Die Wallbox meldet Schieflast

Die Wallbox bricht den Ladevorgang ab und zeigt einen Schieflast-Fehler — das Fahrzeug lädt nicht oder nur mit stark reduzierter Leistung. Ursache ist fast immer eine ungleichmäßige Stromverteilung auf die drei Phasen des Drehstromnetzes. Dieser Artikel zeigt, welche Ursachen hinter dem Fehler stecken und was Sie selbst prüfen dürfen.

Was bedeutet Schieflast — und warum reagiert die Wallbox darauf?

Im deutschen Niederspannungsnetz (230 V / 400 V) liefert der Netzbetreiber Drehstrom über drei Phasen (L1, L2, L3). Die Norm EN 61851-1, nach der Wallboxen zugelassen werden, verpflichtet das Gerät, die entnommene Leistung möglichst gleichmäßig auf alle drei Phasen zu verteilen. Sobald die Differenz zwischen der am stärksten und der am schwächsten belasteten Phase einen definierten Grenzwert überschreitet, drosselt die Wallbox den Ladestrom oder stoppt den Ladevorgang vollständig.

Der gesetzliche Hintergrund: § 19 Niederspannungsanschlussverordnung (NAV) verbietet es, Geräte zu betreiben, die das Netz des Netzbetreibers unzulässig belasten. Der Netzbetreiber toleriert im Hausnetz eine Schieflast von bis zu 4,6 kW je Phase — das entspricht 20 A bei einphasiger Last. Viele Wallboxen sind werksseitig konservativer eingestellt und reagieren bereits bei kleineren Differenzen.

Das typische Fehlerbild

So sieht der Fehler in der Praxis aus:

  • Der Ladevorgang startet, bricht aber nach wenigen Sekunden oder Minuten ab.
  • Die Wallbox zeigt einen Fehlercode (je nach Hersteller z. B. „E07“, „Imbalance“ oder „Schieflast“ im Display oder in der App).
  • Das Fahrzeug lädt nur einphasig mit stark reduziertem Strom, obwohl dreiphasiges Laden eingestellt ist.
  • Der Fehler tritt bevorzugt zu bestimmten Tageszeiten auf — oft abends, wenn weitere Verbraucher im Haushalt aktiv sind.

Ein Fehler, der ausschließlich beim Laden mit hohem Strom (16 A oder 32 A) auftritt, aber bei 6 A verschwindet, ist ein starkes Indiz für eine lastabhängige Ursache, nicht für einen Defekt der Wallbox selbst.

Ursache 1 (häufigste): Einphasige Großverbraucher laufen gleichzeitig

Ein Durchlauferhitzer, ein älterer Elektroherd oder eine Sauna zieht häufig nur auf einer Phase. Läuft dieser Verbraucher parallel zum Laden, entsteht im Hausnetz eine hohe Phasendifferenz. Die Wallbox misst diese Differenz — entweder intern oder über einen externen Stromzähler — und drosselt.

Erkennungsmerkmal: Der Fehler tritt nur auf, wenn ein bestimmtes Gerät im Haus eingeschaltet ist. Ein kurzer Test: Schalten Sie alle nicht zwingend benötigten Geräte aus und starten Sie den Ladevorgang erneut. Tritt der Fehler dann nicht auf, liegt die Ursache bei diesen Verbrauchern.

Was Sie selbst prüfen können: Überprüfen Sie, auf welcher Phase die größten Einzelverbraucher Ihrer Hausinstallation liegen. Das steht häufig auf dem Schaltplan im Sicherungskasten oder lässt sich aus den Beschriftungen der Leitungsschutzschalter ablesen, ohne den Kasten zu öffnen.

Ursache 2: Fehler in der Phasenzuordnung der Wallbox

Einige Wallboxen gleichen Schieflast aktiv aus, indem sie den Ladestrom auf mehrere Phasen aufteilen oder zwischen Phasen wechseln. Dazu messen sie die Ist-Last auf jeder Phase. Ist der externe Energiezähler (z. B. ein Modbus-Zähler) falsch verdrahtet oder einem falschen Kanal zugeordnet, „sieht“ die Wallbox eine Schieflast, die gar nicht existiert.

Erkennungsmerkmal: Der Fehler tritt auch ohne weitere Haushaltslast auf, und die App zeigt unrealistische Messwerte für einzelne Phasen (z. B. 0 A auf L2, obwohl das Fahrzeug dreiphasig lädt).

Was Sie selbst prüfen können: Prüfen Sie in der App oder im Webinterface der Wallbox, ob die angezeigten Phasenströme beim Laden plausibel sind. Eine Anleitung, wie ein externer Zähler konfiguriert wird, liegt dem Gerät bei. Die Konfiguration im Software-Menü dürfen Sie selbst ändern — das Öffnen des Schaltschranks oder Zählers nicht.

Ursache 3: Wallbox ist einphasig angeschlossen, das Fahrzeug lädt dreiphasig

Manche Wallboxen werden in älteren Installationen nur einphasig angeschlossen (z. B. 230 V, 1×32 A). Lädt ein Fahrzeug, das dreiphasiges Laden erwartet, an dieser Wallbox, kann es zu einer Phasenschiefe zwischen Fahrzeug-Erwartung und tatsächlichem Anschluss kommen. Einige Geräte melden das fälschlicherweise als Schieflast.

Erkennungsmerkmal: Die maximale Ladeleistung der Wallbox beträgt laut Typenschild unter 11 kW. Im Datenblatt steht „einphasig“ oder „1×32 A“.

Was Sie selbst prüfen können: Lesen Sie das Typenschild der Wallbox. Steht dort „1×32 A / 7,4 kW“, ist die Box einphasig. Im Fahrzeugmenü können Sie prüfen, ob das Fahrzeug auf einphasiges Laden beschränkt werden kann, um den Fehler zu umgehen.

Ursache 4: Netzspannungs-Asymmetrie im Netz des Netzbetreibers

In seltenen Fällen ist die Ursache nicht im Haus, sondern im Niederspannungsnetz des Netzbetreibers. Wenn viele Photovoltaik-Anlagen oder Verbraucher im Straßenzug einseitig auf einer Phase angeschlossen sind, kann die Spannung zwischen den Phasen um mehr als 3 % voneinander abweichen. Die Wallbox interpretiert diese Spannungsasymmetrie als Schieflast.

Erkennungsmerkmal: Der Fehler tritt auch in Häusern ohne weitere Eigenverbrauchsgeräte auf und ist tageszeit- oder jahreszeitabhängig (häufig mittags im Sommer, wenn viele PV-Anlagen einspeisen).

Was Sie selbst prüfen können: Messen Sie mit einem Multimeter die Spannung zwischen den drei Phasen am Hausanschluss — das ist nur an der Außenseite der Hausanschlusssicherungen zulässig, wenn diese zugänglich und spannungsführend von außen messbar sind. In den meisten Häusern ist das nicht ohne Öffnen des Zählerschranks möglich. Wenden Sie sich in diesem Fall an den Netzbetreiber und schildern Sie das Fehlerbild mit Uhrzeit und Datum.

Ursache 5 (seltenste): Defekt in der Wallbox selbst

Ein interner Messfehler — etwa ein defekter Stromsensor oder ein fehlerhaftes Firmware-Update — kann eine Schieflast vortäuschen, die messtechnisch nicht vorhanden ist.

Erkennungsmerkmal: Alle oben genannten Ursachen wurden ausgeschlossen. Der Fehler tritt reproduzierbar auch bei minimaler Last (6 A, keine anderen Verbraucher) auf. Ein Firmware-Update der Wallbox hat das Problem nicht behoben.

Was Sie selbst prüfen können: Prüfen Sie, ob ein Firmware-Update verfügbar ist, und installieren Sie es. Setzt ein Reset der Wallbox auf Werkseinstellungen den Fehler zurück? Beide Schritte sind im Benutzerhandbuch beschrieben und elektrisch sicher. Besteht der Fehler danach weiter, liegt ein Hardwaredefekt nahe.

Hier endet die Selbsthilfe — ab hier brauchen Sie eine Elektrofachkraft

Alles, was das Öffnen von Zählerschränken, das Ummessen von Phasen unter Spannung im Schaltschrank oder das Umklemmen von Leitungen erfordert, ist ausschließlich Aufgabe einer zugelassenen Elektrofachkraft (nach VDE 0100). Das gilt insbesondere für:

  • Prüfung der Phasenzuordnung an den Leitungsschutzschaltern im geöffneten Kasten
  • Nachmessen der Spannung auf L1, L2, L3 mit Zangenamperemeter im Schaltschrank
  • Umverdrahten des externen Zählers
  • Prüfung, ob die Wallbox korrekt dreiphasig angeschlossen ist
  • Einstellen eines neuen Schieflast-Schwellwerts in der Wallbox-Hardware (nicht im Software-Menü)

Beauftragen Sie einen Elektriker mit einer Phasenmessung und Lastaufnahme an der Wallbox. Ein erfahrener Betrieb braucht dafür unter einer Stunde. Halten Sie beim Termin Fehlercodes, Uhrzeit des letzten Auftretens und die Geräteliste aktiver Verbraucher bereit — das verkürzt die Diagnose erheblich.

Kernaussagen
  • Schieflast entsteht, wenn eine Phase deutlich mehr Strom führt als die anderen — die Wallbox drosselt oder stoppt dann automatisch.
  • Häufigste Ursache: ein einphasiger Großverbraucher (Durchlauferhitzer, Herd) läuft gleichzeitig mit dem Laden.
  • Fehler nur bei hohem Ladestrom (16-32 A), aber nicht bei 6 A: Ursache ist lastabhängig, kein Gerätedefekt.
  • Alles, was das Öffnen des Zählerschranks erfordert, darf ausschließlich eine Elektrofachkraft prüfen.
Häufige Fragen (FAQ)
  • question: Wie viel Schieflast ist im Hausnetz erlaubt?
    answer: Die Niederspannungsanschlussverordnung (NAV § 19) erlaubt dauerhaft 4,6 kW Differenz zwischen den Phasen — das entspricht 20 A bei 230 V einphasiger Last. Viele Wallboxen sind konservativer eingestellt und reagieren bereits bei kleineren Differenzen, um das Netz des Netzbetreibers nicht zu belasten.
  • question: Kann ich den Schieflast-Grenzwert in der Wallbox selbst erhöhen?
    answer: Manche Wallboxen erlauben die Anpassung des Schwellwerts im Software-Menü oder im Webinterface — das dürfen Sie selbst vornehmen, sofern der neue Wert die NAV-Grenze nicht überschreitet. Eine Änderung in der Hardware oder im Schaltschrank ist ausschließlich Aufgabe einer Elektrofachkraft.
  • question: Meine Wallbox zeigt Schieflast, aber ich habe keine anderen Verbraucher an — was tun?
    answer: Prüfen Sie zuerst, ob ein Firmware-Update verfügbar ist, und führen Sie einen Werksreset durch. Zeigt die App unrealistische Phasenwerte (z. B. 0 A auf einer Phase beim dreiphasigen Laden), ist der externe Zähler möglicherweise falsch konfiguriert. Alle weiteren Messungen im Schaltschrank erfordern eine Elektrofachkraft.
  • question: Hilft es, das Fahrzeug auf einphasiges Laden umzustellen?
    answer: Als Sofortmaßnahme ja — viele Elektrofahrzeuge lassen sich im Fahrzeugmenü auf 1-phasiges Laden mit maximal 7,4 kW begrenzen. Das löst das Schieflast-Problem sofort, reduziert aber die Ladeleistung erheblich. Die Grundursache bleibt bestehen und sollte durch einen Elektriker behoben werden.
  • question: Kann der Netzbetreiber für Schieflast im öffentlichen Netz verantwortlich sein?
    answer: Ja, bei Spannungsasymmetrien über 3 % zwischen den Phasen ist der Netzbetreiber zuständig. Tritt der Fehler zeitabhängig auf (z. B. mittags bei hoher PV-Einspeisung im Straßenzug), melden Sie das dem Netzbetreiber mit genauen Zeitstempeln. Dieser ist verpflichtet, die Netzqualität zu prüfen.
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probleme
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