AC-Laden und DC-Laden: was zu Hause zählt

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Ratgeber 6 Min. Lesezeit 10.09.2026
Wer eine Wallbox kauft, stolpert über zwei Kürzel: AC und DC. Die Unterscheidung entscheidet darüber, welche Ladeleistung Ihr Fahrzeug zuhause überhaupt annehmen kann — und welche Angaben auf dem Karton ohne Kontext wertlos sind.
Das Wichtigste in Kürze

AC oder DC: Was bedeutet das für die Heimladung?

AC steht für Wechselstrom (Alternating Current), DC für Gleichstrom (Direct Current). Das Hausnetz liefert ausschließlich AC — einphasig mit 230 V oder dreiphasig mit 400 V. Jede handelsübliche Wallbox arbeitet deshalb im AC-Betrieb. Das Fahrzeug selbst wandelt diesen Wechselstrom intern über den Bordlader in DC um, weil die Fahrzeugbatterie nur Gleichstrom speichern kann.

DC-Schnelllader (z. B. CCS, CHAdeMO) übernehmen diese Umwandlung extern: Der Lader liefert bereits Gleichstrom direkt an die Batterie. Solche Systeme arbeiten mit 50 kW bis über 350 kW und benötigen Mittelspannungsanschlüsse. Sie sind für die Heiminstallation wirtschaftlich und netztechnisch nicht realisierbar.

Für zuhause gilt also: Sie laden immer per AC, und Ihre Wallbox ist ein AC-Lader.

Der Bordlader bestimmt die reale Ladeleistung

Die häufigste Fehlerquelle beim Wallbox-Kauf ist die Verwechslung von Wallbox-Leistung und Fahrzeug-Ladeleistung. Eine Wallbox mit 22 kW liefert maximal 22 kW — aber nur dann, wenn das Fahrzeug diese Leistung auch annehmen kann.

Der Bordlader im Fahrzeug ist der limitierende Faktor. Typische Bordlader-Leistungen im Überblick:

  • 3,7 kW: einphasig, 16 A — ältere Plug-in-Hybride, Einstiegsmodelle
  • 7,4 kW: einphasig, 32 A — häufigste Konfiguration bei Kompakt-BEVs und PHEVs
  • 11 kW: dreiphasig, 16 A — verbreitet bei aktuellen Vollelektrischen
  • 22 kW: dreiphasig, 32 A — Oberklasse-BEVs, einige Transporter

Ein Fahrzeug mit 11 kW-Bordlader lädt an einer 22 kW-Wallbox mit exakt 11 kW — nicht schneller. Die Wallbox-Leistung ist die Obergrenze des Angebots, der Bordlader die Obergrenze der Nachfrage.

Ladezeit berechnen: Formel und Beispielwerte

Die Netto-Ladezeit ergibt sich aus Batteriekapazität und tatsächlicher Ladeleistung:

Ladezeit (h) = Nettokapazität (kWh) ÷ tatsächliche Ladeleistung (kW)

Praxisbeispiel: Ein Fahrzeug mit 77 kWh Nettokapazität und 11 kW-Bordlader braucht rund 7 h für eine Vollladung (0–100 %). Wechseln Sie zur gleichen Batterie, aber nur 7,4 kW-Bordlader: rund 10,4 h. Der Unterschied entsteht allein durch das Fahrzeug, nicht durch die Wallbox.

Ladeverluste durch Wärmeentwicklung und Steuerelektronik betragen AC-seitig 8–12 %. Die reale Wandsteckdosen-Entnahme liegt entsprechend höher als die in die Batterie fließende Energie.

Prüfpunkte: Was Sie vor dem Wallbox-Kauf selbst abarbeiten

  1. Bordlader-Leistung Ihres Fahrzeugs ermitteln: Steht im Fahrzeughandbuch unter „AC-Ladeleistung“ oder „On-Board-Charger“. Herstellerwebsites listen den Wert bei Ausstattungsoptionen.
  2. Phasenzahl prüfen: Ein einphasiger Bordlader mit 7,4 kW profitiert nicht von einer dreiphasigen 22 kW-Wallbox. Eine 7,4 kW-Wallbox reicht dann vollständig aus.
  3. Hausanschluss-Kapazität klären: 22 kW-Wallboxen ziehen dreiphasig je 32 A. Ob Ihr Zähler und Ihre Unterverteilung das dauerhaft tragen, prüft Ihr Netzbetreiber oder ein Elektrofachbetrieb.
  4. Zukünftige Fahrzeuge einkalkulieren: Wer heute ein PHEV mit 3,7 kW fährt, aber in drei Jahren auf ein BEV mit 11 kW wechseln will, fährt mit einer 11 kW-Wallbox besser.
  5. Anmeldepflicht beachten: Wallboxen bis 11 kW müssen beim Netzbetreiber angemeldet werden, 22 kW-Anlagen erfordern oft eine Genehmigung. Zu den rechtlichen Details und Fristen lesen Sie in der Rechtsrubrik auf Wallboxen.net nach.

Was die kW-Angabe der Wallbox nicht aussagt

Die Nennleistung einer Wallbox beschreibt ausschließlich die maximale Abgabeleistung unter Normbedingungen. Sie sagt nichts über:

  • Kompatibilität mit Ihrem Fahrzeug: Steckertyp (Typ 2 ist Standard in Europa), Kommunikationsprotokoll und Phasenzahl müssen passen.
  • Netzrückwirkungen: Unsymmetrische Einphasenlast über 4,6 kW kann nach VDE-AR-N 4100 problematisch sein — abhängig von Ihrer Netzform und dem Netzbetreiber.
  • Wirkungsgrad: Wallboxen arbeiten mit 93–97 % Wirkungsgrad; der Rest wird als Wärme abgegeben. Das ist keine Qualitätsaussage, sondern physikalisch unvermeidbar.
  • Ladegeschwindigkeit bei Kälte: Das Batterie-Management-System des Fahrzeugs drosselt die Ladeleistung unter ca. 5 °C zum Schutz der Zellen. Die Wallbox liefert, was das Fahrzeug annimmt.

AC-Wallbox zuhause: Was tatsächlich sinnvoll ist

Für den Heimgebrauch sind 11 kW das sinnvolle Maximum für die meisten Haushalte. Der Grund: Die Mehrzahl der in Europa verkauften BEVs hat einen 11 kW-Bordlader. Eine 22 kW-Wallbox bringt diesen Fahrzeugen keinen Zeitvorteil.

22 kW lohnt sich, wenn mindestens eines der folgenden Kriterien zutrifft:

  • Das Fahrzeug hat nachweislich einen 22 kW-Bordlader (z. B. bestimmte Renault-, Mercedes- oder Transporter-Modelle).
  • Mehrere Fahrzeuge mit je 11 kW teilen sich Ladepunkte im Wechsel.
  • Ein gewerblicher Hintergrund macht höhere Flexibilität wirtschaftlich sinnvoll.

Eine 7,4 kW-Wallbox kostet weniger, belastet das Netz geringer und reicht für ein PHEV oder ein BEV mit Nacht-Ladekonzept vollständig aus — wenn das Fahrzeug einphasig lädt.

Häufige Fragen

Nein, in der Praxis nicht. DC-Lader beginnen bei 20–50 kW und benötigen Mittelspannungsanschlüsse sowie aufwendige Netzschutzeinrichtungen. Die Anschlusskosten allein liegen im fünfstelligen Bereich, hinzu kommen Genehmigungspflichten. Für die Heimladung ist AC die einzige realistische Option.

Weil Ihr Fahrzeug einen 11 kW-Bordlader hat. Der Bordlader wandelt AC in DC um und ist die limitierende Komponente. Die Wallbox liefert nur, was das Fahrzeug maximal anfordert — überschüssige Kapazität wird schlicht nicht genutzt.

Schauen Sie ins Fahrzeughandbuch unter „AC-Ladeleistung“ oder „On-Board-Charger“. Alternativ finden Sie den Wert auf der Herstellerwebsite unter technischen Daten oder Ausstattungsdetails. Bei Plug-in-Hybriden liegt die AC-Bordladerleistung oft bei 3,7 kW oder 7,4 kW.

Ja. Wallboxen ab 12 kW benötigen laut den meisten Netzbetreiber-Anschlussbedingungen eine ausdrückliche Genehmigung, nicht nur eine Anmeldung. Der genaue Prozess variiert je nach Netzbetreiber. Die rechtlichen Anforderungen sind in der Rechtsrubrik auf Wallboxen.net beschrieben.

Ja. Das Batterie-Management-System des Fahrzeugs reduziert bei Temperaturen unter ca. 5 °C die Ladeleistung, um die Lithium-Zellen zu schützen. Die Drosselung erfolgt fahrzeugseitig — die Wallbox liefert weiterhin die volle mögliche Leistung, das Fahrzeug nimmt sie nur nicht ab.