Das Wichtigste in Kürze
Was ein Komplettpaket enthält — und was nicht
Ein seriöses Komplettpaket umfasst vier Komponenten: die Wallbox selbst, das Verlegungsmaterial (Kabel, Leerrohr, Sicherungen), die fachgerechte Installation durch einen zugelassenen Elektrobetrieb sowie die Anmeldung beim zuständigen Netzbetreiber nach § 19 NAV. Manche Anbieter schließen auch die Zählpunktanfrage und den Lastmanagement-Einbau ein.
Nicht enthalten sind dagegen häufig: Erdarbeiten für Kabeltrassen, ein separater Zählerplatz im Unterverteiler, Kabelwege über mehr als 15–20 m sowie ein vorhandener Netzanschluss, der für die neue Last verstärkt werden muss. Prüfen Sie das Leistungsverzeichnis Zeile für Zeile, bevor Sie einen Festpreis annehmen.
Leistungsangaben richtig einordnen
Pakete werden oft mit der Wallbox-Ladeleistung beworben: „11 kW Komplettpaket“ oder „22 kW Komplettpaket“. Diese Zahl beschreibt die maximale Ausgangsleistung der Ladestation, nicht die tatsächliche Ladeleistung am Fahrzeug. Entscheidend ist der fahrzeugseitige Bordlader: Unterstützt das Fahrzeug nur 7,4 kW einphasig, wird es an einer 11-kW-Wallbox nie schneller laden — unabhängig vom Paket.
Verbreitete Bordlader-Leistungen im Überblick:
- 3,6 kW (einphasig, ältere Modelle)
- 7,4 kW (einphasig, 32 A)
- 11 kW (dreiphasig, 16 A)
- 22 kW (dreiphasig, 32 A — nur wenige Modelle, z. B. Renault Zoe, Mercedes EQS)
Ein 22-kW-Paket lohnt sich also nur, wenn Ihr Fahrzeug einen dreiphasigen 32-A-Bordlader hat und der Netzbetreiber die Leistung genehmigt. Letzteres ist in vielen Regionen nicht selbstverständlich.
Hausanschluss und Absicherung: Was vorab geprüft werden muss
Bevor ein Paketanbieter einen Festpreis nennen kann, müssen drei Größen bekannt sein:
- Hausanschlussleistung: Steht auf dem Zählerschrank-Etikett oder im Netzanschlussvertrag. Üblich sind 40 A, 63 A oder 100 A Hauptsicherung. Eine 11-kW-Wallbox (3 × 16 A) benötigt zusätzliche 16 A je Phase — bei einem 40-A-Anschluss mit bestehendem Haushalt oft kritisch.
- Kabelweg: Die Leitungslänge vom Zählerschrank zur Wallbox bestimmt den Kabelquerschnitt. Ab ca. 25 m Länge für 11 kW ist 6 mm² Kupfer statt 4 mm² erforderlich, was die Materialkosten erhöht.
- Unterverteiler-Kapazität: Ist ein freier Schlitz für den Leitungsschutzschalter vorhanden? Wenn nicht, werden Erweiterungskosten fällig, die im Pauschalpaket meist nicht enthalten sind.
Anbieter, die ohne Vor-Ort-Besichtigung oder zumindest ohne detailliertes Technik-Formular einen Festpreis nennen, rechnen mit Nachträgen — oder kalkulieren einen Puffer ein, der Sie teuer zu stehen kommt.
Typische Paketpreise und was dahintersteckt
| Pakettyp | Wallbox-Leistung | Preisrahmen (inkl. Montage) | Typische Einschränkungen |
|---|---|---|---|
| Einstieg | 3,6–7,4 kW | 800–1.400 € | Kabelweg bis 10 m, kein Lastmanagement |
| Standard | 11 kW | 1.400–2.200 € | Kabelweg bis 15 m, einfacher Unterverteiler |
| Komfort | 11 kW mit Smart-Charging | 2.000–3.200 € | Dynamisches Lastmanagement, App, ggf. PV-Einbindung |
| 22 kW | 22 kW | 2.500–4.500 € | Netzbetreiber-Genehmigung erforderlich, selten pauschal |
Die Montagekosten (Lohn) liegen laut Handwerkskammer-Richtwerten bei 65–110 € pro Stunde netto, ein Standardeinbau dauert 3–5 Stunden. Pakete mit Festpreisen unter 1.200 € inkl. Wallbox setzen eine kurze Kabelstrecke, einen vorhandenen Unterverteiler und ein günstiges Einstiegsgerät voraus.
Checkliste: Was Sie vor der Paketbuchung selbst prüfen können
- Notieren Sie die Ampere-Zahl Ihrer Hauptsicherung (steht auf dem Sicherungsautomaten im Zählerschrank).
- Messen Sie den Kabelweg von Zählerschrank zur geplanten Wallbox-Position in Metern.
- Schauen Sie im Fahrzeughandbuch nach der maximalen AC-Ladeleistung des Bordladers.
- Prüfen Sie, ob im Unterverteiler mindestens ein freier Schlitz für einen 3-poligen B16-Automaten vorhanden ist.
- Fragen Sie beim Netzbetreiber an, ob eine Anmeldepflicht nach § 19 NAV besteht — bei Anlagen über 4,2 kW ist das Pflicht, bei einigen Netzbetreibern auch darunter.
- Klären Sie, ob das Paket eine Zähleranfrage und ggf. eine Änderung des Netzanschlusses einschließt.
Was der Paketpreis nicht aussagt
Ein günstiger Paketpreis sagt nichts über die Qualität der verbauten Wallbox aus. Entscheidend sind Zertifizierungen (CE, TÜV, DEKRA), der Schutzgrad des Gehäuses (mindestens IP 54 für Außenmontage) sowie die Garantiedauer — üblich sind 2 Jahre gesetzliche Gewährleistung, Hersteller bieten teils 3–5 Jahre freiwillige Garantie.
Außerdem sagt der Preis nichts über die Installationsqualität aus. Lassen Sie sich den Namen des ausführenden Elektrobetriebs nennen und prüfen Sie, ob er im Installateurverzeichnis des lokalen Netzbetreibers eingetragen ist. Nur eingetragene Betriebe dürfen Anlagen ans öffentliche Netz anschließen.
Anmeldefragen — etwa ob Ihr Netzbetreiber ein eichrechtlich zugelassenes Messgerät fordert oder welche Fristen für die Anmeldung gelten — sind rechtlich relevant. Für verbindliche Auskünfte dazu verweisen wir auf die Rechtsrubrik dieses Portals.
Wann ein Komplettpaket sinnvoll ist — und wann nicht
Ein Paketangebot ist sinnvoll, wenn Ihre Situation dem Standardfall entspricht: Einfamilienhaus, Zählerschrank in Garagennähe, Kabelweg unter 15 m, 11-kW-Bordlader im Fahrzeug, bestehender Unterverteiler mit Reservekapazität. Unter diesen Bedingungen ist der Festpreis kalkulierbar und die Koordination zwischen Gerätelieferant und Elektriker entfällt.
Komplizierter wird es bei Reihenhäusern mit gemeinsamem Netzanschluss, bei Tiefgaragenstellplätzen, bei Mehrfamilienhäusern mit Lastmanagement-Pflicht oder bei langen Kabeltrassen. In diesen Fällen ist ein Einzelangebot mit detailliertem Leistungsverzeichnis die zuverlässigere Grundlage — Pauschalangebote führen hier häufig zu Nachtragsrechnungen, die den scheinbaren Preisvorteil aufheben.