Warum drei Angebote allein nicht reichen
Ein Angebotsvergleich scheitert häufig nicht an der Anzahl der Angebote, sondern an fehlender Vergleichbarkeit. Anbieter A listet nur das Gerät, Anbieter B schließt Kabel und Sicherungen ein, Anbieter C bietet ein Pauschalpaket ohne Einzelpositionen. Das Ergebnis: Der vermeintlich günstigste Anbieter ist es nach Nachtragsrechnung oft nicht mehr. Damit der Vergleich funktioniert, müssen alle drei Angebote dieselben Leistungsblöcke in Einzelpositionen ausweisen.
Die vier Hauptblöcke sind: Gerät, Material, Arbeitszeit und Nebenleistungen (Anmeldung, Prüfung, Dokumentation). Fehlt einer dieser Blöcke, fordern Sie eine Aufschlüsselung schriftlich nach.
Die Kostenpositionen im Einzelnen
1. Gerät (Wallbox)
Einfache einphasige 3,7-kW-Geräte ohne Steuerung kosten als Endkundenware ab rund 200 €. Dreiphasige 11-kW-Wallboxen mit App-Anbindung und Lastmanagement liegen zwischen 400 € und 900 €. Modelle mit integriertem Energiezähler (Eichrecht-konform, Pflicht für viele Förderprogramme) oder Solarüberschussladen starten bei rund 600 € und reichen bis 1.500 €. Stand: Frühjahr 2025.
Was den Preis nach oben treibt: Smart-Home-Integration, Kabelmanagement, robustes Außengehäuse (IP55+), Typ-2-Steckdose statt Festkabel. Nach unten: reine Basisfunktion, kein Display, kein Zähler.
2. Zuleitung und Kabel
Die Zuleitung vom Zählerkasten zur Wallbox ist der variabelste Posten. Üblich ist ein NYM-J 5×4 mm² oder NYM-J 5×6 mm² Kabel für 11 kW. Materialkosten: 3–8 € pro Laufmeter je nach Querschnitt und Hersteller. Bei einer typischen Leitungslänge von 15 m entstehen reine Materialkosten von 45–120 €.
Kommt Leerrohr, Kabelkanal oder Erdverlegung (NYY-J, Schutzrohr, Suchband) hinzu, verdoppeln bis verdreifachen sich die Materialkosten leicht. Erdverlegung auf 10 m Länge kostet allein an Material und Aushub erfahrungsgemäß 150–400 € zusätzlich.
3. Unterverteiler, Sicherungen, Fehlerschutz
Jede Wallbox benötigt eine eigene Absicherung. Mindeststandard ist ein B16-Leitungsschutzschalter plus Typ-B-Fehlerstromschutzschalter (RCD). Der Typ-B-RCD erkennt sowohl Wechsel- als auch Gleichfehlerströme — bei Wallboxen mit integriertem Gleichrichter oft Pflicht. Kosten: 80–180 € für Schutzschalter und RCD zusammen. Muss ein neues Unterverteilerfeld gesetzt werden, kommen 150–400 € hinzu.
4. Arbeitszeit
Elektroinstallationsbetriebe rechnen zwischen 65 € und 110 € netto pro Stunde (Stand: Frühjahr 2025, deutschlandweit, regionale Abweichungen von bis zu 20 %). Eine Standardinstallation bei günstiger Lage (Zählerkasten neben Garage, kein Erdkabel) dauert 3–5 Stunden. Bei komplexen Situationen (Keller-Zählerkasten, Außenwand-Durchbruch, Erdverlegung über Hof) realistisch 6–10 Stunden.
5. Anmeldung, Messung, Dokumentation
Der Netzbetreiber muss informiert oder eine Anmeldung eingereicht werden — je nach Bundesland und Leistung als Anzeige (bis 12 kW nach vereinfachtem Verfahren) oder als formeller Netzanschlussantrag. Viele Betriebe berechnen diese Leistung separat: 50–150 € pauschal. Abnahmeprüfung nach VDE 0100-722 und Übergabedokumentation sollten im Angebot explizit stehen.
Vollständig durchgerechnetes Beispiel
Ausgangssituation: Einfamilienhaus, Zählerkasten im Keller, Garage im Erdgeschoss, Wanddurchbruch 6 m Innen, 11-kW-Wallbox mit Eichrechts-Zähler, kein vorhandener RCD Typ B.
| Position | Angebot A | Angebot B | Angebot C |
|---|---|---|---|
| Wallbox 11 kW mit Zähler | 750 € | 680 € | 850 € |
| Kabel NYM-J 5×6, 12 m | 72 € | – | 96 € |
| Kabelkanal, Schellen | 45 € | – | 60 € |
| B16-Schalter + RCD Typ B | 130 € | – | 145 € |
| Wanddurchbruch, Abdichtung | 80 € | – | 90 € |
| Arbeitszeit (4,5 h × Stundensatz) | 383 € | – | 450 € |
| Anmeldung Netzbetreiber + Doku | 80 € | – | 100 € |
| Summe netto | 1.540 € | 1.200 € | 1.791 € |
| Summe brutto (19 %) | 1.833 € | 1.428 € | 2.131 € |
Angebot B wirkt auf den ersten Blick deutlich günstiger. Die fehlenden Einzelpositionen (alle als „–“ markiert) sind jedoch kein Zeichen von Sparsamkeit — sie fehlen im Angebot. Wird Angebot B schriftlich um Aufschlüsselung gebeten, steigt die Summe erfahrungsgemäß auf ein vergleichbares Niveau. Ist das Unternehmen nicht bereit, Einzelpositionen zu nennen, ist das ein Warnsignal.
Was die Bandbreite nach oben treibt
- Erdkabelverlegung über Hof oder Garten: +300–800 €
- Zählerkasten zu weit entfernt oder Leitungsquerschnitt muss erhöht werden: +100–300 €
- Denkmalgeschütztes Gebäude oder Tiefgaragenstellplatz mit Brandschutzauflagen: +200–600 €
- Lastmanagement für mehrere Wallboxen (Mehrfamilienhaus): +400–1.200 € für Steuereinheit
- Regionale Lohnkosten Süddeutschland/München: bis zu 20 % über Bundesdurchschnitt
Was die Bandbreite nach unten treibt
- Zählerkasten direkt neben dem Stellplatz: Leitungslänge unter 5 m
- Vorhandener RCD Typ B aus früherer Installation nutzbar
- Förderung durch KfW, Bundesländer oder Arbeitgeber: senkt Eigenanteil, nicht den Angebotspreis
- Einfache Wandmontage ohne Durchbruch, Kabelkanal bereits vorhanden
Förderung einrechnen — aber richtig
Förderungen (KfW 442, Landesförderungen, betriebliche Zuschüsse) reduzieren Ihren Eigenanteil, erscheinen aber nicht im Handwerkerangebot. Tragen Sie den Förderbetrag erst nach Angebotsvergleich ab — auf Basis des günstigsten geprüften Angebots. Welche Förderprogramme aktuell aktiv sind und welche Bedingungen gelten, zeigt die Förderrubrik auf Wallboxen.net.
Checkliste für den Angebotsvergleich
Bevor Sie sich entscheiden, prüfen Sie für jedes der drei Angebote:
- Sind Gerät, Material, Arbeitszeit und Nebenleistungen als Einzelpositionen ausgewiesen?
- Ist der RCD-Typ (Typ A oder Typ B) genannt?
- Steht die Anmeldung beim Netzbetreiber und die VDE-Abnahme explizit drin?
- Ist die Garantie auf Gerät und Installationsleistung getrennt ausgewiesen?
- Hat der Betrieb eine Konzessionseintragung bei der Bundesnetzagentur?
Eine vollständige Angebotsprüfliste mit allen 12 Prüfpunkten finden Sie im Ratgeber „Angebotsprüfliste Wallbox“ auf Wallboxen.net. Nutzen Sie diese Liste als Grundlage, bevor Sie ein Angebot unterschreiben.
Kernaussagen
- Angebote nur vergleichbar, wenn alle vier Blöcke einzeln ausgewiesen sind: Gerät, Material, Arbeitszeit, Nebenleistungen.
- Standardinstallation kostet brutto 1.200–2.200 € — Erdverlegung oder Lastmanagement treiben den Preis deutlich darüber.
- Pauschalangebote ohne Einzelpositionen schriftlich aufschlüsseln lassen — fehlende Positionen tauchen später als Nachtragsrechnung auf.
- Förderungen immer erst nach dem Angebotsvergleich abziehen — sie senken den Eigenanteil, nicht den Handwerkerpreis.
- RCD Typ B und Netzbetreiber-Anmeldung müssen im Angebot explizit stehen — fehlen sie, ist das Angebot unvollständig.
Häufige Fragen (FAQ)
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question: Was kostet eine Wallbox-Installation insgesamt?answer: Eine Standardinstallation mit 11-kW-Wallbox, Zuleitung, RCD Typ B und Netzbetreiber-Anmeldung kostet brutto typischerweise 1.200–2.200 €. Erdkabelverlegung, großer Abstand zum Zählerkasten oder Lastmanagement für mehrere Ladepunkte können den Preis auf 3.000 € und mehr treiben.
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question: Brauche ich wirklich drei Angebote?answer: Für Förderungen wie den KfW-Zuschuss 442 ist die Anzahl der Angebote nicht formal vorgeschrieben — aber drei Angebote schützen Sie vor überhöhten Preisen und zeigen, ob Positionen fehlen. Der Preisunterschied zwischen zwei realen Vergleichsangeboten beträgt im Schnitt 15–30 %.
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question: Was ist ein RCD Typ B und warum kostet er extra?answer: Ein RCD Typ B ist ein Fehlerstromschutzschalter, der neben Wechselfehlerstrom auch Gleichfehlerströme erkennt. Bei Wallboxen mit integriertem Gleichrichter ist er normativ erforderlich. Im Gegensatz zum günstigeren Typ A kostet ein Typ-B-RCD allein 60–120 € Materialkosten.
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question: Kann ich die Wallbox selbst kaufen und nur die Installation beauftragen?answer: Ja, das ist möglich und kann den Angebotspreis senken, da Elektriker auf Fremdgeräte oft keinen Gewinnaufschlag kalkulieren können. Beachten Sie: Bei Geräten, die Sie selbst kaufen, übernimmt der Elektrobetrieb keine Gewährleistung auf das Gerät, nur auf die Installationsleistung. Klären Sie das vor Auftragserteilung schriftlich.
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question: Was bedeutet Netzbetreiber-Anmeldung und wer macht das?answer: Wallboxen bis 12 kW müssen dem Netzbetreiber angezeigt werden — in der Regel reicht eine formlose Anzeige, in manchen Fällen ist ein Netzanschlussantrag nötig. Das übernimmt der Elektrobetrieb. Die Kosten dafür (50–150 €) müssen im Angebot stehen — ist diese Position nicht aufgeführt, fragen Sie explizit nach.