Wo ist die Installation günstiger — Garage oder Carport?
Die Kurzantwort: Eine Wallbox in der angebauten Garage ist meist günstiger als im freistehenden Carport — vorausgesetzt, der Verteilerkasten befindet sich im Haus oder in der Garage selbst. Der entscheidende Kostentreiber ist die Länge und Art der Zuleitung vom Hausanschluss zur Ladestation. Liegt der Carport weniger als 15 Meter vom Zähler entfernt und ist die Erdverlegung bereits vorbereitet, kann sich das Bild umkehren. Als Faustformel gilt: Jeder zusätzliche Meter Erdkabel kostet 30 bis 60 Euro inklusive Tiefbau.
Schutzart: Was Garage und Carport unterscheidet
Die Schutzart (IP-Klasse) der Wallbox ist der erste technische Unterschied zwischen beiden Standorten. In einer geschlossenen Garage genügt IP44 — Schutz gegen Strahlwasser aus allen Richtungen. Ein Carport ist dagegen als Außenbereich einzustufen: Wind, Regen und Temperaturschwankungen erfordern mindestens IP54, besser IP65. Wallboxen mit höherer Schutzart kosten im Einkauf 80 bis 200 Euro mehr. Zusätzlich müssen alle Aufputz-Leitungen im Carport in UV-beständigen, schlagfesten Leerrohren verlegt werden — was den Materialaufwand um 50 bis 150 Euro erhöht.
Leitungsführung: Der größte Kostenblock
Die Zuleitung zur Wallbox muss als eigener Stromkreis vom Hauptverteiler geführt werden — das schreibt VDE 0100-722 vor. Bei einer Garage, die direkt an das Haus angebaut ist, reicht häufig eine Unterputzleitung durch die gemeinsame Wand. Das spart Tiefbau komplett ein. Typische Installationskosten für diesen Fall: 400 bis 700 Euro Elektrikerarbeit plus Material.
Beim freistehenden Carport führt kein Weg an einer Erdverlegung vorbei. Das Kabel muss mindestens 60 cm tief eingegraben werden (DIN VDE 0100, Bereich außerhalb von Gebäuden), in einem Schutzrohr und mit Kabelschutzziegel oder -sand abgedeckt. Bei 20 Metern Leitungslänge entstehen allein für den Tiefbau 600 bis 1.200 Euro, hinzu kommen Materialkosten für NYY-J 5×2,5-mm²-Kabel (ca. 4 bis 8 Euro/m) und Wiederherstellung des Belags (Pflaster, Rasen). Gesamtinstallation Carport freistehend: häufig 1.200 bis 2.500 Euro.
| Kostenpunkt | Garage (angebaut) | Carport (freistehend, 20 m) |
|---|---|---|
| Wallbox-Gerät (11 kW, IP54+) | 400–700 € | 500–900 € |
| Zuleitung & Leitungsführung | 100–300 € | 800–1.600 € |
| Erdungsaufwand | 100–200 € | 200–500 € |
| Elektrikerarbeit gesamt | 300–500 € | 500–900 € |
| Tiefbau & Wiederherstellung | 0 € | 400–1.000 € |
| Gesamtkosten (Richtwert) | 900–1.700 € | 1.800–4.000 € |
Erdungsaufwand und Potenzialausgleich
Im Außenbereich schreibt VDE 0100-722 einen Schutzpotenzialausgleich vor — alle leitfähigen Metallteile der Konstruktion (Stahlstützen, Dachrinne, Befestigungsplatten) müssen mit dem Schutzleiter verbunden werden. Bei einem Stahlcarport summiert sich das auf 3 bis 6 Stunden Elektrikerarbeit, also 200 bis 500 Euro zusätzlich. Eine Holzgarage ohne Metallelemente braucht diesen Aufwand nicht. In einer Massivgarage ist der Potenzialausgleich meist schon vorhanden oder mit minimalem Aufwand erweiterbar (50 bis 100 Euro).
Pflicht ist in beiden Fällen ein Fehlerstrom-Schutzschalter Typ B (RCD Typ B) im vorgelagerten Verteiler, da Gleichfehlerströme aus Wallboxen entstehen können. Kosten: 80 bis 150 Euro für das Bauteil, 30 bis 60 Minuten Einbauzeit.
Kabelquerschnitt und Spannungsfall
Je länger die Leitung, desto größer muss der Kabelquerschnitt sein, um den zulässigen Spannungsfall von maximal 3 % (VDE 0100-520) einzuhalten. Bei 11 kW Ladeleistung und 20 Metern Leitungslänge reicht 2,5 mm² knapp aus; bei 30 Metern ist 4 mm², bei 40 Metern 6 mm² erforderlich. Dickere Kabel sind nicht nur teurer in der Beschaffung (ca. 1,50 bis 2,50 Euro Aufpreis pro Meter), sondern auch aufwändiger zu verlegen. Für den Carport 30 Meter entfernt ergibt das allein beim Kabelmaterial 45 bis 75 Euro Mehrkosten gegenüber der kurzen Garagenvariante — überschaubar, aber Teil der Gesamtrechnung.
Genehmigung und Netzbetreiber-Meldung
Wallboxen bis 12 kW müssen dem Netzbetreiber gemeldet werden, sind aber genehmigungsfrei (§ 19 Abs. 2 NAV). Ab einer installierten Leistung von mehr als 4,6 kW (20 A) muss der Netzbetreiber zustimmen — verweigert er, kann eine steuerbare 11-kW-Box mit Smart-Meter-Anbindung die Lösung sein. Das gilt unabhängig vom Standort und verursacht keinen Kostenunterschied zwischen Garage und Carport.
Bei der Baugenehmigung sieht das anders aus: Ein neuer Carport kann in manchen Bundesländern genehmigungspflichtig sein, besonders bei Größe über 30 m² oder in bestimmten Bauzonen. Wer gleichzeitig Carport und Wallbox plant, sollte beide Vorhaben in einem Antrag bündeln — das spart Verwaltungsgebühren von 100 bis 300 Euro.
Entscheidungshilfe: Wann lohnt sich welcher Standort?
Wählen Sie die Garage, wenn:
- sie direkt ans Haus angebaut ist und der Verteiler weniger als 10 Meter entfernt liegt,
- keine Tiefbauarbeiten nötig sind,
- die Garage aus Massivbau (Beton, Ziegel) besteht und Potenzialausgleich bereits vorhanden ist,
- das Budget unter 1.500 Euro bleiben soll.
Wählen Sie den Carport oder planen ihn gleichzeitig neu, wenn:
- das Fahrzeug ohnehin überwiegend dort parkt und ein Umbauen vermieden werden soll,
- der Carport näher am Haus liegt als die Garage,
- Tiefbau-Leerrohre beim Bau des Carports bereits eingeplant werden (spart 400 bis 800 Euro nachträglich),
- eine PV-Anlage auf dem Carportdach geplant ist — dann teilt sich der Leitungsgraben mit dem PV-Kabel.
Wer beides neu plant, sollte Leerrohre beim Tiefbau immer mit einlegen — der Materialaufwand beträgt 30 bis 80 Euro, spart aber bei späterer Nachrüstung den kompletten Aufgrabungsaufwand.
Kernaussagen
- Angebaute Garage kostet gesamt 900–1.700 €, freistehender Carport 1.800–4.000 € — Haupttreiber ist der Tiefbau.
- Carport-Wallboxen brauchen IP54 oder höher und Potenzialausgleich an Metallteilen — das kostet 200–500 € extra.
- Kabelquerschnitt ab 30 m Leitungslänge auf 4 mm² erhöhen, sonst Spannungsfall über 3 % (VDE 0100-520).
- Leerrohre beim Carport-Neubau einlegen: 30–80 € Invest spart 400–800 € bei späterer Nachrüstung.
- RCD Typ B ist in beiden Fällen Pflicht — Bauteil kostet 80–150 €, unabhängig vom Standort.
Häufige Fragen (FAQ)
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question: Welche Schutzart muss eine Wallbox im Carport haben?answer: Mindestens IP54, empfohlen IP65. Carports gelten als Außenbereich, da sie nicht vollständig wetterfest sind. Wallboxen mit IP65 kosten im Vergleich zu IP44-Geräten 80 bis 200 Euro mehr im Einkauf.
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question: Muss ich für eine Wallbox im Carport einen eigenen Stromkreis legen?answer: Ja. VDE 0100-722 schreibt einen dedizierten Stromkreis vom Hauptverteiler vor — keine Mitnutzung bestehender Leitungen. Das gilt für Garage und Carport gleichermaßen und ist nicht verhandelbar.
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question: Was kostet der Tiefbau für ein Erdkabel zum Carport?answer: Bei 20 Metern Länge rechnen Sie mit 600 bis 1.200 Euro für Erdarbeiten inklusive Kabelschutzrohr, Kabelschutzziegel und Wiederherstellung des Belags. Hinzu kommen 4 bis 8 Euro pro Meter für das NYY-J-Kabel selbst.
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question: Brauche ich einen RCD Typ B für die Wallbox?answer: Ja, in beiden Fällen. Wallboxen können Gleichfehlerströme erzeugen, die herkömmliche Typ-A-Schutzschalter nicht erfassen. Ein RCD Typ B kostet als Bauteil 80 bis 150 Euro und muss vom Elektriker in den Verteiler eingebaut werden.
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question: Muss die Wallbox beim Netzbetreiber angemeldet werden?answer: Ja — Wallboxen bis 12 kW sind meldepflichtig nach § 19 Abs. 2 NAV. Genehmigungspflichtig wird es ab 4,6 kW (20 A), wenn der Netzbetreiber zustimmen muss. Das gilt für Garage und Carport gleich und verursacht keine standortbedingten Mehrkosten.
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question: Lohnt es sich, beim Carport-Neubau gleich Leerrohre zu verlegen?answer: Ja. Leerrohre kosten beim Neubau 30 bis 80 Euro Mehraufwand. Wer sie weglässt und die Wallbox später nachrüstet, zahlt 400 bis 800 Euro allein für das erneute Aufgraben und Wiederherstellen der Zuwegung.