Was ein Typ-B-FI-Schalter erkennt — und warum das Laden ihn reizt
Ein Fehlerstromschutzschalter vom Typ B (umgangssprachlich „allstromsensitiv“) erfasst alle Fehlerströme: Wechselfehlerströme, pulsierende Gleichfehlerströme und glatte Gleichfehlerströme ab 6 mA. Genau diese Vollständigkeit macht ihn zur Pflicht an Wallboxen ohne eigene galvanische Trennung oder ohne integrierte DC-Fehlerstromüberwachung.
Das Problem: Moderne Onboard-Lader in Elektrofahrzeugen erzeugen beim Laden über die Leistungselektronik systematisch kleine Gleichanteile im Fehlerstrom. Diese Ströme liegen oft im Bereich von 2–10 mA und variieren je nach Fahrzeugmodell, Ladezustand, Temperatur und Phasenlage. Der Typ-B-FI-Schalter registriert sie — und löst aus, sobald der glatte Gleichfehlerstrom die Auslöseschwelle von 6 mA überschreitet.
Die häufigsten technischen Ursachen für das Auslösen
Gleichfehlerströme durch die Fahrzeugelektronik
Der häufigste Grund ist fahrzeugseitig. Der im Fahrzeug verbaute Onboard-Charger wandelt Wechselstrom in Gleichstrom. Dabei entstehen im Normalbetrieb kleine Restströme, die kapazitiv oder durch Schaltasymmetrien in den Schutzleiter abgeleitet werden. Bei manchen Fahrzeugkombinationen übersteigen diese Ströme kurzzeitig die 6-mA-Grenze des Typ-B-FI-Schalters, besonders beim Ladestart oder bei Lastwechseln.
Einschalttransienten
Beim Aufbau der Ladeverbindung fließen für wenige Millisekunden Ausgleichsströme. Ein Typ-B-FI-Schalter mit zu geringer Einschaltstromfestigkeit wertet diese Transienten als Fehlerstrom und löst sofort aus. Das zeigt sich typisch als „Auslösen in den ersten 2 Sekunden nach dem Einstecken“.
Schlechte Kontaktqualität am CEE- oder Typ-2-Anschluss
Oxidierte oder lose Schutzleiter-Kontakte erzeugen Übergangswiderstände, die bei Stromfluss zu Spannungsabfällen führen. Diese können kapazitiv kopplungsbedingte Fehlerströme verursachen. Klemmen Sie sämtliche Schutzleiterverbindungen nach, Anzugsmoment gemäß Klemmenbezeichnung des Herstellers.
Erdschleifen durch mehrere Erdungspunkte
Wird die Wallbox in einem Gebäude mit mehreren Erdungspunkten betrieben (typisch bei Nachrüstung in Bestandsgebäuden), können Erdschleifen entstehen. Fließt zwischen zwei Erdungspunkten ein Potenzialausgleichsstrom, registriert der FI-Schalter diesen als Fehlerstrom.
Überalterung oder falscher Typ
Ein Typ-A-FI-Schalter — der nur Wechselfehlerströme und pulsierende Gleichfehlerströme erfasst — löst bei glatten Gleichfehlerströmen nicht aus, bietet dann aber auch keinen Schutz. Manche Installateure setzen versehentlich einen Typ-F ein, der zwar für frequenzvariable Antriebe geeignet ist, aber keinen glatten DC-Fehlerstrompfad überwacht. Prüfen Sie das Typenschild: Dort stehen die Symbole, kein Typ B hat einen ausgefüllten Kreis im Wellensymbol.
Wann der Typ-B-FI-Schalter zu Recht auslöst
Das Auslösen ist kein Fehler des FI-Schalters, sondern ein Schutzfunktion. Ein glatter Gleichfehlerstrom über 6 mA kann bei einem Menschen Muskelkontraktionen auslösen, die das Loslassen verhindern — der klassische Typ-A-FI-Schalter würde diesen Strom nicht erkennen. Die Norm IEC 62955 fordert deshalb an Wallboxen ohne galvanische Trennung einen Typ B oder eine gleichwertige DC-Fehlerstromüberwachung.
Konkret: Löst der FI-Schalter bei jedem Ladevorgang mit einem bestimmten Fahrzeug aus, liegt das Problem nicht am Schalter, sondern am Fahrzeug. Der FI-Schalter arbeitet korrekt. In diesem Fall ist ein Prüfprotokoll sinnvoll: Strom am Schutzleiter messen (Zangen-Amperemeter mit DC-Messung, Mindestauflösung 1 mA) und das Messergebnis dokumentieren.
Auslösung unterscheiden: Sofort, verzögert oder temperaturabhängig
| Auslösemuster | Wahrscheinliche Ursache | Nächster Schritt |
|---|---|---|
| Sofort beim Einstecken (unter 2 s) | Einschalttransient, falscher FI-Typ | FI-Typ prüfen, Transienten-festen Typ B wählen |
| Nach 10–60 Minuten | Gleichfehlerstrom des Onboard-Laders bei Wärme | Fehlerstrom messen, Fahrzeughersteller kontaktieren |
| Unregelmäßig, verschiedene Fahrzeuge | Erdschleife oder schlechte Schutzleiterverbindung | Erdungskonzept prüfen, Klemmen nachziehen |
| Nur bei einem Fahrzeugmodell | Fahrzeugseitiger DC-Fehlerstrom über 6 mA | FI-Schalter korrekt, Fahrzeughersteller informieren |
Wann der Typ-B-FI-Schalter tatsächlich ersetzt werden muss
Ein Tausch ist notwendig, wenn:
- Das Gerät mechanisch beschädigt ist oder nach Auslösung nicht mehr zuverlässig einrastet.
- Der Auslösestrom beim Prüfen mit einem Prüfgerät außerhalb der Norm liegt: Bei einem 30-mA-FI-Schalter muss die Auslösung zwischen 15 mA und 30 mA erfolgen, bei Typ B für alle Stromarten.
- Das Baujahr über 20 Jahre alt ist (Richtwert nach VDE 0100-600: regelmäßige Prüfung, Hersteller empfehlen Austausch nach 10–15 Jahren Betrieb).
- Ein Typ-A oder Typ-F eingebaut ist, wo nach VDE 0100-722 oder der Wallbox-Herstellervorgabe ein Typ B vorgeschrieben ist.
Ein Tausch ist nicht notwendig, wenn der Schalter korrekt auf fahrzeugseitige Gleichfehlerströme reagiert. In diesem Fall löst die Wallbox als System das Problem — entweder durch ein Software-Update des Fahrzeugs oder durch Einsatz einer Wallbox mit integrierter DC-Fehlerstromüberwachung nach IEC 62955, die dann auch mit einem Typ-A-FI-Schalter kombiniert werden darf.
Alternative: Wallbox mit integrierter DC-Fehlerstromüberwachung
Viele aktuelle Wallboxen (ab ca. 2020) integrieren eine eigene DC-Fehlerstromüberwachung, die den Typ-B-FI-Schalter ersetzt. Diese Geräte werden nach IEC 62955 zertifiziert und erlauben den Betrieb mit einem günstigeren Typ-A-FI-Schalter (Typ A: ca. 40–80 €, Typ B: 180–400 €). Prüfen Sie vor dem Kauf einer Wallbox das Datenblatt auf den Hinweis „DC-Fehlerstromschutz integriert“ oder „geeignet für Typ-A-FI-Schalter“.
Praktische Checkliste bei wiederkehrendem Auslösen
- Typenschild des FI-Schalters ablesen: Muss Typ B sein (Symbol: Wellenform + Halbwelle + ausgefüllter Kreis).
- Auslösemuster dokumentieren: Zeitpunkt, Fahrzeug, Außentemperatur, Ladeleistung.
- Schutzleiterverbindungen an Wallbox-Klemmen und Verteilerkasten prüfen und nachziehen.
- Gleichfehlerstrom am PE-Leiter mit Zangenamperemeter messen (DC-fähig, Auflösung ≥ 1 mA).
- Bei Werten über 6 mA: Fahrzeughersteller kontaktieren, Software-Update prüfen.
- Wenn Messwert unter 6 mA, aber FI löst aus: FI-Schalter prüfen lassen (Auslösestrom-Messung durch Elektriker).
- Kein Befund: Erdungskonzept des Gebäudes durch Fachbetrieb überprüfen lassen.
Kernaussagen
- Typ-B-FI-Schalter erfassen glatte Gleichfehlerströme ab 6 mA — moderne Fahrzeug-Onboard-Lader können diese Schwelle überschreiten.
- Auslösen beim Einstecken deutet auf Einschalttransienten hin, Auslösen nach 10–60 min auf thermisch beeinflusste DC-Fehlerströme.
- Ein Tausch ist nur nötig bei Defekt, falschem Typ oder Alter über 15 Jahre — nicht bei korrekter Schutzfunktion.
- Wallboxen mit integrierter DC-Überwachung nach IEC 62955 erlauben den günstigeren Typ-A-FI-Schalter (Ersparnis: 100–300 €).
Häufige Fragen (FAQ)
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question: Muss an einer Wallbox zwingend ein Typ-B-FI-Schalter eingebaut sein?answer: Nach VDE 0100-722 und den meisten Wallbox-Herstellervorgaben ist an Wallboxen ohne galvanische Trennung ein Typ-B-FI-Schalter Pflicht. Ausnahme: Die Wallbox verfügt über eine zertifizierte interne DC-Fehlerstromüberwachung nach IEC 62955 — dann genügt ein Typ-A-FI-Schalter.
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question: Kann ein Software-Update am Fahrzeug das Auslösen des FI-Schalters beheben?answer: Ja, bei einigen Fahrzeugmodellen hat der Hersteller die Ladeelektronik per Update so angepasst, dass der DC-Fehlerstromanteil unter 6 mA bleibt. Prüfen Sie beim Fahrzeughersteller, ob ein entsprechendes Update für Ihr Modell verfügbar ist, bevor Sie elektrische Komponenten tauschen.
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question: Wie erkenne ich einen Typ-B-FI-Schalter am Gehäuse?answer: Das Typenschild trägt die Kennzeichnung „Typ B“ sowie drei Symbole: eine Sinuswelle (Wechselstrom), eine Halbwelle (pulsierender Gleichstrom) und einen ausgefüllten Kreis (glatter Gleichstrom). Fehlt der ausgefüllte Kreis, ist es kein Typ B.
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question: Wie hoch ist der Gleichfehlerstrom, ab dem ein Typ-B-FI-Schalter auslöst?answer: Die Auslöseschwelle für glatte Gleichfehlerströme liegt bei 6 mA. Bei einem 30-mA-Nennauslösestrom muss der Schalter bei glatten DC-Strömen zwischen 6 mA und 12 mA auslösen. Diese Werte legt IEC 60755 fest.
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question: Was kostet ein Typ-B-FI-Schalter im Vergleich zu Typ A?answer: Ein Typ-A-FI-Schalter für 2-polig kostet ca. 40–80 €, ein Typ-B ca. 180–400 € je nach Hersteller und Polzahl. Hinzu kommen Elektrikerkosten für den Einbau, typisch 60–120 € je nach Aufwand.