Was Ladeinfrastruktur im Gewerbe kostet

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Wer Ladeinfrastruktur im Gewerbe plant, steht vor einer langen Kostenliste — von der Wallbox bis zum Netzanschluss. Dieser Artikel schlüsselt jede Kostenposition mit realistischen Bandbreiten auf, rechnet ein vollständiges Beispiel durch und zeigt, welche Faktoren den Preis nach oben oder unten treiben.

Die wichtigste Frage zuerst: Was kostet eine gewerbliche Ladeanlage insgesamt?

Eine gewerbliche Ladeanlage mit vier Ladepunkten á 11 kW kostet je nach Standortbedingungen zwischen 12.000 € und 35.000 € (Stand: Q2 2025, Nettopreise). Die Bandbreite ist so groß, weil Netzanschluss, Kabelwege und Steuerungstechnik stärker ins Gewicht fallen als die Wallboxen selbst. Wer nur auf den Gerätepreis schaut, unterschätzt das Projekt regelmäßig um 40–60 %.

Kostenposition 1: Die Wallbox-Hardware

Für gewerbliche Umgebungen kommen AC-Ladestationen mit 11 kW oder 22 kW in Frage. Die Gerätepreise (netto, Einkauf für gewerbliche Kunden) liegen 2025 in folgenden Bandbreiten:

TypLadeleistungPreis je Einheit (netto)
Einfach-Wallbox ohne Abrechnung11 kW300–600 €
Wallbox mit OCPP und Abrechnung11 kW700–1.400 €
Wallbox mit OCPP und Abrechnung22 kW1.000–2.000 €
DC-Ladestation (Schnellladen)50–150 kW15.000–60.000 €

Für die meisten Gewerbestandorte ist 11 kW AC der wirtschaftliche Standard. 22 kW setzt einen dreiphasigen Fahrzeugbordlader voraus — viele Fahrzeuge laden an 22 kW-Stationen trotzdem nur mit 11 kW.

Kostenposition 2: Installation und Elektroarbeit

Die Elektroinstallation ist in vielen Projekten die größte Einzelposition. Elektriker berechnen 2025 in Deutschland 75–120 € pro Stunde netto. Für eine Wallbox entstehen dabei folgende Arbeitsschritte:

  • Unterverteiler oder Abgang im Hauptverteiler: 200–600 €
  • Kabelverlegung (je laufender Meter NYY 5×6 mm²): 15–30 € inkl. Material
  • Montage und Inbetriebnahme je Wallbox: 150–400 €
  • Messprotokoll und VDE-Abnahme: 100–250 € je Anlage

Bei langen Kabelwegen — etwa von einer Tiefgarage zum Hausanschlussraum — können allein die Kabelkosten 2.000–5.000 € pro Ladepunkt betragen. Kurze Wege unter 20 m halten die Installationskosten dagegen unter 500 € je Punkt.

Kostenposition 3: Netzanschluss und Hausanschluss-Erweiterung

Reicht die bestehende Anschlussleistung nicht aus, berechnet der Netzbetreiber eine Baukostenbeteiligung. Diese Kosten sind nicht verhandelbar und richten sich nach dem Netzanschlussrecht (NAV). Typische Werte:

  • Erhöhung der Anschlussleistung (Tarif-Anpassung): 500–2.000 €
  • Physischer Ausbau des Hausanschlusses: 3.000–15.000 €
  • Neuer Hausanschluss bei Neubau: 5.000–20.000 €

Ob ein Ausbau nötig ist, klärt der Netzbetreiber im Rahmen einer Netzverträglichkeitsprüfung — diese ist für den Anschlussnehmer kostenlos und dauert gesetzlich maximal acht Wochen (§ 18 NAV).

Kostenposition 4: Lastmanagement und Backend

Sobald mehr als zwei Ladepunkte an einem Standort betrieben werden, ist dynamisches Lastmanagement wirtschaftlich sinnvoll — es verhindert Lastspitzen und spart Netzanschlusskapazität. Die Kosten entstehen zweifach:

Hardware: Ein Energiemanagementsystem (EMS) oder eine Gateway-Box kostet 800–3.000 € netto. Manche Wallbox-Hersteller integrieren diese Funktion im Gerät, andere verlangen separates Hardware.

Software/Backend: Für OCPP-basiertes Roaming, Nutzerverwaltung und Abrechnungs-Backend fallen laufende Kosten an. Marktüblich sind 5–20 € pro Ladepunkt und Monat für einfache Systeme, 30–80 € für vollständige Abrechnungslösungen mit Rechnungsstellung.

Kostenposition 5: Tiefbau und Fundamente

Außenstellplätze erfordern Erdarbeiten für Leerrohre oder direkt erdverlegte Kabel. Kalkulieren Sie:

  • Erdaushub und Verfüllung: 20–50 € je laufendem Meter
  • Leerrohr inkl. Verlegung: 8–15 € je laufendem Meter
  • Fundamentplatte je Standsäule: 300–800 €
  • Bohrung durch Wände oder Decken: 150–400 € je Durchbruch

Asphaltflächen, die aufgestemmt und neu versiegelt werden müssen, treiben den Tiefbau auf 80–150 € je laufendem Meter.

Durchgerechnetes Beispiel: Vier Ladepunkte auf einem Firmenparkplatz

Annahme: Parkplatz eines mittelständischen Unternehmens, Außenbereich, 40 m Kabelweg vom Unterverteiler, vier Wallboxen á 11 kW mit OCPP, Netzanschluss ausreichend vorhanden.

PositionAnsatzKosten netto
4× Wallbox 11 kW mit OCPP4 × 1.000 €4.000 €
Kabelverlegung 40 m × 4 Abgänge160 m × 20 €3.200 €
Tiefbau Erdkabel 40 m40 m × 35 €1.400 €
Unterverteiler mit AbsicherungPauschale1.200 €
Montage und Inbetriebnahme4 × 300 €1.200 €
EMS/Lastmanagement-GatewayPauschale1.500 €
VDE-Abnahme und MessprotokollPauschale400 €
Gesamtsumme12.900 €

Würde derselbe Standort einen Hausanschluss-Ausbau erfordern und lägen die Kabelwege bei 100 m, stiege die Gesamtsumme auf 22.000–28.000 €. Das zeigt: Die Gebäudesituation, nicht die Wallbox, bestimmt das Budget.

Was den Preis nach oben treibt

  • Langer Kabelweg: Jeder zusätzliche Meter kostet 15–50 € je nach Verlegemethode.
  • Hausanschluss-Ausbau: Kann allein 10.000–15.000 € kosten.
  • DC-Schnellladen: Eine 50 kW-DC-Station mit Tiefbau und Netzausbau überschreitet leicht 40.000 €.
  • Mehrere Gebäude: Jede Gebäudedurchführung und jeder getrennte Verteiler verursacht Zusatzkosten.
  • Abrechnungspflicht nach Eichrecht: MID-geeichte Zähler kosten je Einheit 100–300 € mehr; ab 2024 für öffentlich zugängliche Ladepunkte verpflichtend.

Was den Preis nach unten drückt

  • Kurze Kabelwege: Verteiler direkt am Stellplatz hält Installation unter 500 € je Punkt.
  • Sammelverlegung: Vier Kabel in einem Graben kosten weniger als vier separate Gräben.
  • Förderprogramme: KfW-Programm 442, BAFA-Zuschüsse und Länderprogramme reduzieren die Investition — Details finden Sie in der Förderrubrik auf Wallboxen.net.
  • Eigenleistung bei Tiefbau: Eigene Erdarbeiten unter Aufsicht des Elektrikers sind möglich, aber vorab mit dem ausführenden Betrieb klären.

Angebote richtig vergleichen

Ein Kostenvoranschlag, der nur Geräte und Pauschalmontage ausweist, ist unvollständig. Prüfen Sie vor der Beauftragung, ob folgende Positionen explizit enthalten oder explizit ausgeschlossen sind: Netzverträglichkeitsprüfung, Kabelwege und Tiefbau, Unterverteiler, EMS-Hardware, Backend-Einrichtung, VDE-Abnahme und Dokumentation. Die Angebotsprüfliste auf Wallboxen.net führt alle Positionen mit Kontrollfragen auf, damit kein Posten im Nachhinein als Nachtragsleistung erscheint.

Kernaussagen
  • Vier 11-kW-Ladepunkte kosten im Gewerbe 12.000–35.000 € netto — die Gebäudesituation, nicht die Wallbox, bestimmt das Budget.
  • Ein Hausanschluss-Ausbau durch den Netzbetreiber kann allein 5.000–20.000 € kosten und ist nicht verhandelbar.
  • Öffentlich zugängliche Ladepunkte brauchen ab 2024 MID-geeichte Zähler — das verteuert jede Einheit um 100–300 €.
  • Förderprogramme (KfW 442, BAFA, Länderprogramme) können die Investitionskosten spürbar senken — vor Beauftragung prüfen.
  • Angebote ohne explizite Kabelwege, Tiefbau und VDE-Abnahme sind unvollständig — Nachträge entstehen sonst garantiert.
Häufige Fragen (FAQ)
  • question: Was kostet eine einzige Wallbox im Gewerbe inklusive Installation?
    answer: Eine 11-kW-Wallbox mit OCPP kostet 700–1.400 € netto als Gerät. Die Installation addiert je nach Kabelweg weitere 500–3.000 €. Realistisch sind Gesamtkosten von 1.500–5.000 € je Ladepunkt — ohne Netzanschluss-Ausbau.
  • question: Muss ich als Unternehmen einen Eichrechts-konformen Zähler einbauen?
    answer: Ja, wenn der Ladepunkt öffentlich zugänglich ist oder Dritten gegenüber abgerechnet wird. Seit 2024 sind MID-geeichte Messeinrichtungen Pflicht (Mess- und Eichgesetz). Der Aufpreis je Wallbox liegt bei 100–300 € netto.
  • question: Wer stellt die Netzverträglichkeitsprüfung aus und was kostet sie?
    answer: Die Netzverträglichkeitsprüfung führt der zuständige Verteilnetzbetreiber durch. Sie ist für den Anschlussnehmer kostenlos und muss nach § 18 NAV innerhalb von acht Wochen abgeschlossen sein. Das Ergebnis bestimmt, ob ein Hausanschluss-Ausbau nötig ist.
  • question: Lohnt sich Lastmanagement bei nur zwei Ladepunkten?
    answer: Bei zwei Ladepunkten mit zusammen 22 kW ist statisches Lastmanagement (feste Leistungsobergrenze je Gerät) ausreichend und ohne Zusatzhardware umsetzbar. Dynamisches EMS lohnt sich ab drei bis vier Ladepunkten oder wenn Photovoltaik integriert werden soll.
  • question: Sind die Kosten für Ladeinfrastruktur steuerlich absetzbar?
    answer: Betrieblich genutzte Ladeinfrastruktur ist als Betriebsausgabe absetzbar und kann im Jahr der Anschaffung über Sonderabschreibungen (§ 7g EStG für Kleinbetriebe) vollständig geltend gemacht werden. Für steuerliche Details ist ein Steuerberater hinzuzuziehen.
  • question: Wie lange dauert ein typisches Installationsprojekt mit vier Ladepunkten?
    answer: Die reine Montagezeit beträgt ein bis zwei Werktage. Die Vorlaufzeit für Netzverträglichkeitsprüfung, Materialbestellung und Handwerkstermin beträgt vier bis zwölf Wochen. Engpässe entstehen durch Wartezeiten beim Netzbetreiber und bei der Elektriker-Verfügbarkeit.
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