Cable Control Box) als Backup — maximal 8–10 A einstellen, nur für Notfälle
Prüfen Sie vor der Reise im Fahrzeug-Menü, ob der maximale AC-Ladestrom einstellbar ist und auf welchen Wert er werkseitig gesetzt ist. Manche Fahrzeuge laden ab Werk mit dem vollen Bordlader-Maximum — das kann auf schwachen Campingplatz-Netzen den Schutzschalter auslösen.