Der Leitungsschutzschalter löst aus

Der Leitungsschutzschalter (LS-Schalter) im Sicherungskasten fällt herunter — und das Licht oder eine Steckdosengruppe ist tot. Dieser Artikel zeigt, warum das passiert, was Sie gefahrlos selbst prüfen können und wann ein Elektriker muss.

Was der LS-Schalter macht und warum er auslöst

Ein Leitungsschutzschalter schützt die Kabel hinter ihm vor Überhitzung. Er trennt den Stromkreis, sobald zu viel Strom fließt oder ein Kurzschluss auftritt. Das ist kein Defekt des Schalters — es ist die Schutzfunktion, die genau so arbeiten soll. Ein LS-Schalter, der auslöst, hat einen Fehler im Stromkreis erkannt. Den Schalter einfach wieder hochzuklappen ohne Ursachensuche ist gefährlich: Löst er sofort erneut aus, liegt mit hoher Wahrscheinlichkeit ein Kurzschluss vor.

LS-Schalter haben zwei Auslösemechanismen: Der thermische Auslöser (Bimetall) reagiert auf anhaltende Überlast — er braucht Sekunden bis Minuten. Der magnetische Auslöser reagiert auf Kurzschlussströme — er trennt in unter 20 Millisekunden. An der Auslösegeschwindigkeit können Sie grob unterscheiden, ob Überlast oder Kurzschluss vorlag.

Ursache 1: Überlast durch zu viele Verbraucher

Die häufigste Ursache ist eine dauerhaft zu hohe Last auf einem Stromkreis. Ein LS-Schalter mit 16 A schützt eine Leitung, die maximal rund 3.600 W liefern kann (bei 230 V). Wer auf einer Steckdosengruppe gleichzeitig Wasserkocher (2.000 W), Toaster (1.000 W) und Mikrowelle (900 W) betreibt, überschreitet diesen Wert.

Erkennungsmerkmale: Der Schalter fällt nicht sofort, sondern erst nach einigen Minuten. Er ist nach dem Auslösen warm. Das Auslösen passiert immer dann, wenn mehrere starke Geräte gleichzeitig laufen.

Was Sie selbst prüfen können: Addieren Sie die Wattzahlen der Geräte, die gleichzeitig am betroffenen Stromkreis liefen. Den maximalen Wert finden Sie auf dem LS-Schalter (Aufschrift z. B. „B16“ bedeutet 16 A, also rund 3.600 W). Verteilen Sie Hochlastgeräte auf verschiedene Stromkreise. Dann klappen Sie den Schalter wieder hoch — bleibt er oben, war Überlast die Ursache.

Ursache 2: Defektes oder fehlerhaftes Gerät

Ein einzelnes Gerät mit Wicklungsschluss, defektem Heizelement oder beschädigtem Kabel kann einen Kurzschluss oder eine so hohe Stromentnahme verursachen, dass der LS-Schalter sofort auslöst. Das passiert auch bei neuen Geräten, die beim ersten Einschalten einen internen Defekt zeigen.

Erkennungsmerkmale: Der Schalter löst exakt in dem Moment aus, in dem ein bestimmtes Gerät eingesteckt oder eingeschaltet wird. Nach dem Auslösen lässt er sich hochklappen, fällt aber sofort wieder, sobald das Gerät verbunden ist.

Was Sie selbst prüfen können: Trennen Sie alle Geräte vom betroffenen Stromkreis — ziehen Sie alle Stecker. Klappen Sie den LS-Schalter hoch. Stecken Sie die Geräte nacheinander ein und schalten Sie sie einzeln ein. Das Gerät, bei dem der Schalter auslöst, ist der Verursacher. Dieses Gerät nicht weiter betreiben — es ist defekt.

Ursache 3: Beschädigtes Anschlusskabel eines Geräts

Ein Kabel, das eingeklemmt, überfahren, angenagt oder mechanisch beschädigt wurde, kann einen Leiterschluss (Phase gegen Null oder Phase gegen Erde) erzeugen. Das Gerät selbst funktioniert scheinbar, das Kabel ist das Problem.

Erkennungsmerkmale: Das Gerät hat ein äußerlich beschädigtes Kabel — Knickstellen, Schnitte, blank liegende Drähte, Bissspuren. Der LS-Schalter löst aus, wenn das Kabel in einer bestimmten Position liegt.

Was Sie selbst prüfen können: Sichtprüfung der Anschlusskabel aller Geräte am betroffenen Stromkreis. Beschädigte Kabel sofort und dauerhaft außer Betrieb nehmen — kein Isolierband als Dauerlösung. Kabel von Elektrofachhandel oder Hersteller ersetzen lassen.

Ursache 4: Feuchte oder Feuchtigkeit in einer Unterputzdose oder Steckdose

Wasser in einer Steckdose oder Unterputzdose erzeugt Kriechströme. Das kann nach Wasserschäden, in Badezimmern ohne ausreichende Schutzart oder durch Kondensat passieren. Der Kriechstrom reicht aus, um den LS-Schalter zu aktivieren — oft auch den vorgelagerten FI-Schalter (Fehlerstromschutzschalter, RCD).

Erkennungsmerkmale: Das Problem tritt nach einem Wasserschaden, nach intensivem Duschen oder bei hoher Luftfeuchtigkeit auf. Manchmal sind Verfärbungen oder Korrosion an Steckdosen sichtbar.

Was Sie selbst prüfen können: Sichtprüfung aller Steckdosen des Stromkreises auf Verfärbungen, Feuchtigkeit oder Geruch nach verbranntem Kunststoff. Steckdosen, die feucht waren, nicht mehr nutzen und von einer Elektrofachkraft prüfen lassen — auch wenn sie trocken erscheinen.

Ursache 5: Defekter LS-Schalter

LS-Schalter haben eine begrenzte Lebensdauer. Nach vielen Schaltzyklen oder nach dem Abschalten sehr hoher Kurzschlussströme kann das Bimetall oder der Mechanismus verschleißen. Ein defekter LS-Schalter löst zu früh aus (unter Nennlast) oder lässt sich nicht mehr einrasten.

Erkennungsmerkmale: Der Schalter löst bei geringer Last aus, die früher problemlos war. Er lässt sich nicht mehr hochklappen oder rastet nicht ein. Das Gehäuse zeigt Rußspuren oder Verfärbungen.

Was Sie selbst prüfen können: Sichtprüfung des Schalters im Sicherungskasten — Rußspuren oder Verformungen sind eindeutige Warnsignale. Weitere Prüfung oder Austausch nur durch Elektrofachkraft.

Ursache 6: Fehler in der Festinstallation

Eine lose Klemme, eine gebrochene Ader in der Unterputzleitung oder ein Installationsfehler in einer Dose können einen Schlussstrom erzeugen. Diese Fehler entstehen durch Alterung, mechanische Einwirkung (Bohrer, Nagel) oder unsachgemäße frühere Arbeiten.

Erkennungsmerkmale: Kein Gerät ist als Verursacher identifizierbar — der LS-Schalter löst auch ohne angesteckte Verbraucher aus. Das ist ein sicheres Zeichen für einen Fehler in der festen Installation.

Was Sie selbst prüfen können: Trennen Sie alle Gerätestecker. Klappen Sie den LS-Schalter hoch. Löst er ohne jede Last aus, liegt der Fehler in der Leitung oder in einer Dose. Hier endet die Eigendiagnose.

Die Grenze der Eigendiagnose — und was jetzt zu tun ist

Alles, was das Öffnen des Sicherungskastens über die Sichtkontrolle hinaus erfordert, das Öffnen von Unterputzdosen, das Messen mit einem Multimeter an spannungsführenden Teilen oder das Lösen von Klemmen, ist Arbeit für eine zugelassene Elektrofachkraft. Die geltende Norm VDE 0100 regelt, welche Arbeiten an ortsfesten Anlagen nur von Fachbetrieben ausgeführt werden dürfen.

Folgende Situationen erfordern sofortigen Elektrikereinsatz — nicht erst beim nächsten Werktag:

  • LS-Schalter löst ohne angesteckte Verbraucher aus
  • LS-Schalter lässt sich nicht hochklappen oder rastet nicht
  • Sichtbare Rußspuren, Brandgeruch oder Schmelzspuren im Sicherungskasten oder an Steckdosen
  • Wassereinbruch in die Elektroinstallation
  • Kribbeln oder Schlag beim Berühren von Geräten oder Schaltern

Bis der Elektriker kommt: Den betroffenen Stromkreis abgeschaltet lassen, keine weiteren Versuche, den Schalter einzurasten. Andere Stromkreise im Haus funktionieren weiterhin unabhängig davon.

Kernaussagen
  • LS-Schalter auslösen ist kein Defekt des Schalters — er hat einen Fehler im Stromkreis erkannt.
  • Häufigste Ursache: zu viele Hochlastgeräte gleichzeitig auf einem 16-A-Kreis (max. ~3.600 W).
  • Defektes Gerät identifizieren: alle Stecker ziehen, Schalter hochklappen, Geräte einzeln anschließen.
  • Löst der LS-Schalter ohne angesteckte Verbraucher aus, liegt der Fehler in der festen Installation — Elektriker rufen.
  • Brandgeruch, Rußspuren oder Kribbeln an Geräten: Stromkreis offen lassen, sofort Fachbetrieb kontaktieren.
Häufige Fragen (FAQ)
  • question: Kann ich den LS-Schalter einfach wieder hochklappen?
    answer: Einmalig ja — aber nur nach einer kurzen Ursachensuche. Löst er sofort erneut aus, liegt ein Kurzschluss oder ein Fehler in der Leitung vor. Dann den Schalter offen lassen und einen Elektriker beauftragen. Wiederholtes Einrasten ohne Ursachenbehebung kann Kabel überhitzen und Brände auslösen.
  • question: Was ist der Unterschied zwischen LS-Schalter und FI-Schalter?
    answer: Der LS-Schalter (Leitungsschutzschalter) schützt die Kabel vor Überstrom und Kurzschluss. Der FI-Schalter (Fehlerstromschutzschalter, RCD) schützt Menschen vor gefährlichen Körperströmen ab 30 mA. Beide können gleichzeitig auslösen — dann liegt oft ein Erdschluss vor, bei dem Strom über einen Schutzleiter oder eine Person abfließt.
  • question: Wie viele Watt darf ich an einen 16-A-Stromkreis anschließen?
    answer: Ein B16-LS-Schalter schützt einen Stromkreis mit 16 A Nennstrom. Bei 230 V ergibt das rechnerisch 3.680 W. In der Praxis sollte die Dauerlast 80 % davon nicht überschreiten, also rund 2.900 W, da Kabel und Klemmen sonst dauerhaft thermisch belastet werden.
  • question: Warum löst der LS-Schalter nachts aus, obwohl kaum Geräte laufen?
    answer: Mögliche Ursachen sind Geräte im Stand-by mit internem Defekt, anlaufende Kältekompressoren (Kühlschrank, Gefriertruhe) mit hohem Anlaufstrom oder Kriechströme durch Feuchtigkeit. Trennen Sie alle Geräte vom betroffenen Kreis. Löst der Schalter weiterhin aus, liegt ein Installationsfehler vor — Elektriker beauftragen.
  • question: Darf ich einen LS-Schalter selbst austauschen?
    answer: Nein. Der LS-Schalter sitzt im Sicherungskasten an der Sammelschiene, die dauerhaft unter Spannung steht — auch bei abgeschalteten Schaltern. Arbeiten im Sicherungskasten sind nach VDE 0100 Fachbetrieben vorbehalten. Ein falsch dimensionierter oder falsch geklemmter Ersatzschalter gefährdet die gesamte Anlage.
  • question: Was kostet ein Elektriker für die Fehlersuche?
    answer: Stundenverrechnungssätze liegen je nach Region zwischen 70 € und 120 € netto, zuzüglich Anfahrt und Material. Eine einfache Fehlersuche (defektes Gerät, lose Klemme in einer Dose) ist oft in ein bis zwei Stunden erledigt. Leitungsschäden in Wänden können aufwendiger sein — dann hilft eine Schätzung vor Ort.
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probleme
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