Das Wichtigste in Kürze
Was die Phasenzahl tatsächlich bedeutet
Das europäische Wechselstromnetz liefert drei Phasen mit je 230 V gegen den Nullleiter. Zwischen zwei Phasen entstehen 400 V. Wallboxen und Fahrzeug-Bordlader kombinieren diese Spannungsebenen mit dem zulässigen Strom, um die Ladeleistung zu bestimmen:
- Einphasig (1-phasig): eine Phase, 230 V. Bei 16 A ergibt das 3,7 kW, bei 32 A maximal 7,4 kW.
- Zweiphasig (2-phasig): zwei Phasen, in Deutschland kaum verbreitet. Theoretisch 2 × 230 V = 14,8 kW bei 32 A.
- Dreiphasig (3-phasig, Drehstrom): drei Phasen, 400 V verkettete Spannung. Bei 16 A ergibt das 11 kW, bei 32 A maximal 22 kW.
Die Formel lautet: P = n × U × I × cos φ, wobei n die Phasenzahl, U die Strangspannung (230 V), I der Strom und cos φ der Leistungsfaktor (bei Wallboxen ≈ 1) ist. Zweiphasige Installationen spielen in der deutschen Praxis keine Rolle — das Netz ist entweder einphasig oder dreiphasig ausgelegt.
Was die Phasenzahl nicht aussagt
Eine dreiphasige Wallbox mit 22 kW ist kein Garant für schnelles Laden. Entscheidend ist der fahrzeugseitige Bordlader: Er setzt die vom Netz gelieferte Wechselspannung in Gleichspannung für die Batterie um — und er begrenzt die aufnehmbare Leistung.
Beispiele aus der Praxis:
- Ein Fahrzeug mit einphasigem 7,4-kW-Bordlader zieht an einer 22-kW-Wallbox maximal 7,4 kW — die restliche installierte Leistung bleibt ungenutzt.
- Ein Fahrzeug mit dreiphasigem 11-kW-Bordlader lädt an einer 22-kW-Wallbox mit 11 kW.
- Nur Fahrzeuge mit 22-kW-Bordlader schöpfen eine 22-kW-Wallbox vollständig aus.
Die Wallbox-Leistungsangabe ist also die Obergrenze, die das Fahrzeug nie überschreiten, aber unterschreiten kann. Prüfen Sie daher zuerst das Datenblatt Ihres Fahrzeugs, bevor Sie die Wallbox-Spezifikation festlegen.
Dreiphasig vs. einphasig: der Zeitunterschied in der Praxis
| Szenario | Wallbox | Bordlader | Ladeleistung | 100 km Reichweite (ca.) |
|---|---|---|---|---|
| Kleinwagen, 1-phasig | 7,4 kW | 7,4 kW (1-ph.) | 7,4 kW | ca. 1,0–1,5 h |
| Mittelklasse, 3-phasig | 11 kW | 11 kW (3-ph.) | 11 kW | ca. 0,7–1,0 h |
| Premium, 3-phasig | 22 kW | 22 kW (3-ph.) | 22 kW | ca. 0,35–0,5 h |
| Kleinwagen an 22-kW-Box | 22 kW | 7,4 kW (1-ph.) | 7,4 kW | ca. 1,0–1,5 h |
Die Reichweiten-Richtwerte basieren auf einem Verbrauch von 18–25 kWh/100 km. Individuelle Werte hängen von Fahrzeug, Temperatur und Batteriegröße ab.
Netzanschluss: Was ist vor Ort vorhanden?
Bevor Sie eine Wallbox bestellen, prüfen Sie den vorhandenen Hausanschluss:
- Zählerschrank öffnen (durch Elektrofachkraft): Sind drei Phasen (L1, L2, L3) vorhanden? Ein Drehstrom-Anschluss ist in Deutschland bei Neubauten und den meisten Einfamilienhäusern Standard.
- Freie Absicherungskapazität prüfen: Für eine 11-kW-Wallbox werden 3 × 16 A benötigt, für 22 kW 3 × 32 A. Ist der Hauptleitungsschutzschalter entsprechend dimensioniert?
- Leitungsquerschnitt zur Garage: 11 kW (3 × 16 A) erfordert mindestens 2,5 mm² Cu, 22 kW (3 × 32 A) mindestens 6 mm² Cu — jeweils nach VDE 0100-722 und abhängig von Leitungslänge und Verlegeart.
- Anmeldepflicht beim Netzbetreiber: Wallboxen bis 11 kW sind in den meisten Netzbereichen anmeldepflichtig, ab 12 kW genehmigungspflichtig. Die genauen Vorgaben regeln §19 NAV und die jeweiligen technischen Anschlussbedingungen (TAB) des lokalen Netzbetreibers. Für Fragen zur konkreten Rechtslage konsultieren Sie unsere Rechtsrubrik.
Checkliste: Welche Phasenzahl passt zu Ihrer Situation?
- Fahrzeug hat einphasigen Bordlader bis 7,4 kW → einphasige 7,4-kW-Wallbox ausreichend; dreiphasige Installation nur sinnvoll, wenn ein Fahrzeugwechsel geplant ist.
- Fahrzeug hat dreiphasigen 11-kW-Bordlader → dreiphasige 11-kW-Wallbox ist die wirtschaftlich sinnvolle Wahl.
- Fahrzeug hat 22-kW-Bordlader → dreiphasige 22-kW-Wallbox; Netzanschluss und Absicherung vorab klären.
- Mehrere Fahrzeuge oder Wechsel absehbar → dreiphasige Installation mit Lastmanagement einplanen, auch wenn heute erst ein einphasiges Fahrzeug geladen wird.
- Mietwohnung oder temporäre Nutzung → einphasige Lösung reduziert Installationsaufwand und Rückbaukosten.
Symmetrische Lastverteilung im Netz
Netzbetreiber fordern bei Dauerlasten über 4,6 kW (entspricht einphasig 20 A) eine symmetrische Lastverteilung über alle drei Phasen. Eine einphasige 7,4-kW-Wallbox (32 A an L1) erzeugt eine Unsymmetrie, die der Netzbetreiber in seinen TAB einschränken kann. Dreiphasige Wallboxen verteilen die Last gleichmäßig auf L1, L2 und L3 — das ist netztechnisch bevorzugt und vermeidet Einwände bei der Anmeldung.
Zukunftssicherheit einplanen
Die Leitungsinfrastruktur ist das teuerste Element bei einer Nachrüstung. Wer heute eine einphasige Wallbox installiert, aber den Leerrohr und den Zuleitungsquerschnitt für dreiphasig 32 A (6 mm² Cu) verlegt, spart bei einem späteren Upgrade den Erdaufbruch. Die Mehrkosten für das stärkere Kabel beim Ersteinbau betragen erfahrungsgemäß 150–400 € je nach Leitungslänge — gegenüber 1.000–3.000 € für eine spätere Tiefbaumaßnahme ein kalkulierbarer Aufschlag.